Gaza: Tausende wollen ausreisen - Kliniken kaum arbeitsfÀhig
02.11.2023 - 16:07:15 | dpa.deDie Not der Zivilbevölkerung im Gazastreifen wÀchst laut UN-PalÀstinenserhilfswerk UNRWA weiter. «Das Ausmaà der Tragödie ist beispiellos», sagte UNRWA-Chef Philippe Lazzarini.
Im umkĂ€mpften Gazastreifen warten nach Angaben Ăgyptens rund 7000 auslĂ€ndische Staatsangehörige aus 60 LĂ€ndern auf die Ausreise. Das teilte das AuĂenministerium in Kairo mit. Die israelische Armee griff nach eigenen Angaben seit Kriegsbeginn am 7. Oktober mehr als 12.000 Ziele im Gazastreifen an.
Rund 400 AuslĂ€nder und PalĂ€stinenser mit doppelter Staatsangehörigkeit verlieĂen den Gazastreifen und kamen im Ă€gyptischen Teil des GrenzĂŒbergangs Rafah an, wie der Ăgyptische Rote Halbmond der Deutschen Presse-Agentur bestĂ€tigte.
Heftige KĂ€mpfe im Norden des Gazastreifens
Im Norden des Gazastreifens kam es in der Nacht zu heftigen Gefechten zwischen israelischen Soldaten und Mitgliedern der Hamas. Der bewaffnete Arm der im Gazastreifen herrschenden Islamistenorganisation, die Kassam-Brigaden, berichtete von KĂ€mpfen im Nordwesten.
Die israelische Armee teilte mit, Soldaten seien auf «Terrorzellen» gestoĂen, die mit Panzerabwehrraketen, SprengsĂ€tzen und Handgranaten angegriffen hĂ€tten. «Dutzende Terroristen» seien getötet und Infrastruktur der Hamas zerstört worden. Das MilitĂ€r machte keine Angaben zu Opfern in den eigenen Reihen.
Israel reagierte mit Angriffen im Gazastreifen auf das schlimmste Massaker in seiner Geschichte, das Terroristen der Hamas und anderer Extremistengruppen im Grenzgebiet verĂŒbt hatten. Das israelische Fernsehen berichtete, nach neuesten Erkenntnissen seien an dem Ăberraschungsangriff rund 3000 Terroristen beteiligt gewesen.
Offenbar 1000 weitere Ziele im Visier
Das israelische MilitĂ€r hat nach eigenen Angaben inzwischen 12.000 Ziele angegriffen, am Mittwoch war noch die Zahl von 11.000 genannt worden. Darunter seien Waffenlager, GebĂ€ude von fĂŒhrenden Mitgliedern der Hamas, Terroristen und Raketenarsenale gewesen, teilte Armee-Sprecher Daniel Hagari auf der Plattform X (ehemals Twitter) mit.
Die Armee betont seit Kriegsbeginn stets, nur Hamas-Ziele im Gazastreifen anzugreifen. Allerdings lösen die hohe Zahl an zivilen Opfern in dem dicht besiedelten KĂŒstengebiet sowie die katastrophale Lage fĂŒr die Bewohner international zunehmend Kritik aus.
Die Zahl der getöteten PalĂ€stinenser im Gazastreifen ist seit Beginn des Kriegs laut dem von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium auf 9061 gestiegen, unter ihnen 3760 Kinder und Jugendliche und 2326 Frauen. Die Zahlen der Behörde lassen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Ministerium: Nur HÀlfte der Kliniken noch arbeitsfÀhig
Die KrankenhĂ€user im Gazastreifen können nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums kaum noch arbeiten. 16 von insgesamt 35 KrankenhĂ€usern könnten wegen Treibstoffmangels keine Patienten mehr behandeln, teilte ein Sprecher. Sie brauchen fĂŒr ihre Generatoren Treibstoff, um Strom zu erzeugen. Andere Kliniken könnten nur sehr eingeschrĂ€nkte Versorgung leisten, hieĂ es weiter.
Israel will die Einfuhr von Treibstoff in den Gazastreifen nicht erlauben, weil es einen Missbrauch durch die Hamas befĂŒrchtet. Er diene den Islamisten etwa zur BelĂŒftung des unterirdischen Tunnelsystems, von denen aus israelische Soldaten angegriffen werden könnten.
UNRWA: HumanitĂ€re Feuerpause lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig
Angesichts zahlreicher ziviler Opfer und der angespannten Versorgungslage wĂ€hrend der israelischen Angriffe forderte das UN-PalĂ€stinenserhilfswerk UNRWA erneut eine Feuerpause. «Eine humanitĂ€re Feuerpause ist lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig», sagte Generalkommissar Lazzarini nach seinem ersten Besuch im Gazastreifen seit Kriegsbeginn. Die Not und die unhygienischen Lebensbedingungen seinen jenseits der Vorstellungskraft.
Inzwischen rund 270 Lastwagen mit HilfsgĂŒtern angekommen
Im Gazastreifen trafen weitere 55 Lastwagen mit dringend benötigten HilfsgĂŒtern ein. Sie hĂ€tten Wasser, Essen und Arzneimittel von Ăgypten aus ĂŒber die Grenze gebracht, teilte der PalĂ€stinensische Rote Halbmond mit. Damit seien seit Beginn des Kriegs insgesamt 272 Lastwagen dort eingetroffen. Die Lieferung von Treibstoff sei bisher nicht genehmigt worden, hieĂ es weiter. UN-Angaben zufolge brĂ€uchte es tĂ€glich 100 Lkw-Ladungen, um die mehr als zwei Millionen Menschen im umkĂ€mpften Gazastreifen mit dem Nötigsten zu versorgen.
Ein Toter bei Anschlag im Westjordanland
Bei einem Anschlag im von Israel besetzten Westjordanland ist nach israelischen Angaben ein Mann getötet worden. «Terroristen haben auf ein Auto geschossen», teilte die Armee mit. Bei EinsÀtzen des israelischen MilitÀrs im Westjordanland sind nach palÀstinensischen Angaben drei Menschen getötet worden. Ein PalÀstinenser sei in Kalkilia im Norden des von Israel besetzten PalÀstinensergebietes getötet worden, zwei weitere bei Ramallah, teilte das Gesundheitsministerium in Ramallah mit.
Gefechte an der libanesisch-israelischen Grenze
An der Grenze zwischen dem Libanon und Israel kam es erneut zu Gefechten. Die israelische Armee beschoss und traf nach eigenen Angaben eine «Terrorzelle» im libanesischen Grenzgebiet. Diese habe versucht, Panzerabwehrraketen nach Nordisrael zu schieĂen, teilte das MilitĂ€r mit. Die Schiitenorganisation Hisbollah erklĂ€rte, ein israelisches «Spionagesystem» getroffen zu haben. Einer libanesischen Sicherheitsquelle zufolge beschoss das israelische MilitĂ€r als Reaktion Dörfer im Grenzgebiet.
Israel dementiert Krise in Beziehungen zu Bahrain
Israel wies Berichte ĂŒber eine Abberufung seines Botschafters in Bahrain sowie des bahrainischen Botschafters in Israel zurĂŒck. Ein Sprecher des AuĂenministeriums in Jerusalem teilte mit, es gebe «keine Mitteilung oder Entscheidung der Regierung in Bahrain und der israelischen Regierung, die Botschafter der LĂ€nder abzuberufen». Die Beziehungen beider LĂ€nder seien stabil. Das AuĂenministerium in Bahrain Ă€uĂerte sich zunĂ€chst nicht.
Das bahrainische Parlament hatte zuvor mitgeteilt, der Golfstaat habe seinen Botschafter abberufen. Der israelische Botschafter habe das Königreich verlassen. Alle Wirtschaftsbeziehungen mit Israel wĂŒrden demnach eingestellt. Bahrain bekrĂ€ftigte seine «feste UnterstĂŒtzung fĂŒr die palĂ€stinensische Sache», hieĂ es.
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