Nahost, Gewalt

Ausschreitungen israelischer Siedler nach Anschlag

21.06.2023 - 17:39:24

Immer neue Gewalt im Westjordanland: Am Tag nach der tödlichen Attacke von zwei PalÀstinensern richten aufgebrachte Siedler massive Zerstörungen an. Bei Konfrontationen gibt es mindestens einen Toten.

  • Ein israelischer Sicherheitsbeamter steht am Tatort eines Anschlags nahe einer israelischen Siedlung im Westjordanland. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

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  • Zahlreiche Autos gingen bei den Ausschreitungen in Flammen auf. - Foto: Ilia yefimovich/dpa

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Ein israelischer Sicherheitsbeamter steht am Tatort eines Anschlags nahe einer israelischen Siedlung im Westjordanland. - Foto: Ilia Yefimovich/dpaZahlreiche Autos gingen bei den Ausschreitungen in Flammen auf. - Foto: Ilia yefimovich/dpa

Nach einem tödlichen Anschlag auf Israelis im Westjordanland ist es dort am Mittwoch zu schweren Ausschreitungen wĂŒtender israelischer Siedler gegen PalĂ€stinenser gekommen. Hunderte Israelis setzten allein in der palĂ€stinensischen Ortschaft Turmus Aya Dutzende Fahrzeuge und GebĂ€ude in Brand, wie die israelische Armee bestĂ€tigte.

Nach Angaben des palĂ€stinensischen Gesundheitsministeriums wurde dort anschließend bei Konfrontationen mit SicherheitskrĂ€ften ein junger PalĂ€stinenser erschossen. Weitere Menschen seien durch scharfe Munition zum Teil schwer verletzt worden.

Die Polizei teilte mit, erste Ermittlungen hÀtten ergeben, dass PolizeikrÀfte bei dem Vorfall von Dutzenden von PalÀstinensern mit Steinen und Feuerwerkskörper angegriffen worden und auch beschossen worden seien. Daraufhin habe ein Polizist, der sich in Lebensgefahr gesehen habe, gezielt auf einen der Randalierer geschossen und getroffen. Der Vorfall werde untersucht.

Am Abend drangen rund 200 israelische Siedler dann nach Medienberichten in eine weitere palĂ€stinensische Ortschaft ein. Sie hĂ€tten sich in Urif sĂŒdlich von Nablus Konfrontationen mit Einwohnern geliefert. Aus dem Ort stammten zwei palĂ€stinensische AttentĂ€ter, die am Dienstag im Westjordanland vier Israelis erschossen hatten.

Die israelische Armee verurteilte das Vorgehen der Siedler. «Solche VorfÀlle hindern die Armee und SicherheitskrÀfte daran, sich auf ihre Hauptaufgabe zu konzentrieren - die Sicherheit des Staates Israel zu gewÀhrleisten und Terror zu verhindern.»

Der israelische MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu betonte, Israel sei ein Rechtsstaat. Alle BĂŒrger seien verpflichtet, sich an das Gesetz zu halten und man werde weitere Ausschreitungen nicht dulden.

Vier Israelis getötet

Zuvor waren Dutzende Siedler in den vor zwei Jahren gerĂ€umten Siedlungs-Außenposten Eviatar im Westjordanland zurĂŒckgekehrt. Die Lage in der Region hatte sich in den vergangenen Tagen wieder zugespitzt. Am Dienstag töteten zwei palĂ€stinensische Angreifer nahe einer Siedlung im Westjordanland vier Israelis. Vier Israelis wurden verletzt.

Die Angreifer eröffneten unweit von Eli das Feuer auf eine Tankstelle sowie ein Restaurant. Beide AttentÀter wurden getötet. Die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas teilte mit, die MÀnner hÀtten dem militÀrischen Arm der Organisation angehört.

Sieben getötete PalÀstinenser

Hamas nannte den Anschlag eine Reaktion auf Israels Vorgehen im Gazastreifen und im Westjordanland. Dies bezog sich auch auf einen MilitÀreinsatz in der Stadt Dschenin am Montag, bei dem sechs PalÀstinenser getötet wurden, darunter militante KÀmpfer. Inzwischen erlag auch ein 15-jÀhriges MÀdchen seinen Verletzungen, wie das palÀstinensische Gesundheitsministerium mitteilte. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesopfer auf sieben.

Dschenin gilt als Hochburg militanter PalÀstinenser. Immer wieder kommt es dort zu Konfrontationen mit dem israelischen MilitÀr. Die Armee macht im Westjordanland seit einer Reihe von AnschlÀgen auf Israelis vermehrt Razzien.

Seit Beginn des Jahres wurden somit 134 PalĂ€stinenser bei israelischen MilitĂ€reinsĂ€tzen, Konfrontationen oder nach eigenen AnschlĂ€gen getötet. Im gleichen Zeitraum kamen 22 Israelis, eine Ukrainerin und ein Italiener bei AnschlĂ€gen ums Leben. Israel eroberte das Westjordanland und Ost-Jerusalem wĂ€hrend des Sechstagekrieges 1967. Die PalĂ€stinenser fordern die Gebiete fĂŒr einen eigenen Staat.

Bei Protesten drusischer Einwohner der von Israel besetzten Golanhöhen gab es am Mittwoch nach Medienberichten ebenfalls zahlreiche Verletzte. Sie protestierten den Berichten zufolge gegen die Aufstellung von Windkraftanlagen auf ihren Feldern.

@ dpa.de