Alaska-Gipfel, Trump

Vor Alaska-Gipfel: Trump erwartet kein Abkommen mit Putin

11.08.2025 - 19:59:50

In Alaska treffen sich am Freitag US-PrĂ€sident Trump und der russische PrĂ€sident Putin und verhandeln ĂŒber ein Ende des Ukraine-Kriegs. Doch die EuropĂ€er wollen mitreden.

Vor dem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin hat US-PrĂ€sident Donald Trump klargestellt, dass die beiden kein Abkommen zum Ukraine-Krieg abschließen werden. «Ich werde keinen Deal machen», sagte er bei einer Pressekonferenz in Washington und verwies darauf, dass dies nicht seine Aufgabe sei. Trump fĂŒgte hinzu, dass er gerne eine Waffenruhe sehen wĂŒrde. «Ich möchte den besten Deal sehen, der fĂŒr beide Seiten erzielt werden kann.» 

Am Freitag wollen Trump und Putin im US-Bundesstaat Alaska ĂŒber eine mögliche Friedenslösung in dem seit rund dreieinhalb Jahren dauernden russischen Angriffskrieg verhandeln. Trump stellt das Treffen in Alaska als Versuch dar, einem Ende der KĂ€mpfe nĂ€herzukommen. Er sprach in diesem Kontext von einem möglichen Gebietstausch zwischen der Ukraine und Russland. Die Ukraine lehnt Gebietsabtretungen strikt ab. 

Trump kĂŒndigte zudem an, den ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj sowie europĂ€ische Staats- und Regierungschefs nach dem Alaska-Gipfel sofort ĂŒber das GesprĂ€ch mit Putin zu informieren.

Vorberatungen vor Alaska-Gipfel

Bundeskanzler Friedrich Merz versucht unterdessen, eine gemeinsame Linie zwischen den EuropÀern und US-PrÀsident Donald Trump zu finden. Am Mittwoch beraten auf Initiative des Kanzlers europÀische Staats- und Regierungschefs mit Selenskyj und Trump. 

Bei der Videokonferenz soll es unter anderem um darum gehen, wie Druck auf Russland aufgebaut werden kann. «DarĂŒber hinaus soll ĂŒber die Vorbereitung möglicher Friedensverhandlungen und damit verbundene Fragen zu TerritorialansprĂŒchen und Sicherheiten gesprochen werden», teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin mit. 

Zur Vorbereitung auf das GesprĂ€ch mit Trump ist außerdem ein virtuelles Meeting von Merz mit den Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Finnland geplant, an dem auch EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen, Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte sowie Selenskyj teilnehmen sollen. Nach den Beratungen mit Trump sind noch einmal Beratungen europĂ€ischer Staats- und Regierungschefs geplant. 

Eine Sprecherin der EU-Kommission bestĂ€tigte, dass von der Leyen an den Beratungen europĂ€ischer Regierungschefs mit Trump teilnimmt. Die GesprĂ€che wĂŒrden von Merz organisiert. Dem ÉlysĂ©e-Palast zufolge ist auch Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron Teil der GesprĂ€che mit Trump. Demnach handelt es sich um eine gemeinsame Initiative von Macron, Merz und dem britischen Premier Keir Starmer. 

Ukraine an Friedenslösung beteiligen

Die Bundesregierung betonte die Bedeutung einer Beteiligung der Ukraine an jeder Friedenslösung. Zugleich könne dies «ein sehr, sehr wichtiger Moment sein fĂŒr den weiteren Verlauf dieses schrecklichen Krieges», sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer.

Er verwies auf Aussagen von Merz, der in der ARD erklĂ€rt habe, er setze darauf, dass die Ukrainer eingebunden wĂŒrden. Der Sprecher sagte: «Denn wenn das Ziel ist, wirklich einen nachhaltigen und auch gerechten Frieden zu erreichen, dann ist das ja nur vorstellbar mit der Ukraine. Es ist ja völlig ausgeschlossen, dieses Ziel zu erreichen ĂŒber die Köpfe der Ukrainerinnen und Ukrainer hinweg.»

Mögliche Gebietsabtretungen?

Trump brachte erneut den Austausch von Gebieten ins Spiel. Er sagte, dass es VerĂ€nderungen im Land geben werde. «Wir werden die Frontlinien verschieben», sagte der US-PrĂ€sident weiter ohne genauere Details zu nennen. Man werde versuchen, einen Teil fĂŒr die Ukraine zurĂŒckzugewinnen.

Zugleich kritisierte Trump Selenskyj. Er verstehe sich mit ihm, aber mit dessen Vorgehen sei er nicht einverstanden. Moskau forderte zuletzt fĂŒr eine friedliche Lösung des Konflikts unter anderem einen Verzicht der Ukraine auf einen Nato-Beitritt sowie die Abtretung der von Russland annektierten Gebiete. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj lehnt den Verzicht auf die von Russland schon 2014 annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim sowie auf die teils von Moskau kontrollierten Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson bisher unter Verweis auf die Verfassung aber kategorisch ab.

Trump sagte, es habe ihn etwas gestört, das Selenskyj auf die Verfassung in der Sache verweist, aber ja auch die Zustimmung dafĂŒr erhalten habe, «Krieg zu fĂŒhren und alle zu töten».

Russland hatte den Krieg vor rund dreieinhalb Jahren gegen die Ukraine begonnen.

Nato-GeneralsekretĂ€r Rutte hatte betont, die Ukraine sei ein souverĂ€ner Staat, der seine geopolitische Zukunft selbst bestimme. Dem US-Sender ABC sagte er aber auch: «Wir mĂŒssen im Moment zur Kenntnis nehmen, dass Russland einen Teil des ukrainischen Territoriums kontrolliert.» Nach einer Waffenruhe werde sich die Frage stellen, wie es in territorialen Fragen und mit Blick auf mögliche Sicherheitsgarantien fĂŒr die Ukraine weitergehe. 

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas betonte nach einer Videokonferenz der EU-Außenminister dagegen: «Solange Russland nicht einem vollstĂ€ndigen und bedingungslosen Waffenstillstand zugestimmt hat, sollten wir nicht einmal ĂŒber irgendwelche ZugestĂ€ndnisse diskutieren.» Ein Waffenstillstand mĂŒsse streng ĂŒberwacht werden und es brauche «eiserne Sicherheitsgarantien». Zudem kĂŒndigte Kallas ein neues Sanktionspaket der EU gegen Russland an. Es wĂ€re das 19. Paket mit Strafmaßnahmen gegen Moskau. Details zu den geplanten Sanktionen nannte sie nicht. 

Selenskyj: Werden unsere UnabhÀngigkeit verteidigen

Der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj unterstrich indirekt, dass er einen Deal zum Gebietstausch nicht akzeptieren werde. «Wir werden unser Land und unsere UnabhĂ€ngigkeit auf jeden Fall verteidigen», betonte er. Und alles, was die Ukraine betreffe, mĂŒsse unter Beteiligung der Ukraine entschieden werden. 

In dem Treffen am Freitag sieht der ukrainische PrĂ€sident einen neuen TĂ€uschungsversuch Moskaus. «Wir verstehen die Absicht der Russen, Amerika zu tĂ€uschen – das werden wir nicht zulassen», sagte Selenskyj. Er schĂ€tze die Entschlossenheit Trumps, den Krieg zu beenden.

Kremlchef Wladimir Putin bereite sich «definitiv nicht» auf einen Waffenstillstand vor, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Er sei nur entschlossen, das Treffen mit US-PrÀsident Donald Trump «als seinen persönlichen Sieg darzustellen und weiterhin so zu handeln, wie er bisher gehandelt hat».

Treffen ohne Ukraine

Selenskyj ist nicht nach Alaska eingeladen. Der US-Nato-Botschafter schließt allerdings eine Einladung an Selenskyj zu dem Treffen nicht aus. «Ich halte es durchaus fĂŒr möglich», sagte Matthew Whitaker dem Sender CNN. Die Entscheidung werde von US-PrĂ€sident Trump getroffen. 

Trump selbst stellte ein Treffen von Selenskyj und Putin in Aussicht: «Das nÀchste Treffen wird mit Selenskyj und Putin sein, oder mit Selenskyj, Putin und mir.» Der US-PrÀsident bot an, dass er hinzukommen wolle, sofern er bei einem Treffen der beiden benötigt werde.

@ dpa.de