Venezuela, USA

Venezuela kĂŒndigt Freilassung vieler HĂ€ftlinge an

08.01.2026 - 22:22:21

In dem autoritÀr regierten Land sitzen Hunderte politische HÀftlinge hinter Gittern. Nun sollen einige freigelassen werden - unter ihnen auch prominente Oppositionelle.

Die venezolanische Regierung hat die Freilassung einer großen Zahl venezolanischer und auslĂ€ndischer Gefangener angekĂŒndigt - unter ihnen sind Medienberichten zufolge prominente Oppositionelle. Einer von ihnen sei Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa, eine andere die Menschenrechtlerin RocĂ­o San Miguel, berichtete unter anderem die Zeitung «El Nacional». Offiziell bestĂ€tigte Freilassungen gibt es noch nicht.

ParlamentsprĂ€sident Jorge RodrĂ­guez sagte bei der AnkĂŒndigung, dies sei eine Geste «auf der Suche nach Frieden». Um welche und wie viele HĂ€ftlinge es sich genau handelt, sagte der Bruder der geschĂ€ftsfĂŒhrenden PrĂ€sidentin Delcy RodrĂ­guez nicht. Die spanische Regierung teilte mit, dass fĂŒnf Spanier unter den Freigelassenen sind.

Menschenrechtler: Hunderte politische HĂ€ftlinge in Venezuela

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Foro Penal gibt es in dem sĂŒdamerikanischen Land rund 800 politische HĂ€ftlinge. Viele waren bei den Protesten gegen die von BetrugsvorwĂŒrfen ĂŒberschatteten Wiederwahl des autoritĂ€ren Staatschefs NicolĂĄs Maduro 2024 festgenommen worden. Internationale Organisationen und Aktivisten werfen den venezolanischen SicherheitskrĂ€ften schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

Unter jenen, die nun freigelassen werden sollen, ist den Medienberichten zufolge auch Rafael Tudares, der Schwiegersohn des Oppositionspolitikers Edmundo Gonzålez Urrutia. Der 76 Jahre alte Ex-Diplomat hatte bei der PrÀsidentenwahl vor eineinhalb Jahren nach EinschÀtzung der Opposition und internationaler Beobachter eigentlich gegen Maduro gewonnen. 

«Wir wissen, dass einige Personen bereits auf dem Weg in die Freiheit sind, darunter AuslĂ€nder», schrieb der Leiter von Foro Penal, Alfredo Romero, auf X. «Wir werden jede Freilassung ĂŒberprĂŒfen.» 

Freilassungen aus berĂŒchtigtem GefĂ€ngnis El Helicoide

Die venezolanische Menschenrechtsaktivistin und MitbegrĂŒnderin der NGO Gerechtigkeit, Begegnung und Vergebung, Martha Tineo, sagte in einem Interview, dass Gefangene aus dem GefĂ€ngnis El Helicoide entlassen wĂŒrden. Die Haftanstalt gilt als die berĂŒchtigtste des Landes. Dort sollen Agenten des Inlandsgeheimdienstes Sebin Oppositionelle und Regierungsgegner misshandelt und gefoltert haben.

Die venezolanische Regierung hatte bereits an Weihnachten und Neujahr Dutzende politische HÀftlinge freigelassen. Damals teilte die GefÀngnisverwaltung mit, dies sei ein Beitrag zu Frieden, Dialog und Gerechtigkeit. 

Am vergangenen Wochenende hatten US-Soldaten Maduro festgenommen und in die Vereinigten Staaten gebracht. Dort soll ihm wegen Drogendelikten der Prozess gemacht werden. Seine Nachfolgerin Rodríguez gilt als treue AnhÀngerin Maduros und hat die Gefangennahme als völkerrechtswidrige Aggression verurteilt. 

FriedensnobelpreistrÀgerin forderte Freilassung der Gefangenen

Die FriedensnobelpreistrĂ€gerin und OppositionsfĂŒhrerin MarĂ­a Corina Machado hatte zuletzt in einem Interview die Notwendigkeit der Freilassung politischer Gefangener als wesentlichen Punkt betont, um einen Wandel im Land zu erreichen. «Es kann keinen Übergang mit politischen Gefangenen geben», sagte sie. Die neue Regierung unter Delcy RodrĂ­guez betrachtete sie als «absolut vorĂŒbergehend». «Das Ziel ist, dass dieser Prozess so kurz wie möglich, absolut so kurz und schnell wie möglich ist», sagte sie.

@ dpa.de