USA, Telekommunikation

Medienwissenschaftler sieht Meta bei Prozess in BedrÀngnis

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur.de

In dem vor wenigen Tagen gestarteten Prozess gegen Meta in Kalifornien sieht der Kölner Medienwissenschaftler Martin Andree das Tech-Unternehmen erstmals in echter BedrÀngnis.

Medienwissenschaftler sieht Meta bei Prozess in BedrÀngnis
Menschen mit Smartphone in der Hand (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur
"Meta scheint zu merken: Dieses Mal ist ernsthaft Gefahr im Verzug", sagte Andree dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Andree verwies auf das Verhalten des Konzerns im Vorfeld: Meta habe gemeinsam mit anderen Onlinediensten dem Breathitt County School District im US-Bundesstaat Kentucky außergerichtlich 27 Millionen Dollar gezahlt, um einen Prozess zu vermeiden. "Ich finde es hochinteressant, dass ein Tech-Konzern wie Meta, der normalerweise maximal aggressiv in die letzte Revisionsstufe gehen wĂŒrde, so etwas tut", so Andree.

Dem Konzern wird vorgeworfen, MinderjĂ€hrige durch seine Plattformen Instagram und Facebook abhĂ€ngig und psychisch krank zu machen. Besonders interessant sei der strategische Ansatz der KlĂ€ger: Die Funktionen der Plattformen selbst stehen im Mittelpunkt - endloses Scrollen, hĂ€ufige Benachrichtigungen, das ZĂ€hlen von GefĂ€llt-mir-Reaktionen. "Das ist der eigentlich geniale Schachzug der KlĂ€ger", sagte Andree. Ermöglicht worden sei dies vor allem durch die EnthĂŒllungen der Whistleblowerin Frances Haugen: "Mit den sogenannten Facebook Files konnte sie sehr detailliert zeigen, dass das Management von Meta sich vollstĂ€ndig darĂŒber im Klaren war, welche Gefahren fĂŒr die psychische Gesundheit von ihren Plattformen ausgehen. Trotzdem haben sie genau diese FunktionalitĂ€ten aktiv weiter verstĂ€rkt."

Im Raum stehen Strafzahlungen von bis zu 1,4 Billionen Dollar - fast so hoch wie der gesamte Börsenwert des Unternehmens. Eine existenzielle Bedrohung hĂ€lt Andree dennoch fĂŒr unwahrscheinlich: "Ich kann mir in der aktuellen politischen Gesamtlage nicht vorstellen, dass die USA Urteile gegen ihre Vorzeigeunternehmen aussprechen, die diese existenziell gefĂ€hrden. Denn Donald Trump nutzt diese ja zunehmend auch geopolitisch als Machtinstrument und hegt und pflegt sie entsprechend regulatorisch."

Auch fĂŒr Europa sieht Andree wenig Spielraum. Erst im Juli hatte Trump die EU-Kommission wegen einer Milliardenstrafe gegen Google scharf kritisiert und mit neuen Zöllen gedroht. "Ich befĂŒrchte eher, dass Trump in Zukunft jede auch noch so kleine Sanktion der EU durch entsprechende DrohgebĂ€rden und aggressive Reaktionen zu unterbinden versucht", sagte Andree.

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