Donald Trump, Anklage

Georgia: Trump will sich im GefÀngnis den Behörden stellen

23.08.2023 - 23:39:16

In den USA ist auf bizarre Weise zur NormalitÀt geworden, dass ein Ex-PrÀsident vor Gericht erscheinen muss. Bei Anklage Nummer vier gegen Donald Trump ist jedoch einiges anders.

Nach einer Anklage im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug im Bundesstaat Georgia will sich der frĂŒhere US-PrĂ€sident Donald Trump heute im BezirksgefĂ€ngnis in Atlanta den Behörden stellen. Trump schrieb vorab auf der von ihm mitbegrĂŒndeten Plattform Truth Social, niemand habe je fĂŒr die IntegritĂ€t von Wahlen gekĂ€mpft wie er. DafĂŒr werde er sich am Nachmittag (Ortszeit) «mit Stolz» festnehmen lassen.

Die Zeit der «Festnahme» sei 19.30 Uhr Ortszeit (um 1.30 Uhr in der Nacht zu Freitag/MESZ), kĂŒndigte der Republikaner am Donnerstag auf der von ihm mitgegrĂŒndeten Plattform Truth Social an.

Er mĂŒsse anfangen, sich fertig zu machen, schrieb er weiter und hetzte erneut gegen die Justiz. Es war erwartet worden, dass sich Trump am Donnerstag im BezirksgefĂ€ngnis in Atlanta meldet - die Uhrzeit war allerdings noch unklar. Bei dem Vorgang dĂŒrfte es sich zumindest formal um eine Festnahme handeln.

Visuell eine neue QualitÀt

In Atlanta muss der republikanische PrĂ€sidentschaftsbewerber das formale Prozedere, das einer Anklage folgt, ĂŒber sich ergehen lassen. Er kann die Stadt danach aber wieder verlassen. Dass Trump dafĂŒr anders als bei vorherigen Anklagen nicht vor Gericht, sondern in einem GefĂ€ngnis erscheinen muss, hat zumindest visuell eine neue QualitĂ€t.

Trump wurde mit 18 weiteren Beschuldigten angeklagt wegen seiner Versuche, den Ausgang der PrĂ€sidentenwahl 2020 in Georgia zu beeinflussen. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Republikaner und den anderen Angeklagten eine Frist bis zu diesem Freitag gesetzt, um aus freien StĂŒcken bei den Behörden in Atlanta vorstellig zu werden.

Die Auftritte der Angeklagten

Die ersten Beschuldigten erschienen bereits am Dienstag im BezirksgefĂ€ngnis in Atlanta und verließen dies nach ihrer Registrierung wieder. Am gestrigen Mittwoch stellten sich weitere Angeklagte dort den Behörden, darunter Trumps ehemaliger Anwalt Rudy Giuliani. Bei solchen Terminen werden ĂŒblicherweise die Personalien der Betroffenen aufgenommen, oft auch Polizeifotos gemacht. Es kann sich dabei formal um eine Festnahme handeln, muss es aber nicht. Wie genau der Ablauf bei Trump sein wird, war zunĂ€chst unklar. Bei vorherigen Anklagen gegen den Ex-PrĂ€sidenten in New York, Miami und Washington hatten die Behörden darauf verzichtet, Polizeifotos von ihm zu machen. In Atlanta könnte das womöglich anders sein.

Eine genaue Uhrzeit fĂŒr Trumps Auftritt in Atlanta war zunĂ€chst nicht bekannt. Trump sprach von einem Auftritt am Nachmittag (Ortszeit) - das könnte nach deutscher Zeit spĂ€t am Abend sein. Das BĂŒro des Sheriffs gab an, das GefĂ€ngnis sei rund um die Uhr geöffnet. Die Beschuldigten könnten sich daher jederzeit dort den Behörden stellen.

Giuliani sagte gestern bei seinem Erscheinen in Atlanta, er fĂŒhle sich «geehrt», in diesen Fall involviert zu sein. «Dies ist ein Angriff auf das amerikanische Volk.» Die Anklage sei eine Farce, so seine Sicht.

Die VorwĂŒrfe gegen Trump und andere

In der fast hundert Seiten langen Anklageschrift wird Trump und mehreren Komplizen unter anderem vorgeworfen, öffentliche AmtstrĂ€ger gedrĂ€ngt zu haben, ihren Amtseid zu verletzen, um den Wahlausgang in Georgia nachtrĂ€glich zu kippen. Trump hatte den Bundesstaat bei der PrĂ€sidentenwahl 2020 ganz knapp verloren. Besonders heikel in der Anklage ist ein Straftatbestand aus dem sogenannten Rico-Gesetz. Der ermöglicht es, gegen mehrere Angeklagte gleichzeitig als Teil einer kriminellen Vereinigung vorzugehen. Das Gesetz wurde ursprĂŒnglich erlassen, um gegen Schutzgelderpressung der Mafia vorzugehen.

AnhĂ€nger Trumps riefen fĂŒr heute zu einer Versammlung vor dem GefĂ€ngnis in Atlanta auf. Die Sicherheitsvorkehrungen rund um das GebĂ€ude wurden vorab verschĂ€rft.

Das Gericht in Georgia hatte fĂŒr Trump eine Kaution in Höhe von 200.000 US-Dollar (rund 184.000 Euro) festgesetzt, damit er auf freiem Fuß bleiben kann. In den vier laufenden Strafverfahren gegen ihn ist es das erste Mal, dass eine solche Geldauflage bekannt wurde.

Die anderen Anklagen

Trump ist bereits auf Bundesebene in Washington wegen seines Feldzuges gegen die eigene Niederlage bei der Wahl 2020 angeklagt worden. Bei der PrĂ€sidentenwahl 2020 hatte er gegen seinen demokratischen Herausforderer Joe Biden verloren. Diese Niederlage gesteht Trump bis heute aber nicht ein, sondern verbreitet die LĂŒge, er sei durch Wahlbetrug um den Sieg gebracht worden.

Außerdem wurden in New York und Miami Anklagen gegen Trump erhoben. Der New Yorker Fall steht im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar. Der Fall in Miami dreht sich um die Aufbewahrung von streng geheimen Regierungsunterlagen in einem Privatanwesen Trumps. Der 77-JĂ€hrige, der bei der PrĂ€sidentenwahl 2024 wieder antreten will, weist alle VorwĂŒrfe zurĂŒck und wertet die Anklagen als Versuch seiner Gegner, ihn von einer weiteren Amtszeit abzuhalten.

@ dpa.de