Spanien, Parlament

Neues Parlament Spaniens erstmals zusammengetreten

17.08.2023 - 11:49:31

In der ersten Sitzung steht im spanischen Parlament die Wahl des neuen PrĂ€sidenten an. Doch dann dĂŒrfte es höchst schwierig werden. Könnte die Regierungsbildung mit katalanischer UnterstĂŒtzung gelingen?

Die Abgeordneten des neuen spanischen Parlaments sind dreieinhalb Wochen nach der vorgezogenen Wahl vom 23. Juli erstmals zusammengetreten. In der konstituierenden Sitzung des Unterhauses sollte am Donnerstag in Madrid unter anderem der neue PrĂ€sident des Congreso de los Diputados gewĂ€hlt werden. Als chancenreichste Kandidatin galt die frĂŒhere Regierungschefin der Region Balearen, Francina Armengol, von der Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) von MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez.

Nach den konstituierenden Sitzungen des Unterhauses und des Senats werden die GesprĂ€che zwischen den Parteien zur Bildung der neuen Regierung nĂ€chste Woche in die entscheidende Phase treten. König Felipe VI. wird als Staatsoberhaupt Konsultationen mit allen Parteien durchfĂŒhren und irgendwann einen Kandidaten benennen.

Ausreichende UnterstĂŒtzung dĂŒrfte auf beiden Seiten fehlen

Es wird allerdings eine lange politische HĂ€ngepartie befĂŒrchtet. Damit der von Felipe ernannte Kandidat im Unterhaus zum MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt wird, ist in einer ersten Abstimmungsrunde eine absolute Mehrheit von mindestens 176 Stimmen nötig. In einer zweiten Runde reicht zwar eine einfache Mehrheit, doch weder SĂĄnchez noch OppositionsfĂŒhrer Alberto NĂșñez FeijĂło haben nach aktuellem Stand ausreichend UnterstĂŒtzung. Und eine Art «große Koalition» gilt als ausgeschlossen.

Die konservative Volkspartei PP von FeijĂło hatte die Wahl am 23. Juli zwar klar als stĂ€rkste Kraft gewonnen, war mit 137 Sitzen aber hinter den Erwartungen zurĂŒckgeblieben. Sein möglicher Koalitionspartner, die rechtspopulistische Vox, hatte zudem 19 Sitze eingebĂŒĂŸt und kommt nur noch auf 33 Sitze.

SĂĄnchez könnte eine Regierungsbildung gelingen, wenn er sich neben anderen Regionalparteien auch auf ein Abkommen mit der Partei Junts des in BrĂŒssel im Exil lebenden katalanischen Separatisten-FĂŒhrers Carles Puigdemont einließe. Junts aber fordert unter anderem ein UnabhĂ€ngigkeitsreferendum, was SĂĄnchez ablehnen dĂŒrfte. Sollte es weder SĂĄnchez noch FeijĂło gelingen, eine Regierung zu bilden, mĂŒsste es wohl zum Jahresende oder spĂ€testens Anfang kommenden Jahres eine weitere Parlamentswahl geben.

@ dpa.de