EU-Sanktionen, Iran

Neue EU-Sanktionen fĂŒr den Iran

16.04.2024 - 19:57:20

In der EU werden bereits seit lÀngerem zusÀtzliche Sanktionen gegen den Iran erwogen. Nach dem Angriff des Landes auf Israel soll nun gehandelt werden. Mahnungen gibt es allerdings auch an andere.

Der Iran muss nach seinem Raketen- und Drohnenangriff auf Israel mit neuen EU-Sanktionen rechnen. EU-Chefdiplomat Josep Borrell teilte nach einer Videoschalte der Außenminister der Mitgliedstaaten mit, er werde sein Team um Vorbereitungen fĂŒr weitere Strafmaßnahmen bitten. «Wir werden das Sanktionsregime (...) ausweiten und verschĂ€rfen.»

Den Angaben von Borrell zufolge könnten unter anderem HandelsbeschrĂ€nkungen erweitert werden, um dem Iran den Bau von Raketen zu erschweren. Zudem ist geplant, auch die Lieferung von Drohnen und Raketen an VerbĂŒndete in der Region ins Visier zu nehmen.

FĂŒr beide Maßnahmen soll eine Sanktionsregelung ausgeweitet werden, die nach dem Beginn der iranischen UnterstĂŒtzung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine mit der Lieferung von Drohnen eingerichtet wurde. Über sie wurde bislang unter anderem die Ausfuhr von Bauteilen in den Iran verboten, die fĂŒr den Bau und die Produktion von unbemannten Luftfahrzeugen verwendet werden. Zudem sind auch Personen und Organisationen von Strafmaßnahmen betroffen.

Der Iran hatte Israel in der Nacht zu Sonntag mit Drohnen und Raketen angegriffen, die aber fast vollstĂ€ndig abgefangen wurden. Noch ist unklar, wie Israel auf den beispiellosen Luftangriff reagiert. Irans Angriff war eine Reaktion auf einen mutmaßlich israelischen Angriff auf das iranische BotschaftsgelĂ€nde in Damaskus, bei dem zwei GenerĂ€le der einflussreichen Revolutionsgarden getötet wurden.

Weitere Eskalation soll verhindert werden

Borrell sagte nach der Videokonferenz der Außenminister auch, man sei sich einig, dass eine weitere Eskalation verhindert werden mĂŒsse. Man fordere deswegen alle Beteiligten zu ZurĂŒckhaltung auf. «Die Region befindet sich am Rande des Abgrunds», betonte Borrell. Von ihm mĂŒsse man nun wegkommen. Wenn Angriff auf Gegenangriff folge und die IntensitĂ€t immer weiter zunehme, werde man am Ende einen richtigen Krieg haben. Auch der Krieg im Gazastreifen werde dann nicht enden.

Zu Forderungen nach einer Einstufung der iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation erklĂ€rte Borrell, dazu mĂŒsse die Eliteeinheit der iranischen StreitkrĂ€fte nach EU-Recht zunĂ€chst einmal durch eine nationale Behörde wegen TerroraktivitĂ€ten verfolgt werden. Diese sei bislang aber nicht der Fall.

Wann die geplanten neuen Iran-Sanktionen in Kraft gesetzt werden könnten, sagte Borrell am Abend zunĂ€chst nicht. Er verwies lediglich darauf, dass es bereits am kommenden Montag wieder ein regulĂ€res EU-Außenministertreffen in Luxemburg gibt.

Sorge vor Atombombe

Borrell selbst war nach Angaben von Diplomaten zunĂ€chst zurĂŒckhaltend in der Frage neuer Sanktionen gewesen. Als ein Grund gelten die BemĂŒhungen, den Iran zu einem Festhalten an einem Abkommen zur EinschrĂ€nkung seines Nuklearprogramms zu bewegen. Dieses soll verhindern, dass der Iran eine Atombombe baut.

FĂŒr die Bundesregierung nahm EuropastaatssekretĂ€rin Anna LĂŒhrmann an der EU-Schalte bei. Sie vertrat Außenministerin Annalena Baerbock, die kurzfristig nach Israel gereist war.

@ dpa.de