PalÀstinenser: Israel greift Menge bei Gaza-Hilfszentrum an
17.06.2025 - 13:22:30 | dpa.de
Das israelische MilitĂ€r soll nach palĂ€stinensischen Angaben erneut Wartende in der NĂ€he eines Verteilzentrums fĂŒr humanitĂ€re HilfsgĂŒter im Gazastreifen getötet haben. Die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde sprach von mehr als 50 Toten und rund 200 Verletzten im SĂŒden des abgeriegelten KĂŒstengebiets. Details nannte sie nicht.Â
Die Gaza Humanitarian Foundation (GHF) betonte allerdings in einer Mitteilung, der Vorfall habe sich nicht in der NÀhe eines ihrer Verteilungszentren ereignet, sondern an einer StÀtte des WelternÀhrungsprogramms (WFP).
Augenzeugen berichteten der Deutschen Presse-Agentur, Menschen seien teils zu FuĂ, teils mit Fahrzeugen auf dem Weg zu einer Ausgabestelle gewesen, als die israelische Armee sie am Morgen in einem Gebiet zwischen den StĂ€dten Rafah und Chan Junis mit Artillerie beschossen habe.Â
Israels Armee: Einzelheiten des Vorfalls werden geprĂŒft
Israels Armee teilte mit, ein Hilfstransporter sei bei Chan Junis stecken geblieben. Eine Menschenmenge habe sich in der Gegend, in der Israels MilitĂ€r im Einsatz sei, versammelt und sich den Soldaten genĂ€hert. Der Armee seien Berichte ĂŒber Verletzte durch israelischen Beschuss bekannt. «Die Einzelheiten des Vorfalls werden derzeit geprĂŒft», hieĂ es in einer Mitteilung. Israels Armee «bedauert jeglichen Schaden, der unbeteiligten Personen zugefĂŒgt wird, und bemĂŒht sich, den Schaden fĂŒr sie so gering wie möglich zu halten». Gleichzeitig mĂŒsse das MilitĂ€r die Sicherheit der israelischen Truppen gewĂ€hrleisten. Angaben zu Toten machte die Armee nicht.
Die Informationen von Armee und PalĂ€stinensern lieĂen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Aufnahmen des Vorfalls gibt es nicht. In palĂ€stinensischen Medien und sozialen Netzwerken wurde ein Video verbreitet, das teils blutĂŒberströmte Opfer in einer Klinik zeigen soll. Die Echtheit dieser Aufnahmen ist nicht bestĂ€tigt.
Immer wieder Berichte ĂŒber Tote und Verletzte bei VerteilzentrenÂ
Ein in der Stadt Gaza arbeitender Arzt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nannte unbestĂ€tigte Berichte, wonach es mindestens 50 Opfer gab, darunter mehr als 20 Tote. Auch am Sonntag und Montag gab es nach WHO-Angaben Dutzende Patienten, die mit Schusswunden in KrankenhĂ€usern ankamen. Viele hĂ€tten nicht ĂŒberlebt. Die Ăberlebenden berichteten demnach, dass sie in der NĂ€he der Verteilzentren angegriffen worden seien.
Die Gaza Humanitarian Foundation betonte, bisher habe sich «nicht ein einziger Vorfall in oder an einer GHF-StĂ€tte ereignet, noch wĂ€hrend unserer Betriebsstunden». Das Verteilmodell der Stiftung sei sicher und darauf zugeschnitten, solche Tragödien auch unter Druck zu verhindern.Â
«Es ist beunruhigend, dass die GHF erneut fĂŒr einen Vorfall an einer UN-StĂ€tte verantwortlich gemacht wird.» Die Stiftung sprach von gezielter Desinformation.Â
Die von Israel und den USA unterstĂŒtzte Stiftung hatte ihre Arbeit im Mai nach einer fast dreimonatigen israelischen Blockade von Hilfslieferungen begonnen. Die Verteilung soll eine Alternative zum Einsatz der UN und internationaler Hilfsorganisationen sein.Â
Es gab mehrfach Berichte darĂŒber, dass israelische Soldaten in der NĂ€he der Verteilzentren SchĂŒsse abgegeben haben und Menschen ums Leben gekommen sind. Laut der palĂ€stinensischen Nachrichtenagentur Wafa sollen seit der EinfĂŒhrung des neuen Hilfsverteilungsmechanismus mehr als 300 PalĂ€stinenser bei dem Versuch, humanitĂ€re Hilfe zu erhalten, ums Leben gekommen sein.Â
Stiftung GHF ist umstritten
Die GHF soll nach Angaben von Israel und den USA verhindern, dass sich die Terrororganisation Hamas humanitĂ€re HilfsgĂŒter aneignet. Die Vereinten Nationen haben keine Hinweise, dass solche DiebstĂ€hle in groĂem Stil stattgefunden haben. Augenzeugen im abgeriegelten Gazastreifen haben in der Vergangenheit mehrfach bestĂ€tigt, dass Hamas-Mitglieder Hilfslieferungen gekapert hĂ€tten. GHF hat der Terrororganisation vorgeworfen, die Verteilung der Lebensmittel gezielt zu stören.Â
Die Stiftung ist umstritten. Sie verletzt nach UN-Angaben die humanitĂ€ren Prinzipien der NeutralitĂ€t, UnabhĂ€ngigkeit und Unparteilichkeit. Die Vereinten Nationen kritisieren den Hilfsmechanismus, auch weil die Verteilung in Zentren die Menschen gefĂ€hrde, die auf dem Hin- und RĂŒckweg teils kilometerweit durch Kriegsgebiet laufen mĂŒssten.
Gesundheitssektor in Gaza vor dem Kollaps
Nach Angaben der WHO stehen die 17 der 36 KrankenhÀuser im Gazastreifen, die noch minimale Dienste anbieten, vor dem Kollaps. Vor allem fehle Treibstoff, wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X schrieb. Israel blockiert die Einfuhr von Treibstoff und erlaubt es der WHO nach Angaben von Tedros auch nicht, letzte Reserven aus Lagern in Bereichen des Gazastreifens zu holen, die Israel als Evakuierungszone deklariert hat. Das umfasst nach UN-Angaben 80 Prozent des Territoriums.
Ohne Treibstoff könnten OperationssĂ€le, Dialysemaschinen und BrutkĂ€sten nicht betrieben, Medikamente nicht gekĂŒhlt und Wasser nicht abgekocht werden. «Feuerpause. JETZT», schrieb Tedros.Â
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