Fast alle Migranten verlassen Ceuta â EU verarbeitet Schock
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 10:44 Uhr | dpa.deNach dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika sind die meisten Menschen nach Angaben der spanischen Regierung nach Marokko zurĂŒckgekehrt. Angesichts kaum vorhandener Aussichten auf eine Weiterreise sowie fehlender Unterkunft und Versorgung hĂ€tten die Menschen enttĂ€uscht und freiwillig die RĂŒckreise angetreten, berichtete die Zeitung «El PaĂs». Die Zahl der Toten stieg auf 67. Die EinsatzkrĂ€fte suchten auch am Vormittag weiter das Meer ab.
Die EU beginnt erst, den Schock zu verarbeiten. Heute wollen sich Experten der EU-Mitgliedstaaten in einer Krisensitzung ĂŒber die Entwicklungen der vergangenen Tage austauschen, wie ein Sprecher der irischen RatsprĂ€sidentschaft mitteilte. Es wird nicht erwartet, dass die Ăffentlichkeit nach den GesprĂ€chen ĂŒber Inhalte informiert wird. Am Montag kommen die Botschafter der EU-Staaten zusammen, um die Entwicklungen zu bewerten und die weitere Koordinierung zu erleichtern.
Neben den AnkĂŒnften in Ceuta der letzten Tage und der Zahl der nach Marokko zurĂŒckgekehrten Menschen werde es heute auch um die UnterstĂŒtzung der EU fĂŒr Spanien und die diplomatischen BemĂŒhungen mit Marokko gehen, sagte der Sprecher. Solche Krisentreffen sollen bei der Koordinierung politischer Entscheidungen helfen. An ihnen nehmen auch Vertreter der EU-Institutionen teil.
EU-Kommissar versichert: Kein Migrant ist aufs Festland gekommen
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner versicherte nach einem Telefonat mit Spaniens AuĂenminister JosĂ© Manuel Albares: «Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland ĂŒberschritten.» Nach Albares Angaben kehrten nahezu alle der mindestens 50.000 Menschen, die nach Ceuta gelangt waren, nach Marokko zurĂŒck. Beim Ăberqueren der Grenze ĂŒbers Meer kamen mindestens 67 Menschen ums Leben, berichtete die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die lokale Vertretung des spanischen Innenministeriums.
Trotz fehlender Aussichten auf Aufnahme oder Weiterreise versuchten Medienberichten zufolge am Freitagabend Hunderte Menschen, in die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu gelangen. Insbesondere mit Blick auf Ceuta war dies aber eine erhebliche Entspannung der Lage. Spanische Soldaten verhinderten den Zugang vom Meer zum Strand. In den vergangenen Tagen hatten sich viele Menschen schwimmend Zugang zu Ceuta verschafft.Â
In der Exklave Melilla kontrollierten in der Nacht zahlreiche Streifenwagen der Guardia Civil den Grenzverlauf. Unbekannt blieb, wie viele Menschen versuchten, den dortigen Grenzzaun zu ĂŒberqueren oder gar in die Stadt gelangten. Ein Reporter von RTVE sprach von «mehreren Versuchen».Â
Am Abend war es an der Grenze zwischen Marokko und Melilla laut dem staatlichen Fernsehsender RTVE zu Auseinandersetzungen mit Beamten gekommen. Mehrere Menschen hÀtten Steine auf die SicherheitskrÀfte geschleudert, wÀhrend diese TrÀnengas eingesetzt hÀtten.
Spanien: SolidaritÀt ist freiwillig, europÀische VertrÀge nicht
Spaniens MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez konterte die Kritik einiger EU-Mitgliedstaaten an der spanischen Migrationspolitik. Er rief dazu auf, an einem starken und geeinten Europa weiterzubauen â und Europa nicht zu spalten. «SolidaritĂ€t und MitgefĂŒhl sind freiwillig», schrieb er auf der Plattform X. Die Achtung der europĂ€ischen VertrĂ€ge sei es jedoch nicht.
Italien hat nach Angaben der rechten Regierung in Rom das Schengen-Abkommen ĂŒber den freien Personenverkehr in der EU gegenĂŒber Spanien vorĂŒbergehend ausgesetzt. Bei Reisen mit dem Flugzeug oder Schiff sollen wieder Grenzkontrollen durchgefĂŒhrt werden.Â
Was ist der Schengen-Raum?
Der Schengen-Raum ist ein Gebiet in Europa, in dem Menschen grundsÀtzlich ohne Grenzkontrollen reisen können. Dazu gehören insgesamt 29 LÀnder, darunter EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich, aber auch Nicht-EU-LÀnder wie die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein. Ceuta und Melilla gehören nicht zum Schengen-Raum. Ein dauerhafter Ausschluss eines Landes aus dem Schengen-Raum gegen dessen Willen ist in den EU-Regeln nicht vorgesehen.
Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron bekundete SolidaritĂ€t mit Spanien, lieĂ aber zugleich die Kontrollen an der gemeinsamen Grenze verstĂ€rken. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte die spanische Regierung auf, die Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen. «Der Schutz der AuĂengrenzen der EuropĂ€ischen Union ist entscheidend fĂŒr die BekĂ€mpfung illegaler Migration», betonte der CDU-Politiker.
Ceuta ist kleiner als der Frankfurter Flughafen
Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer FlĂ€che von nur 18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. In der Nacht auf Freitag hatten Tausende Migranten in Ceuta auf den StraĂen ĂŒbernachtet.
