Bombenanschlag erschĂŒttert Ankara: Bekennerschreiben der PKK
01.10.2023 - 17:33:39 | dpa.de
Ein Bombenanschlag hat am Morgen die tĂŒrkische Hauptstadt Ankara erschĂŒttert. Beide beteiligten Angreifer seien getötet und zwei Polizisten leicht verletzt worden, sagte der tĂŒrkische Innenminister Ali Yerlikaya. Er verurteilte den Angriff als «Terrorismus». Hinter dem Anschlag steht wohl die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK.
Die Explosion ereignete sich nach Medienberichten auch unweit eines Eingangs zum tĂŒrkischen Parlament. Einer der beiden Angreifer habe sich in die Luft gesprengt, so das Innenministerium. Den zweiten Beteiligten hĂ€tten Polizisten mit einem Schuss in den Kopf getötet. Die Angreifer seien mit ihrem Versuch gescheitert, sich Zugang zu dem Ministerium zu verschaffen.
Die Aktion sei genau nach Plan verlaufen und eine Reaktion auf das Vorgehen der TĂŒrkei in kurdischen Gebieten gewesen, zitierte die PKK-nahe Nachrichtenagentur ANF aus einem mutmaĂlichen Bekennerschreiben der HPG, dem militĂ€rischen Arm der PKK.
Erdogan: «Letztes Zucken des Terrors»
Der Anschlag fiel mit der Eröffnung der neuen Legislaturperiode des tĂŒrkischen Parlaments zusammen, und er ereignete sich in unmittelbarer NĂ€he zur Volksvertretung. PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan nannte die Angriffe in seiner Eröffnungsrede ein «letztes Zucken des Terrors». Die «Schurken» hĂ€tten ihre Ziele nicht erreicht und wĂŒrden sie niemals erreichen, so Erdogan laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.
MutmaĂliche Bilder des Anschlags zeigten ein Auto, das auf der StraĂe vor einem Eingang zum Innenministerium hĂ€lt, eine Person bewegt sich auf den Eingang zu. Wenig spĂ€ter ereignet sich eine Explosion an einer Eingangsschranke. Medien berichteten, die Angreifer hĂ€tten das Tatfahrzeug im zentraltĂŒrkischen Kayseri geklaut und dessen Fahrer getötet.
Die Generalstaatsanwaltschaft in Ankara verhĂ€ngte kurz nach dem Angriff eine Nachrichtensperre. Das Innenministerium rief dazu auf, Bilder von vor Ort aus dem Netz zu löschen. Es leitete Ermittlungen wegen VerstöĂen ein, wie Minister Yerlikaya bekanntgab.
Auf der Agenda der Parlamentarier steht - wenn auch ohne konkretes Datum - unter anderem die Abstimmung ĂŒber den Nato-Beitritt Schwedens, den die TĂŒrkei seit Monaten blockiert. Ankara fordert von Schweden ein hĂ€rteres Vorgehen gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Erdogan machte zudem kĂŒrzlich Andeutungen, eine Zustimmung des tĂŒrkischen Parlaments von Kampfdrohnenlieferungen aus den USA abhĂ€ngig zu machen.
Auch ĂŒber die VerlĂ€ngerung der EinsĂ€tze des tĂŒrkischen MilitĂ€rs im Irak und in Syrien soll nach Angaben des Staatssenders TRT zeitnah im Parlament abgestimmt werden. Die TĂŒrkei geht im Nordirak und in Nordsyrien regelmĂ€Ăig gegen die syrische Kurdenmiliz YPG und die PKK vor. Ankara sieht beide als Terrororganisationen an. Erdogan erklĂ€rte am Sonntag zudem, seine Drohung, eines Nachts plötzlich angreifen zu können, sei weiterhin aktuell. Die hatte der PrĂ€sident in der Vergangenheit wiederholt mit Bezug auf Syrien und den Irak ausgesprochen.
Andauernder Konflikt zwischen PKK und TĂŒrkei
In dem seit Jahrzehnten andauernden Konflikt zwischen PKK und dem tĂŒrkischen Staat sind bisher Tausende Menschen getötet worden. Ankara geht in der SĂŒdosttĂŒrkei und im Nordirak regelmĂ€Ăig mit MilitĂ€reinsĂ€tzen gegen die PKK vor. Diese wiederum verĂŒbt immer wieder AnschlĂ€ge vor allem auf tĂŒrkische SicherheitskrĂ€fte. Es kommen aber auch Zivilisten dabei ums Leben. Die TĂŒrkei wirft der PKK vor, mit Terror die nationale Sicherheit und Einheit zu gefĂ€hrden. Die PKK argumentiert, sie kĂ€mpfe unter anderem fĂŒr die «Rechte der Kurden» und gegen UnterdrĂŒckung. 2015 war ein Friedensprozess zwischen TĂŒrkei und PKK gescheitert.
In der TĂŒrkei hat es in der Vergangenheit immer wieder AnschlĂ€ge gegeben. Im November 2022 explodierte auf der Istanbuler EinkaufsstraĂe Istiklal eine Bombe. Dabei wurden sechs Menschen getötet. Nach Angaben der tĂŒrkischen Regierung hatte die AttentĂ€terin Verbindungen zur syrischen Kurdenmiliz YPG, die die tĂŒrkische Regierung als Ableger der PKK sieht. Die YPG bestritt, hinter dem Anschlag zu stecken.
2016 wurden bei einem Selbstmordattentat der Terrormiliz Islamischer Staat im historischen Zentrum Istanbuls zwölf Deutsche getötet. Im gleichen Jahr sterben bei AnschlÀgen in Ankara mehr als 60 Menschen.
Zahlreiche Politiker verurteilten den Anschlag. Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg erklĂ€rte auf der Plattform X, die Nato stehe im Kampf gegen den Terrorismus in SolidaritĂ€t an der Seite der TĂŒrkei. Den verletzten Polizeibeamten wĂŒnsche er eine schnelle und vollstĂ€ndige Genesung.
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