USA, Kriminalität

Kirks Witwe an Trumps Brust

22.09.2025 - 04:35:38 | dpa.de

In einem Football-Stadion wird die Gedenkfeier für den erschossenen Charlie Kirk zu einer Mischung aus Trauer, Gottesdienst und politischer Kundgebung. Und der Tote zum «Märtyrer».

  • Der Tod Kirks hat die amerikanische Rechte tief erschüttert.  - Foto: Ross D. Franklin/AP/dpa
    Der Tod Kirks hat die amerikanische Rechte tief erschüttert. - Foto: Ross D. Franklin/AP/dpa
  • Donald Trump betrat nach Erika Kirk die Bühne. Am Ende nahm er sie in den Arm. - Foto: John Locher/AP/dpa
    Donald Trump betrat nach Erika Kirk die Bühne. Am Ende nahm er sie in den Arm. - Foto: John Locher/AP/dpa
  • Schon im Morgengrauen versammelten sich Tausende vor dem Stadion.  - Foto: Jae C. Hong/AP/dpa
    Schon im Morgengrauen versammelten sich Tausende vor dem Stadion. - Foto: Jae C. Hong/AP/dpa
  • «Ich vergebe ihm», sagte Erika Kirk über den Schützen. - Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
    «Ich vergebe ihm», sagte Erika Kirk über den Schützen. - Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Der Tod Kirks hat die amerikanische Rechte tief erschüttert.  - Foto: Ross D. Franklin/AP/dpa Donald Trump betrat nach Erika Kirk die Bühne. Am Ende nahm er sie in den Arm. - Foto: John Locher/AP/dpa Schon im Morgengrauen versammelten sich Tausende vor dem Stadion.  - Foto: Jae C. Hong/AP/dpa «Ich vergebe ihm», sagte Erika Kirk über den Schützen. - Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

US-Präsident Donald Trump erzeugt auf der Gedenkfeier für den erschossenen rechten Aktivisten Charlie Kirk den einen Moment. Er ruft Witwe Erika auf die Stadionbühne und nimmt sie in den Arm. Sie lehnt sich an seine Brust. Das Bild hat Symbolkraft: Es ist nicht nur die trauernde Witwe, die Trump umarmt - sondern die gesamte Bewegung im rechtskonservativen Spektrum, die ihr Ehemann mit aufgebaut hatte.

Diese Anhänger braucht Trump auch in Zukunft. Der Republikaner ließ schon in den vergangenen Tagen keinen Zweifel daran, dass er den Tod Kirks mit seinen politischen Zielen verknüpfen will. Die Trauerfeier ist dafür ein Katalysator. Die US-Regierung ist breit vertreten, auch Trumps Vize JD Vance hält eine Rede. 

Mega-Event im Football-Stadion

Zehntausende hat es schon im Morgengrauen in das Sportstadion im Bundesstaat Arizona gezogen. Sie sind traurig, aber auch wütend. Der gewaltsame, öffentliche Tod eines Menschen, den sie bewunderten, hat sie tief erschüttert. Die Gedenkfeier ist eine Mischung aus Gottesdienst in einer evangelikalen «Megachurch» und politischer Kundgebung. 

Kirk starb vor fast zwei Wochen mit 31 Jahren. Er hatte auf einem Uni-Campus in Utah im Freien gesprochen, als ihn ein Schuss traf. Dem 22 Jahre alten Tatverdächtigen droht nun die Todesstrafe.

Kirk machte sich als Verfechter der Meinungsfreiheit einen Namen. Mit seiner Organisation Turning Point USA, die er 2012 im Alter von 18 Jahren gegründet hatte, besuchte er Hochschulen und forderte Studierende - vor allem solche mit anderer politischer Haltung - zur Debatte heraus. Kritiker warfen ihm rassistische, homophobe, transfeindliche und sexistische Ansichten vor. Im Laufe der Jahre stieg Kirk zu einem der bekanntesten Gesichter der amerikanischen Rechten auf.

Im Wahlkampf half er Trump dabei, unter jungen Menschen populärer zu werden. Er galt als enger Vertrauter von Vizepräsident Vance; Trumps ältester Sohn Don Jr. erklärte nach dem Attentat, Kirk sei für ihn wie ein Bruder gewesen. Turning Point - das nun von Erika Kirk geleitet wird - organisierte die Gedenkfeier und rief zu Spenden auf. Die Witwe will die Bewegung weiter führen.

Trump setzt Kirk für politische Agenda ein: Chicago

Trump, der nach einer stundenlangen Zeremonie ans Rednerpult tritt, nutzt die Rede auch für seine politische Agenda - etwa seinen Kampf gegen angeblich ausufernde Kriminalität in Großstädten. Der Präsident flankiert schon länger seinen Plan, in Chicago die Nationalgarde einzusetzen, aber schreckt bislang davor zurück. Es gibt heftigen Widerstand von der demokratischen Leitung der Stadt und des umliegenden Bundesstaates Illinois. Nun sagt Trump, dass eines der letzten Dinge, die Kirk zu ihm gesagt habe, die Bitte gewesen sei: «Retten Sie Chicago».

Kirk als «Märtyrer»

Erneut geht der Republikaner auf die «radikale Linke» ein, deren Rhetorik er bereits kurz nach dem Attentat für ebendieses verantwortlich gemacht hatte. Kirk, sagt Trump jetzt, sei ein «Märtyrer für die amerikanische Freiheit», der von einem «radikalisierten, kaltblütigen Monster auf abscheuliche Weise ermordet» worden sei. 

Es ist auch diese Art der Rhetorik, die Beobachter zu der Einschätzung bringt, das Attentat werde zu einem Hebel für seine Regierung, um Meinungsfreiheit, die Presse und letztlich unliebsame Opposition einzuschränken. 

In diesem Zusammenhang erklärt Trump dann auch, in welcher Frage er mit Kirk nicht übereingestimmt habe: Wie mit politisch Andersdenkenden umzugehen sei. Kirk habe seine Gegner nicht gehasst, sondern das Beste für sie gewollt, sagt der mächtigste Mann der Welt. Er fügt unverblümt hinzu: «Da war ich anderer Meinung als Charlie. Ich hasse meine Gegner und wünsche ihnen nicht das Beste.»

Erika Kirk vergibt dem Mörder, andere nicht

Dann wendet sich Trump an Erika Kirk, die erst Momente zuvor dem mutmaßlichen Mörder ihres Ehemannes unter Tränen vergeben und zu Liebe statt Hass aufgerufen hat. «Es tut mir leid, Erika», sagt Trump nun. Vielleicht könne sie ihn ja davon überzeugen, dass seine Haltung falsch sei. Er könne seine Gegner aber nun mal einfach nicht leiden.

Immer wieder schwingt es mit bei den religiös stark aufgeladenen Ansprachen: Gut gegen Böse. Das Gute sind wir. Und dann gibt es da noch «die Anderen». Wie mit diesen Anderen verfahren werden soll, da haben verschiedene Redner verschiedene Ansichten. So hört man von manchen Rednern mäßigende Töne, die zur Einheit aufrufen. Aber es gibt auch Kampfansagen.

«Wir werden über die Mächte des Unrechts und des Bösen siegen», sagt etwa Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller. Er erklärt, die Tränen über Kirks Tod hätten sich in ein «Feuer» verwandelt, das die «Feinde» nicht verstehen könnten. Er spricht von einer «Armee», die entstanden sei. 

Die Rednerliste reicht vom US-Präsidenten bis zu Aktivisten aus dem ultrarechten Spektrum, die dafür bekannt sind, in rechtsextremen Kreisen gängige Verschwörungserzählungen zu verbreiten. 

Am Ende kann sich jeder Besucher aussuchen, was er von der Trauerfeier mitnimmt. Ein Fox-News-Reporter fragt einen Besucher, was er davon hält, dass Erika Kirk dem Täter vergeben habe. «Wie Trump meinte: Ich hätte das wahrscheinlich nicht geschafft», antwortet der Mann. «Aber hey, sie ist eine echte Christin - leider mehr als ich.»

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