Rubio in Israel - Berichte ĂŒber Misshandlung von Geiseln
16.02.2025 - 05:08:12Die drei zuletzt im Gazastreifen freigelassenen israelischen Geiseln haben Medien zufolge von körperlicher und seelischer Misshandlung in der Gewalt ihrer EntfĂŒhrer berichtet. Die mehr als 16 Monate in der Gewalt der Islamisten seien eine «sehr harte Gefangenschaft, einschlieĂlich körperlicher Misshandlung», gewesen, schrieb die Zeitung «Times of Israel» unter Berufung auf Berichte mehrerer israelischer TV-Sender. Derweil traf US-AuĂenminister Marco Rubio zum Auftakt seines Nahost-Besuches in Israel ein. Er wird heute zunĂ€chst MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu sprechen.Â
Dabei dĂŒrfte es um den Fortbestand des Waffenruhe-Deals zwischen Israel und der islamistischen Hamas gehen. Stunden vor Rubios Eintreffen waren drei weitere israelische Geiseln freigelassen worden. Man arbeite in Abstimmung mit den USA daran, auch die restlichen EntfĂŒhrten «so schnell wie möglich» zu befreien «und bereiten uns mit voller IntensitĂ€t auf das vor, was als NĂ€chstes kommt, in jeder Hinsicht», sagte Netanjahu nach Angaben seines BĂŒros.Â
Proteste in Israel
WĂ€hrend sich Netanjahu intern ĂŒber die Zukunft des Abkommens beriet, demonstrierten laut der Zeitung «Times of Israel» am Abend rund 1.000 Menschen in Tel Aviv fĂŒr die volle Umsetzung des Abkommens. Sie warfen demnach Netanjahu vor, eine Fortsetzung der Waffenruhe vereiteln zu wollen, um sich an der Macht zu halten. Sie fĂŒrchten um das Schicksal der restlichen Geiseln. 73 werden noch in Gaza festgehalten, wobei 36 davon tot sind.
Unterdessen berichteten israelische Medien ĂŒber erste Schilderungen der drei am Samstag gegen 369 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge freigelassenen Israelis. Der 36-jĂ€hrige Sagui Dekel-Chen sei bei Verhören durch die Hamas gefoltert worden. Dem Fernsehsender Kanal 12 zufolge weise sein Körper entsprechende Narben auf. Der Mann habe die ganzen Monate nicht gewusst, ob seine Familie das Massaker der Hamas und anderer Extremisten aus Gaza in Israel am 7. Oktober 2023 mit 1.200 Toten und rund 250 Verschleppten ĂŒberlebt hatte.Â
Berichte ĂŒber Misshandlung der GeiselnÂ
Erst kurz vor seiner Freilassung hĂ€tten seine EntfĂŒhrer ihm erzĂ€hlt, dass seine Frau wĂ€hrend seiner Gefangenschaft eine Tochter zur Welt gebracht habe, meldete der Sender Kan. Sie hĂ€tten ihm auch Ohrringe fĂŒr seine Frau geschenkt, er habe ihnen aber nicht geglaubt. Ein nach seiner Freilassung von Israels Armee verbreitetes Video zeigte Dekel-Chen in den Armen seiner weinenden Frau, die ihm auch den Namen der Tochter verriet: Schachar Mazal.
Der 29-jĂ€hrige Alexander (Sascha) Trufanov wiederum habe bis zur Freilassung nicht gewusst, dass sein Vater bei dem Massaker an jenem 7. Oktober getötet wurde, hieĂ es weiter. Er sei in TrĂ€nen ausgebrochen, als er es nach seiner Freilassung am Samstag von Vertretern der israelischen Armee erfuhr, hieĂ es.Â
Wie die «Times of Israel» weiter berichtete, verlor der ebenfalls freigelassene Iair Horn (46) wĂ€hrend der Gefangenschaft Dutzende Kilogramm an Gewicht und sei kaum medizinisch versorgt worden. All drei Geiseln seien die meiste Zeit in Tunneln in Chan Junis im SĂŒden des Gazastreifens festgehalten worden, nur wenige hundert Meter von ihren HĂ€usern im Kibbuz Nir Oz entfernt. Sie hĂ€tten oft Hunger gelitten, aber wĂ€hrend der Gefangenschaft auch Arabisch gelernt.
14 weitere EntfĂŒhrte, darunter acht Tote, sollen in den kommenden zwei Wochen im Rahmen der ersten Phase des Deals freikommen. Weitere lebende Verschleppte sollen dann in einer zweiten Phase freikommen. Ob diese zweite Phase jedoch tatsĂ€chlich umgesetzt wird, ist derzeit noch völlig ungewiss.Â
Rubio beginnt Nahost-GesprÀche
US-AuĂenminister Rubio wird derweil nach seinem am Morgen angesetzten Treffen mit Netanjahu laut Besuchsprogramm im weiteren Tagesverlauf auch seinen Kollegen Gideon Saar sowie StaatsprĂ€sident Izchak Herzog treffen. Er hatte vor Antritt seiner Reise die arabischen Staaten zu eigenen VorschlĂ€gen bezĂŒglich der Zukunft des Gazastreifens aufgefordert, nachdem US-PrĂ€sident Donald Trump mit seinem Plan zur dauerhaften Umsiedlung der rund zwei Millionen Bewohner in arabische Staaten fĂŒr Unruhe gesorgt hatte.Â
Nach Trumps Vorstellung soll der verwĂŒstete Gazastreifen unter Kontrolle der USA in eine «Riviera des Nahen Ostens» verwandelt werden. Nach Israel wollte Rubio nach Saudi-Arabien sowie in die Vereinigten Arabischen Emirate reisen.







