GesprĂ€che ĂŒber Gaza-Waffenruhe auf «Hochtouren»
06.01.2025 - 03:52:58Ranghohe Vertreter Israels und der US-Regierung reisen Medienberichten zufolge zu den laufenden GesprĂ€chen ĂŒber eine Waffenruhe im Gaza-Krieg nach Katar. Der Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, David Barnea, wird am Montag in Doha erwartet, wie die Nachrichtenseite «Ynet» berichtete. Zudem schrieb ein Korrespondent der US-Nachrichtenseite «Axios», auch der Nahost-Koordinator des WeiĂen Hauses, Brett McGurk, sei in die katarische Hauptstadt gereist. Derweil bemĂŒht sich Israel angeblich mit UnterstĂŒtzung der USA darum, die Ende November mit der libanesischen Hisbollah-Miliz vereinbarte und demnĂ€chst auslaufende Waffenruhe zu verlĂ€ngern.Â
Die Entsendung der UnterhĂ€ndler nach Doha könnte bedeuten, dass eine mögliche Einigung bei den GesprĂ€chen ĂŒber eine Waffenruhe in Gaza und die Freilassung von Geiseln aus der Gewalt der Hamas nĂ€her rĂŒckt. Allerdings gab es solche Zeichen der Hoffnung in den vergangenen Monaten schon öfter, ohne dass ein Durchbruch erzielt worden wĂ€re.
Israels Verteidigungsminister richtet Warnung an Hisbollah
Selbst wenn es dazu kommen sollte, wĂ€re auch die Umsetzung höchst kompliziert. Das zeigt die am 27. November mit der Hisbollah im Libanon vereinbarte und zunĂ€chst bis 26. Januar geltende Waffenruhe. Verteidigungsminister Israel Katz warnte am Sonntag laut der «Times of Israel», der jĂŒdische Staat könnte sich «zum Handeln gezwungen sehen», weil die Hisbollah die Abmachung nicht einhalte.
Die am Freitag auf mittlerer Ebene begonnene neue Verhandlungsrunde zur Situation in Gaza unter Vermittlung Katars, Ăgyptens und der USA laufe auf «Hochtouren», schrieb «Ynet». Am Samstag hatte die Veröffentlichung eines weiteren Geisel-Videos durch die Hamas den Druck auf die israelische Regierung nochmals erhöht. Einmal mehr gingen Tausende Israelis auf die StraĂe, um einen Deal zur Freilassung aller Geiseln und Beendigung des Kriegs zu fordern. «Ynet» schrieb, Barnea werde voraussichtlich am Montag zu den GesprĂ€chen dazustoĂen. Ein ungenannter palĂ€stinensischer FunktionĂ€r habe von einem «entscheidenden Tag» gesprochen.
Hamas will von USA Garantie fĂŒr dauerhaftes Kriegsende
Israel hat unbestĂ€tigten Berichten zufolge eine Liste mit Namen 34 lebender Geiseln vorgelegt, die in einer ersten Phase freigelassen werden mĂŒssten. Ein Hamas-Vertreter sagte der Deutschen Presse-Agentur, seine Organisation habe dieser Liste noch nicht endgĂŒltig zugestimmt. Zugleich betonte er, die Hamas habe ebenfalls eine Liste mit 34 Geiseln vorgelegt, allerdings ohne zu sagen, ob sie am Leben oder tot seien. Die israelische Seite widersprach dieser Darstellung.
Die Hamas warte noch auf eine schriftliche Garantie der USA, dass sich Israel zu einem dauerhaften Ende der KĂ€mpfe und einem vollstĂ€ndigen Abzug aus dem Gazastreifen verpflichte, sagte der Hamas-Vertreter der dpa. Die Fragen des RĂŒckzugs der israelischen Armee aus dem Netzarim-Korridor, der den Gazastreifen in zwei HĂ€lften teilt, und aus dem Philadelphi-Korridor entlang der Grenze zu Ăgypten wĂŒrden noch diskutiert, ebenso die RĂŒckkehr der Vertriebenen in den nördlichen Gazastreifen. Sie könnten aber gelöst werden durch eine ErklĂ€rung ĂŒber die endgĂŒltige Einstellung des Kriegs und einen schrittweisen israelischen RĂŒckzug wĂ€hrend der Laufzeit des Abkommens. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu lehnt diese Forderungen bisher ab.
Zudem warte die Hamas auf eine Antwort Israels bezĂŒglich der fĂŒr die Geiseln auszutauschenden PalĂ€stinenser, die in Israel inhaftiert sind. Eine solche Liste wollen die Islamisten bereits ĂŒbergeben haben. Als strittig gilt auch, wo palĂ€stinensische Gefangene freizulassen wĂ€ren. Israel will HĂ€ftlinge, die es fĂŒr besonders gefĂ€hrlich hĂ€lt, nur ins Exil entlassen, was die Hamas ablehnt.Â
US-Vermittler Hochstein im Libanon erwartet
WĂ€hrend im Gaza-Krieg noch um eine Waffenruhe gerungen wird, trat im Konflikt zwischen Israel und der mit der Hamas verbĂŒndeten Hisbollah-Miliz schon vor sechs Wochen eine Kampfpause in Kraft - die nun möglicherweise verlĂ€ngert werden könnte. Damit solle verhindert werden, dass das Kriegsgeschehen unmittelbar nach Ablauf der Frist am 26. Januar wieder voll entbrennt oder die Waffenruhe gar vorzeitig beendet wird, berichtet die «Jerusalem Post».Â
Die Zeitung beruft sich auf Angaben eines israelischen Regierungsvertreters. Demnach hielt MinisterprĂ€sident Netanjahu am Sonntagnachmittag ein Treffen mit seinen Sicherheitsberatern ab, um ĂŒber das weitere Vorgehen zu entscheiden.
Am Montag wird der US-Vermittler Amos Hochstein zu GesprĂ€chen im Libanon erwartet. Einer seiner Berater sagte der «Jerusalem Post», Hochstein werde die erste regulĂ€re Sitzung des Gremiums leiten, das ĂŒberprĂŒfen soll, ob die seit November geltende Abmachung zwischen Israel und der Hisbollah auch tatsĂ€chlich eingehalten wird.Â
Trotz vereinzelter VerstöĂe hat die Waffenruhe bislang im GroĂen und Ganzen gehalten. Allerdings verweist Israels Verteidigungsminister Katz darauf, dass mehrere Punkte der zugrundeliegenden Abmachung bislang nicht umgesetzt seien. So habe die Hisbollah ihre KĂ€mpfer nicht aus dem SĂŒdlibanon zurĂŒckgezogen, auĂerdem sei die Demontage aller Waffen und terroristischer Infrastruktur im Grenzgebiet durch die libanesische Armee noch nicht erfolgt.
Libanesische Armee vermag Vakuum nicht zu fĂŒllen
Der am 27. November in Kraft getretene und zunĂ€chst auf zwei Monate angelegte Deal zur Waffenruhe enthĂ€lt mehrere Vereinbarungen. Unter anderem sollen sich die Hisbollah-KĂ€mpfer hinter den Litani-Fluss rund 30 Kilometer nördlich der israelisch-libanesischen Grenze zurĂŒckziehen und die israelischen StreitkrĂ€fte das Nachbarland verlassen. Parallel soll die libanesische Armee ihre PrĂ€senz im Grenzgebiet verstĂ€rken, um das entstehende Vakuum zu fĂŒllen.
«Sofern es keine groĂe Ăberraschung mehr gibt», werde die libanesische Armee diese Aufgabe innerhalb der 60-tĂ€gigen Waffenruhe nicht vollstĂ€ndig erfĂŒllen, sagte der von der «Jerusalem Post» zitierte israelische Regierungsvertreter. Das heiĂe wiederum, dass Israels Armee noch lĂ€nger dort stationiert bleiben mĂŒsse, um eine RĂŒckkehr der Hisbollah zu verhindern. Der US-Regierung habe man das bereits mitgeteilt.
An einem Scheitern der Waffenruhe könne Israel kein Interesse haben, schreibt die «Jerusalem Post». Zwar habe sich die Hisbollah seit Ende November auf libanesischer Seite der Grenze vereinzelte VerstöĂe gegen die Abmachung geleistet. Israelisches Gebiet, auf das vor der Waffenruhe teils Dutzende oder gar Hunderte Raketen pro Tag einprasselten, sei seither aber nicht mehr beschossen worden.







