Justiz-Marathon, Trump-Anhörungen

Justiz-Marathon: Zwei Trump-Anhörungen an einem Tag

26.04.2024 - 03:19:14

In New York lÀuft der Prozess um Schweigegeldzahlungen gegen Trump. Nun hörte auch der Supreme Court einen wichtigen Fall, der den Republikaner betrifft. Dort könnte er einen Teilsieg einfahren.

Juristischer Großkampftag fĂŒr Ex-PrĂ€sident Donald Trump: WĂ€hrend der Republikaner den Tag in einem New Yorker Gerichtssaal zubrachte, verhandelte das Oberste Gericht in Washington die Frage, ob er vor einer Strafverfolgung fĂŒr Handlungen im Amt geschĂŒtzt sein soll. Hier könnte Trump einen Teilsieg einfahren.

«Ich hörte, dass die Anhörung ziemlich toll war», sagte Trump am spĂ€ten Nachmittag (Ortszeit) in New York nach einem langen Tag im Gericht. «Ich hoffe, es wurde deutlich gemacht, dass ein PrĂ€sident ImmunitĂ€t haben muss.» Gleichzeitig Ă€tzte Trump erneut ĂŒber den New Yorker Schweigegeldprozess gegen ihn. «Dies ist ein Prozess, der niemals hĂ€tte stattfinden sollen.»

Wichtiger Zeuge mit wenig schmeichelhafter Aussage

In dem Verfahren machte ein wichtiger Zeuge eine fĂŒr Trump wenig schmeichelhafte Aussage. Der ehemalige Herausgeber des Trump-nahen Schmierblattes «National Enquirer», David Pecker, sagte aus, dass sich der ehemalige US-PrĂ€sident in Bezug auf drohende Berichte zu AffĂ€ren nicht besorgt um sein Familienleben gezeigt habe.

Die Frage der Staatsanwaltschaft, ob Trump ihm gegenĂŒber jemals entsprechende Vorbehalte bezĂŒglich seiner Familie geĂ€ußert habe, verneinte Pecker. «Seine Familie wurde nie erwĂ€hnt.» «Also bin ich davon ausgegangen, dass es (ihm) um den Wahlkampf ging.»

Die Anklage wirft Trump - der wie in den vergangenen Tagen fast durchgĂ€ngig ausdruckslos blieb - vor, er habe den Ausgang der US-PrĂ€sidentenwahl 2016 mit der Zahlung von 130.000 Dollar Schweigegeld an Sex-Darstellerin Stormy Daniels beeinflussen wollen. Die Transaktion selbst war zwar nicht illegal, bei der RĂŒckerstattung des Geldes an seinen Anwalt Michael Cohen habe Trump jedoch GeschĂ€ftsunterlagen gefĂ€lscht, um ihren eigentlichen Zweck zu verschleiern, so die VorwĂŒrfe. Trump bestreitet dies. 

Erster Strafprozess gegen einen Ex-PrÀsidenten

Die Aussage Peckers ist wichtig, weil die Anklage damit ihre Behauptung stĂŒtzen will, dass es Trumps Ziel war, seinen Wahlkampf vor negativen Berichten zu schĂŒtzen, um bessere Chancen bei der Abstimmung im November 2016 zu haben. Dies soll einer möglichen Argumentation der Verteidigung entgegenwirken, dass es Trump bei der Zahlung an Pornostar Daniels lediglich darum gegangen sei, Schaden von seiner Familie abzuwenden. 

Es handelt sich um den ersten Strafprozess gegen einen Ex-PrĂ€sidenten in der Geschichte der USA. Trump könnten bei einer Verurteilung mehrere Jahre Haft drohen, die Strafe könnte aber auch zur BewĂ€hrung ausgesetzt werden. Auch eine Geldstrafe wĂ€re möglich. Der Fall könnte den US-Wahlkampf beeinflussen. Der 77-jĂ€hrige Trump will im November erneut zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt werden - sein Gegenkandidat dĂŒrfte der demokratische Amtsinhaber Joe Biden (81) sein. 

FĂŒr Trump steht viel auf dem Spiel

Auch vor dem Supreme Court in Washington stand fĂŒr Trump viel auf dem Spiel. Er ist in der US-Hauptstadt im Zusammenhang mit versuchtem Wahlbetrug angeklagt. AnhĂ€nger Trumps hatten am 6. Januar 2021 den Parlamentssitz in Washington gestĂŒrmt. Trump hatte bereits vor dem Sturm auf das Kapitol auf verschiedenen Ebenen versucht, das Wahlergebnis zu kippen. Im US-Bundesstaat Georgia ist Trump wegen Ă€hnlicher VorwĂŒrfe angeklagt. Trump und seine AnwĂ€lte wollen erreichen, dass die Anklagen fallen gelassen werden. 

Sie berufen sich dabei auf die ImmunitĂ€t Trumps in seinem damaligen Amt als PrĂ€sident. Sie argumentieren, dass Trump nicht rechtlich fĂŒr Taten belangt werden könne, die zu seinen Pflichten als PrĂ€sident gehörten. Mit dieser Argumentation waren sie bereits vor niedrigeren Instanzen gescheitert. Trumps AnwĂ€lte reichten Berufung ein, weshalb der Fall nun vor dem Supreme Court gelandet ist. 

Historische Anhörung in Washington - auch ohne Trump

Die Anhörung in Washington vor dem Supreme Court gilt als historisch - Trumps Anwesenheit war aber nicht erforderlich. Das Urteil der Richterinnen und Richter könnte die Grenzen des Rechtsstaats neu ziehen und dĂŒrfte einen großen Einfluss auf einige der mittlerweile vier Strafverfahren gegen Trump haben. Dabei geht es neben den VorwĂŒrfen in New York, Georgia und Washington noch um die mutmaßlich gesetzeswidrige Aufbewahrung von Geheimdokumenten in Florida. 

Der Supreme Court wird sein Urteil erst in einigen Wochen fĂ€llen. Schon jetzt hat sich angedeutet, dass die Richterinnen und Richter Trumps Argumentation von vollumfĂ€nglicher ImmunitĂ€t zwar nicht folgen dĂŒrfen. Allerdings spricht einiges dafĂŒr, dass das Urteil trotzdem ein Sieg fĂŒr Trump werden könnte, da das Gericht nicht vollumfĂ€nglich von der Anklage gegen Trump in Washington ĂŒberzeugt schien. Sollte sich dies bewahrheiten, gilt es als unwahrscheinlich, dass der Prozess in der US-Hauptstadt noch vor der PrĂ€sidentenwahl im November beginnen wird. 

@ dpa.de