Putschversuch in Niger? - AuswÀrtiges Amt: Lage unklar
26.07.2023 - 20:24:47Im westafrikanischen Land Niger ist es möglicherweise zu einem Putschversuch durch die Garde des PrÀsidenten gekommen. Medienberichten zufolge soll die Eliteeinheit den Zugang zum Palast von Staatsoberhaupt Mohamed Bazoum in der Hauptstadt Niamey gesperrt und den PrÀsidenten festgesetzt haben.
Auch der Zugang zu weiteren umliegenden Ministerien wurde den Berichten zufolge gesperrt. Zudem soll die Garde das GebÀude des nationalen Rundfunksenders umstellt haben. Die PrÀsidentengarde ist eine Eliteeinheit der Armee. Den Berichten zufolge verhandelte PrÀsident Bazoum mit Vertretern des MilitÀrs.
Das BĂŒro des PrĂ€sidenten teilte spĂ€ter auf Twitter mit, Bazoum und seiner Familie gehe es gut. Zudem drohte es mit einem Gegenangriff: Die Armee und die Nationalgarde seien bereit, die PrĂ€sidentengarde anzugreifen, sollten diese sich nicht zurĂŒckziehen.
UN-Chef AntĂłnio Guterres verurteilte «jede Anstrengung, Macht mit Gewalt zu ergreifen und RegierungsfĂŒhrung, Frieden und StabilitĂ€t im Niger zu untergraben auf das SchĂ€rfste». Er verfolge die Lage genau, sagte Guterres laut Mitteilung. Alle Beteiligten rief der UN-Chef zu «ZurĂŒckhaltung und Sicherung der verfassungsgemĂ€Ăen Ordnung» auf.
Die US-Regierung zeigte sich «zutiefst besorgt» ĂŒber die Entwicklungen. Sie forderte die beteiligten Mitglieder der PrĂ€sidentengarde dazu auf, das Staatsoberhaupt freizulassen und von Gewalt abzusehen. Es sei noch nicht ganz klar, was genau passiert sei, betonte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby.
EU-Chefdiplomat: Lage ist angespannt
Auch die EU verfolgt die aktuellen Entwicklungen in dem westafrikanischen Land mit groĂer Sorge. Die Lage sei nach wie vor angespannt, teilte der EU-AuĂenbeauftragte Josep Borrell am Abend mit. Die EuropĂ€ische Union verurteile den Angriff auf die demokratischen Institutionen des Landes aufs SchĂ€rfste und sei bereit, ihre Partner bei den laufenden BemĂŒhungen um eine friedliche Lösung des Putschversuchs zu unterstĂŒtzen.
«Wir bekrĂ€ftigen unsere volle UnterstĂŒtzung fĂŒr PrĂ€sident Bazoum und unsere Ăberzeugung, dass Niger ein wesentlicher Partner der EuropĂ€ischen Union in der Sahelzone ist», erklĂ€rte Borrell. Deren Destabilisierung wĂŒrde weder im Land noch in der Region und darĂŒber hinaus irgendjemandem dienen. Stattdessen wĂŒrden die anhaltenden BemĂŒhungen gegen terroristische Bewegungen und der politische und zivile Aufbruch im Niger stark beeintrĂ€chtigt.
Deutsche Soldaten «erst mal in Sicherheit»
Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagte, es sei zu frĂŒh, um die Lage zu bewerten. Die in dem Land eingesetzten deutschen Soldaten seien «erst mal in Sicherheit». Wie es weitergehe, mĂŒsse in den kommenden Tagen bewertet werden. Die Bundeswehr unterhĂ€lt in Niamey einen LufttransportstĂŒtzpunkt fĂŒr das militĂ€rische Engagement in Westafrika, auf dem rund 100 deutsche Soldaten arbeiten. Dieser StĂŒtzpunkt ist auch fĂŒr den laufenden Abzug der Bundeswehr aus dem benachbarten Mali wichtig.
Zwischenzeitlich war nach Informationen der dpa auch der praktische Betrieb auf dem Flughafen in Niamey eingestellt, dann aber wieder aufgenommen worden. Am Mittwochnachmittag lief die Abfertigung wieder.
In Berlin hatte das AuswĂ€rtige Amt nach den ersten Berichten ĂŒber den möglichen Putschversuch zunĂ€chst kein genaues Lagebild. «Es ist so, dass die Lage, das haben mir die Kollegen berichtet, die Lage vor Ort weiterhin sehr unklar ist. Wir stehen sowohl mit unserer Botschaft vor Ort als auch mit internationalen Partnern dazu in Kontakt», sagte eine Sprecherin des AuswĂ€rtigen Amtes. «Und wenn es erforderlich ist, ergreifen wir natĂŒrlich auch entsprechende MaĂnahmen.»
Letztes Land in Sahelzone mit demokratisch gewÀhlter Regierung
Ein Umsturz hĂ€tte weitreichende Folgen. Der Niger gehört mit seinen rund 26 Millionen Einwohnern zu den Ă€rmsten LĂ€ndern der Welt. Nach MilitĂ€rputschen in Mali und Burkina Faso ist das Land das letzte der drei NachbarlĂ€nder in der Sahelzone, das von einer demokratisch gewĂ€hlten Regierung gefĂŒhrt wird. Erst Ende vergangenen Jahres hatte die EU eine MilitĂ€rmission im Niger beschlossen, um den Terrorismus in der Region zu bekĂ€mpfen. Die Bundeswehr stellt fĂŒr diese EU-Mission bisher nur einige wenige Soldaten, die in Niamey sind.
Bereits 2021 kam es in dem westafrikanischen Land zu einem Putschversuch, als eine militĂ€rische Einheit versuchte, wenige Tage vor dem Amtsantritt Bazoums den PrĂ€sidentenpalast zu stĂŒrmen. Damals schlug die PrĂ€sidentengarde den Angriff jedoch zurĂŒck.


