Gericht: Regierung darf Verfahren bei Afghanen aussetzen
01.09.2025 - 12:54:16 | dpa.deIm Streit um die Erteilung von Visa fĂŒr Afghanen zur Einreise nach Deutschland hat ein Gericht der Bundesregierung eine weitreichende Entscheidungsfreiheit eingerĂ€umt. Solange Behörden Betroffenen noch keine Aufnahme zugesichert und sich damit rechtlich gebunden hĂ€tten, dĂŒrften sie frĂŒhere Entscheidungen ĂŒberprĂŒfen, entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG).Â
Es erklĂ€rte damit den vorĂŒbergehenden Stopp der Aufnahmeverfahren fĂŒr OrtskrĂ€fte und aufgrund ihrer frĂŒheren TĂ€tigkeit gefĂ€hrdeten Menschen fĂŒr zulĂ€ssig, wie ein Sprecher mitteilte.Â
Erfolg fĂŒr AuswĂ€rtiges AmtÂ
Aus einer Aufnahmebereitschaft ergĂ€be sich noch kein Anspruch auf ein Visum, so die Richter. Die Programme seien aufgrund politischer Entscheidungen getroffen worden. Die Bundesregierung habe das Recht zu ĂŒberprĂŒfen, ob das frĂŒhere politische Interesse an der Aufnahme der Antragsteller noch vorliege. Damit war die Beschwerde des AuswĂ€rtigen Amtes gegen eine Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts im Eilverfahren erfolgreich.Â
Im konkreten Fall ging es um einen frĂŒheren hochrangigen Richter Afghanistans sowie dessen Ehefrau und den vier Kindern. Ihm wurde Ende 2022 die Bereitschaft signalisiert, ihn auf eine «ĂberbrĂŒckungsliste» aufzunehmen. Als er sich darauf berief und Visa beantragte, wurde dies im FrĂŒhsommer 2025 aber abgelehnt. Zur BegrĂŒndung fĂŒhrte das AuswĂ€rtige Amt an, eine Einreise im Rahmen der Programme sei ausgesetzt.
Die neue Bundesregierung von Union und SPD hat die Programme Anfang Mai vorerst gestoppt. Seitdem warten Hunderte Menschen - darunter der klagende Richter - in Pakistan auf ihre Ausreise.Â
Etliche Afghanen kÀmpfen vor Gericht um Visa
Mehrere von ihnen hatten in Deutschland geklagt, um ihre Einreise durchzusetzen. Dem Verwaltungsgericht Berlin liegen nach eignen Angaben etliche Verfahren von Afghaninnen und Afghanen vor, die um die Erteilung eines Visums kĂ€mpfen.Â
UnterstĂŒtzt werden sie teils von der Organisation «Kabul LuftbrĂŒcke». Das Oberverwaltungsgericht hat als nĂ€chsthöhere Instanz inzwischen in 28 Eilverfahren im Kontext Afghanistan eine Entscheidung getroffen, wie ein Sprecher sagte. «Das ist aber eine Momentaufnahme.» Weitere FĂ€lle seien anhĂ€ngig.
Rund 50 Afghaninnen und Afghanen werden nun im Laufe des Tages in Deutschland erwartet. Die Menschen mit Aufnahmezusage sollen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur mit einem Linienflug aus der pakistanischen Hauptstadt Islamabad in Hannover ankommen. Das AuswÀrtige Amt teilte mit, etwa 210 der rund 2.000 Menschen, seien nach Afghanistan abgeschoben werden, man stehe mit ihnen in Kontakt.
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