Iran-Krieg: Peseschkian weist Trump vor UN zurĂŒck â GesprĂ€che in New York
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 18:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIrans PrĂ€sident Massud Peseschkian hat bei der UN-Generaldebatte in New York scharfe Drohungen von US-PrĂ€sident Donald Trump zurĂŒckgewiesen, wĂ€hrend Vertreter beider LĂ€nder am Rand der Versammlung erstmals seit Monaten wieder GesprĂ€che fĂŒhrten.
Peseschkian weist Trump zurĂŒck
âGestern sagte der PrĂ€sident der Vereinigten Staaten, wir seien Terroristen. Wir sind Opfer des Terrorismusâ, sagte Peseschkian in seiner Rede. Der US-Vertreter verlieĂ den Saal demonstrativ wĂ€hrend des Auftritts.
Trump hatte dem Iran am Vortag zwei Optionen genannt: ein Abkommen, das dem Land wirtschaftliche StĂ€rke ermögliche, oder die Vernichtung der Islamischen Republik. Entscheide sich Teheran fĂŒr den Krieg, werde die Republik in der âHölleâ landen, sagte der US-PrĂ€sident.
Iran pocht auf zivile Atomenergie
Peseschkian beklagte eine internationale Ordnung, in der militÀrische Macht an die Stelle von LegitimitÀt und Sanktionen an die Stelle von Diplomatie trÀten. Drohungen gegen den Iran machten sein Land geschlossener und stÀrkten den Widerstand, sagte er.
Der Iran wolle mit der Welt zusammenarbeiten, werde aber die zivile Nutzung der Kernenergie nicht aufgeben. Peseschkian forderte zudem eine Sicherheitsordnung, die gemeinsam geschaffen werde.
GesprĂ€che ĂŒber den Krieg
Trotz der öffentlichen Konfrontation kamen am Dienstag am Rand der UN-Generalversammlung Vertreter der USA und des Iran zu einer dreistĂŒndigen GesprĂ€chsrunde zusammen. Nach Angaben Trumps nahmen fĂŒr die USA sein UnterhĂ€ndler Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner teil; iranische Staatsmedien bestĂ€tigten den Austausch.
Konkrete Ergebnisse wurden zunĂ€chst nicht bekannt. Witkoff schrieb, die GesprĂ€che hĂ€tten ĂŒber Vermittler stattgefunden und könnten sich als konstruktiv erweisen.
Teheran stellt Bedingungen fĂŒr Hormus-Ăffnung
Iranische Staatsmedien berichteten, das GesprĂ€ch sei auf Bitten Witkoffs zustande gekommen. Teheran habe unter anderem die sofortige Aufhebung der US-Seeblockade, die Auszahlung eingefrorener iranischer Vermögenswerte und ein Ende des Kriegs an allen Fronten als Bedingungen fĂŒr eine Ăffnung der StraĂe von Hormus genannt.
Als Vermittler der neuen GesprÀchsrunde wurden Pakistan und Katar genannt. Trump stellte eine baldige Fortsetzung der GesprÀche in Aussicht, nannte aber keine Einzelheiten.
Wadephul fordert freie Schifffahrt
BundesauĂenminister Johann Wadephul traf sich mit seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi und forderte Teheran auf, die Blockade der StraĂe von Hormus zu beenden. Iran mĂŒsse sich konstruktiv an Verhandlungen beteiligen und den âWĂŒrgegriffâ lösen, sagte Wadephul.
Die fĂŒr den internationalen Ăl- und FlĂŒssiggashandel wichtige Meerenge bleibt damit ein zentraler Streitpunkt. GesprĂ€chsrunden zwischen den USA und dem Iran hatte es zuletzt Anfang Juli in Doha getrennt mit Vermittlern aus Katar und Pakistan gegeben.
Ukraine-Krieg bei der UN-Generaldebatte
Neben dem Iran-Konflikt rĂŒckte auch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine in den Fokus. Am Abend wurde eine Rede des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj erwartet; zudem trafen sich die AuĂenminister Russlands und der USA, Sergej Lawrow und Marco Rubio.
Rubio teilte mit, die USA hĂ€tten den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin zum G20-Gipfel im Dezember in Miami eingeladen. Wadephul begrĂŒĂte die GesprĂ€che, falls sie den Weg zu Verhandlungen ĂŒber ein Ende des Kriegs ebnen könnten.
Diplomatie und Druck zugleich
Die Auftritte von Donald Trump und Massud Peseschkian vor der UN-Generalversammlung markieren die scharfe öffentliche Konfrontation zwischen Washington und Teheran. Gleichzeitig zeigt das GesprĂ€ch am Rand der Versammlung, dass beide Seiten trotz ihrer Drohungen KanĂ€le fĂŒr indirekte Diplomatie offenhalten. Vermittler aus der Region bleiben dabei zentral, weil ein direktes Treffen politisch besonders schwer durchsetzbar ist.
Der wichtigste praktische Streitpunkt ist die StraĂe von Hormus. Durch die Meerenge wird normalerweise etwa ein FĂŒnftel der weltweiten Ăl- und FlĂŒssiggasversorgung transportiert. Eine anhaltende EinschrĂ€nkung des Schiffsverkehrs kann deshalb nicht nur die Versorgung im Persischen Golf belasten, sondern auch Energiepreise, VersicherungsprĂ€mien und Lieferketten weltweit beeinflussen.
Hohe HĂŒrden fĂŒr eine Einigung
Teheran verbindet eine mögliche Ăffnung der Passage mit Forderungen nach dem Ende der US-Seeblockade, der Freigabe eingefrorener Vermögenswerte und einem Ende der Kampfhandlungen. Washington stellt dagegen weiterhin sicherheitspolitische Bedingungen, insbesondere mit Blick auf Irans Atomprogramm. Die Positionen liegen damit weit auseinander, auch wenn die dreistĂŒndige GesprĂ€chsrunde einen begrenzten diplomatischen Ansatzpunkt bietet.
FĂŒr Deutschland steht neben der Deeskalation die freie Schifffahrt im Mittelpunkt. Wadephuls GesprĂ€che mit beiden Seiten spiegeln den europĂ€ischen Versuch, politischen Einfluss auszuĂŒben, ohne selbst zur Kriegspartei zu werden. Konkrete Fortschritte wĂŒrden zunĂ€chst an einer ĂŒberprĂŒfbaren Entspannung in der Meerenge und an belastbaren Folgetreffen erkennbar.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Merkur: âIran will die StraĂe von Hormus in sieben Tagen öffnen â aber Trump muss dafĂŒr einen Preis zahlenâ (23.09.2026)
Der Bericht schildere, Teheran signalisiere ĂŒber Vermittler Verhandlungsbereitschaft und knĂŒpfe eine Ăffnung der StraĂe von Hormus an Bedingungen gegenĂŒber Washington. Anders als die dpa-Meldung richte der Artikel den Schwerpunkt auf einen konkreten Sieben-Tage-Plan sowie innenpolitische WiderstĂ€nde gegen GesprĂ€che; offen bleibe, ob daraus ein direktes Treffen entstehe.
Deutschlandfunk: âUN-Vollversammlung: AuĂenminister hofft auf Bewegung im Irankriegâ (23.09.2026)
Das Interview bestĂ€tige die GesprĂ€che zwischen US-amerikanischen und iranischen Vertretern und hebe Wadephuls Forderung nach einer Freigabe der StraĂe von Hormus hervor. Der Beitrag setze damit einen deutschen und europĂ€ischen Akzent, wĂ€hrend die dpa-Meldung zusĂ€tzlich die Reden, Drohungen und Bedingungen der Konfliktparteien beleuchte.
Beide BeitrÀge stellten die Wiederaufnahme diplomatischer Kontakte als wichtigen Ansatzpunkt dar. Unterschiede lÀgen vor allem im Schwerpunkt zwischen Teherans Bedingungen und dem deutschen Druck auf freie Schifffahrt; konkrete Ergebnisse und eine dauerhafte politische Vereinbarung seien weiterhin offen.
