Iran verschÀrft umstrittene Strafreform der Kopftuchpflicht
30.07.2023 - 09:33:03Im Iran ist eine umstrittene Strafreform der Kopftuchpflicht kurz vor der Abstimmung im Parlament drastisch verschÀrft worden. Nach einer Anpassung durch den parlamentarischen Rechtsausschuss umfasst der Gesetzentwurf nun 70 Artikel, wie die Zeitung «Shargh» am Sonntag berichtete. Der Entwurf soll in den kommenden zwei Monaten im Parlament abgestimmt werden.
In seiner aktuellen Form hat der Gesetzentwurf breite Kritik sowohl von Hardlinern und Reformpolitikern ausgelöst. Die noch verschĂ€rfte Reform sieht harte Strafen bei Missachtung der islamischen Kleidungsregeln vor. Diese umfassen bei mehrfachen VerstöĂen etwa GeldbuĂen von umgerechnet rund 950 Euro, dies entspricht mehr als dem monatlichen Durchschnittsgehalt. In ExtremfĂ€llen können sogar bis zu 15 Jahre Haft und umgerechnet mehr als 5000 Euro Strafe verhĂ€ngt werden.
Kopftuchpflicht seit Jahrzehnten geltendes Gesetz
Die Kopftuchpflicht ist seit mehr als 40 Jahren Gesetz in dem Land mit fast 90 Millionen Einwohnern und gilt als eine der ideologischen GrundsĂ€ulen. Als Beispiele «schlechter Kleidung» nennt das Gesetz fĂŒr Frauen etwa kurzĂ€rmlige Hemden oder zerrissene Jeans, bei MĂ€nnern Hosen mit kurzer SchrittlĂ€nge oder Tanktops. Das Gesetz verpflichtet mit detaillierten Anweisungen die Ministerien und Sicherheitsdienste mit Aufgaben zur Vollstreckung der islamischen Kleidungsregeln. BĂŒrger und Polizisten sollen VerstöĂe einfach melden können.
Bei VerstöĂen am Arbeitsplatz droht der Ausschluss von amtlichen Leistungen. Die Veröffentlichung von Fotos ohne Kopftuch im Netz wird unter Strafe gestellt. Auch Ausreisesperren sind als mögliche Strafen vorgesehen. Die Justiz droht Einkaufspassagen, Restaurants oder Museen bei VerstöĂen in ihren Einrichtungen mit SchlieĂungen. Bei Beleidigung von verschleierten Frauen können sechs Monate Haft und 74 Peitschenhiebe verhĂ€ngt werden.
Besonders hart sollen Prominente bei VerstöĂen bestraft werden. Bereits wĂ€hrend der Protestwelle im Herbst hatten sich zahlreiche Filmschaffende mit der Frauenbewegung solidarisiert. Hier sieht der Entwurf bei mehrfachen VerstöĂen Berufsverbote von bis zu 15 Jahren vor. Die Justiz soll ein Zehntel des Vermögens beschlagnahmen können. AuslĂ€nderinnen können bei VerstöĂen des Landes verwiesen werden.


