Mutmaßlich, Luftangriff Iranischer

Mutmaßlich israelischer Luftangriff: Iranischer General tot

01.04.2024 - 19:25:44

Israel bombardiert regelmĂ€ĂŸig Ziele in Syrien. Nun wurde erneut ein General der mĂ€chtigen Revolutionsgarden ausgeschaltet. Der mutmaßliche Angriff traf ein GebĂ€ude der Botschaft. Wie reagiert Teheran?

Bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff in der syrischen Hauptstadt Damaskus ist nach Angaben aus Teheran ein General der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) getötet worden. Mohammad Resa Sahedi, Brigadegeneral der IRGC-Auslandseinheit, sei ums Leben gekommen, berichtete Irans staatlicher Rundfunk.

Der Iran macht Israel fĂŒr den tödlichen Angriff auf die Konsularabteilung der iranischen Botschaft in Damaskus verantwortlich. Sahedi war laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim fĂŒr EinsĂ€tze in Syrien und im Libanon verantwortlich. 

Die in Großbritannien ansĂ€ssige Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte berichtete, dass sieben weitere Mitglieder der Revolutionsgarden getötet worden seien. Unter den Toten war laut iranischen Medienberichten auch Sahedis Stellvertreter. Israels Armee sagte auf Anfrage, man kommentiere Berichte in den auslĂ€ndischen Medien nicht.

Laut der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana zielte die Explosion auf die Konsularabteilung unmittelbar neben dem GebĂ€ude der iranischen Botschaft. Demnach wurde das gesamte GebĂ€ude zerstört. Bilder in sozialen Medien zeigten starken Rauch und TrĂŒmmer neben dem HauptgebĂ€ude der iranischen Botschaft. Die syrische Luftverteidigung habe auf den Angriff reagiert und einige Raketen abgeschossen, hieß es weiter.

Schwere VorwĂŒrfe gegen Netanjahu

Irans Außenminister Hussein Amirabdollahian verurteilte den mutmaßlich israelischen Angriff scharf. Kurz nach der Explosion telefonierte er mit seinem syrischen Kollegen Faisal al-Mikdad. Er erhob zugleich schwere VorwĂŒrfe gegen Israels Regierungschef. «Netanjahu hat wegen der stĂ€ndigen Niederlagen des israelischen Regimes in Gaza und Verfehlen der ehrgeizigen Ziele der Zionisten das geistige Gleichgewicht vollkommen verloren», sagte der Minister laut einer Mitteilung des iranischen Außenministeriums.

Im Erdgeschoss des betroffenen GebĂ€udeteils befand sich die Residenz des Botschafters Hussein Akbari, wie Irans staatliche Medien berichteten. Der Diplomat und seine Familie seien jedoch unversehrt, hieß es. Wegen eines religiösen Feiertags dĂŒrften sich dort keine Angestellten aufgehalten haben. Akbari hatte sich zum Zeitpunkt des Angriffs an seinem Arbeitsplatz befunden, sagte der Botschafter vor Journalisten. Er sprach von sechs Raketen, die das KonsulargebĂ€ude getroffen hĂ€tten.

Hamidreza Azizi, Gastwissenschaftler an der Berliner Stiftung fĂŒr Wissenschaft und Politik, sprach von einer «erheblichen Eskalation der Spannungen». Seiner EinschĂ€tzung nach könnten einige im Iran den Luftangriff gar als KriegserklĂ€rung werten. Irans StaatsfĂŒhrung stehe vor einer schwierigen Entscheidung. Das Ausbleiben einer Antwort könne unter AnhĂ€ngern als SchwĂ€che gedeutet werden. «Jede Reaktion birgt jedoch die Gefahr einer Ausweitung des Konflikts», schrieb der Experte auf X, ehemals Twitter.

Israels Luftwaffe bombardiert immer wieder Ziele im benachbarten Syrien und will damit verhindern, dass der Iran und mit ihm verbĂŒndete Milizen wie die libanesische Hisbollah ihren militĂ€rischen Einfluss in dem Land ausweiten. Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor knapp sechs Monaten haben die Angriffe zugenommen. Bereits am Sonntag wurden Ziele bei Damaskus bombardiert. Iranische MilitĂ€rangehörige sind offiziell nur beratend in Syrien aktiv. Teheran gilt jedoch neben Russland als wichtigster VerbĂŒndeter der syrischen Regierung unter Machthaber Baschar al-Assad. Seit 2011 tobt ein BĂŒrgerkrieg im Land.

Am Freitag waren bei schweren Luftangriffen im Nordwesten Syriens in der Provinz Aleppo mehr als 50 Menschen getötet worden. Der Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte zufolge waren die meisten Opfer syrische MilitĂ€rangehörige. Auch Mitglieder der schiitischen Hisbollah-Miliz seien unter den Opfern gewesen, hieß es. Derart hohe Opferzahlen infolge mutmaßlicher israelischer Luftangriffe sind allerdings selten.

Hintergrund

Bereits Ende Dezember wurde bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff der iranische General Sejed-Rasi Mussawi, ein ranghohes IRGC-Mitglied, in einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus getötet. Irans RevolutionswĂ€chter reagierten Mitte Januar mit massiven Raketenangriffen als Vergeltung auf Ziele in Syrien und im Irak. Die Raketen flogen rund 1200 Kilometern weit. Dies wurde von Beobachtern auch als klares Signal an Israel gedeutet. Es wĂ€re in etwa die gleiche Entfernung, die Raketen vom Westen des Landes aus benötigen, um Tel Aviv oder Jerusalem zu erreichen.

Die Revolutionsgarden sind Irans Elitestreitmacht und gelten als deutlich schlagkrĂ€ftiger als die regulĂ€re Armee. GegrĂŒndet nach der Islamischen Revolution 1979 soll die Einheit einen Putsch verhindern und die Staatsideologie schĂŒtzen. Die IRGC sind mit den sogenannten Al-Kuds-Brigaden auch im Ausland tĂ€tig.

Seit der Revolution von 1979 gelten die USA und Israel als Erzfeinde Teherans. Vor allem die RevolutionswĂ€chter haben daher unter ihren GenerĂ€len den Einfluss in der Region ausgebaut. Einen der mĂ€chtigsten GenerĂ€le, Ghassem Soleimani, ließen die USA vor vier Jahren durch einen gezielten Drohnenangriff in Bagdad töten. Bis heute wird der frĂŒhere Kommandeur der IRGC-Auslandseinheit unter loyalen SystemanhĂ€ngern als MĂ€rtyrer verehrt. Kein anderer Kommandeur hat seitdem eine vergleichbare Bekanntheit erlangt.

Offiziell Ă€ußerte sich Israels Regierung nicht zu dem Luftangriff. «Es scheint, dass der Iran endlich den Preis dafĂŒr zahlt, dass er an den meisten AngriffsaktivitĂ€ten auf Israel beteiligt war», schrieb Tamir Hayman, Ex-Chef des israelischen MilitĂ€rgeheimdienstes, kurz danach auf X. Er sprach von einer der wichtigsten gezielten Tötungen seit Soleimani. 

@ dpa.de