Erleichterung in Israel nach Freilassung erster Geiseln
25.11.2023 - 04:53:26 | dpa.deDie Erleichterung ĂŒber die Freilassung erster Geiseln aus der Gewalt der Terrororganisation Hamas ist groĂ. US-PrĂ€sident Joe Biden machte deutlich, dass dies «erst der Anfang» sei. Er erwarte am Samstag, Sonntag und Montag die Freilassung weiterer Geiseln. Ăhnlich Ă€uĂerte sich Bundeskanzler Olaf Scholz. Er forderte, die Terrororganisation Hamas mĂŒsse «alle Geiseln bedingungslos freilassen». Derweil erhielt Israel Medienberichten zufolge eine weitere Namensliste aus der hervorgeht, dass heute 14 weitere Geiseln freigelassen werden sollen.
Am Freitag hatte die islamistische Hamas 24 Geiseln - 13 Israelis und 11 AuslÀnder - freigelassen, die vor sieben Wochen in den Gazastreifen verschleppt worden waren. Unter ihnen sind auch vier Doppelstaatler, die neben der israelischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Im Gegenzug lieà Israel 39 verurteilte palÀstinensische HÀftlinge frei. Nur Stunden zuvor war eine Feuerpause in Kraft getreten, mit deren Beginn auch die Ausweitung humanitÀrer Hilfslieferungen in den Gazastreifen anlief.
Die von Israel und der Hamas ausgehandelte Waffenruhe soll mindestens vier Tage dauern. GemÀà der Vereinbarung sollen in dieser Zeit insgesamt 50 Geiseln freikommen. Eine VerlÀngerung der Feuerpause auf bis zu zehn Tage ist möglich, wie das in dem Konflikt vermittelnde Golfemirat Katar mitgeteilt hatte. Insgesamt sieht die zwischen beiden Konfliktparteien getroffene Vereinbarung einen Austausch von bis zu 100 Geiseln aus Israel gegen bis zu 300 palÀstinensische HÀftlinge vor. Bei der Freilassung thailÀndischer Geiseln hatte der Iran zwischen der Hamas und Thailand vermittelt.
Hamas will weitere Geiseln freilassen
Im Rahmen des Abkommens zwischen Israel und der islamistischen Hamas sollen heute 14 weitere israelische Geiseln aus dem Gazastreifen freikommen. Ăgyptens Regierung habe von der Hamas sowie dem Roten Kreuz eine Liste mit den 14 Namen erhalten, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Ă€gyptischen Sicherheitskreisen. Zudem gebe es eine Liste mit den Namen von 42 palĂ€stinensischen Gefangenen, die heute im Gegenzug aus israelischen GefĂ€ngnissen freigelassen werden sollten. Unter diesen seien 24 Frauen und 18 MinderjĂ€hrige.
Eine offizielle BestĂ€tigung fĂŒr die Zahl der fĂŒr heute geplanten Freilassung von Geiseln gab es zunĂ€chst nicht. Die israelische GefĂ€ngnisbehörde berichtete zuvor allerdings, dass im Gegenzug 42 weitere palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen freikommen sollen.
US-PrÀsident fordert Zweistaatenlösung
US-PrĂ€sident Biden sagte in einer Ansprache: «Der heutige Tag ist das Ergebnis harter Arbeit und wochenlangen persönlichen Engagements.» Er stehe weiterhin in Kontakt mit den politischen Spitzen in Katar, Ăgypten und Israel, «um sicherzustellen, dass alles nach Plan verlĂ€uft und jeder Aspekt der Vereinbarung umgesetzt wird».
Erneut bekrĂ€ftigte Biden auch das Ziel einer Zweistaatenlösung: «Wenn wir in die Zukunft blicken, mĂŒssen wir den Kreislauf der Gewalt im Nahen Osten durchbrechen», sagte Biden. «Wir mĂŒssen unsere Entschlossenheit erneuern, diese Zweistaatenlösung anzustreben, in der Israelis und PalĂ€stinenser eines Tages Seite an Seite (...) mit einem gleichen MaĂ an Freiheit und WĂŒrde leben können», betonte der US-PrĂ€sident. «Zwei Staaten fĂŒr zwei Völker. Das ist jetzt wichtiger denn je.»
Nach Angaben der US-Regierung gehören zu den 50 Geiseln, die im Zuge der zwischen Israel und der islamistischen Hamas getroffenen Vereinbarung freikommen sollen, mindestens drei Amerikanerinnen - ein vier Jahre altes MÀdchen und zwei Frauen. Unter den ersten freigelassenen Geiseln aus Gaza befanden sie sich nicht. Noch gelten zehn US-Amerikaner als vermisst. Es ist aber unklar, ob die verbleibenden sieben alle als Geiseln von der Hamas festgehalten werden.
Scholz fordert Freilassung der ĂŒbrigen Geiseln
Bundeskanzler Scholz (SPD) forderte die Freilassung derÂ ĂŒbrigen mehr als 200 Geiseln. «Es ist eine gute Nachricht, dass endlich eine erste Gruppe von Geiseln freigelassen wurde. Wir können kaum ermessen, was sie und ihre Angehörigen in den letzten Wochen haben durchmachen mĂŒssen», hieĂ es auf seinem Kanal auf der Internet-Plattform X (frĂŒher Twitter). Dies sei das Ergebnis unermĂŒdlicher Diplomatie â der Dank gelte allen, die sich dafĂŒr engagiert hĂ€tten.
Klinikchefin: Geiseln körperlich in guter Verfassung
Die nach Israel zurĂŒckgekehrten Geiseln wurden in KrankenhĂ€user in der NĂ€he von Tel Aviv gebracht und mit ihren Familien vereint. Vier Kinder, drei MĂŒtter und eine GroĂmutter, seien «in den besten und fĂŒrsorglichsten HĂ€nden» im Schneider Children's Medical Center angekommen, zitierte die israelische Zeitung «Haaretz» die Direktorin der Einrichtung, Efrat Baron Har Lev. «Ihre körperliche Verfassung ist gut», fĂŒgte die Direktorin hinzu. Wie das israelische Portal Ynet berichtet, wurden auch fĂŒnf Geiseln in das Wolfson Medical Center gebracht.
«Kein Auge blieb trocken», als die Geiseln wieder mit ihren Familien vereint wurden, sagte eine Direktorin des israelischen Gesundheitsministeriums, Shoshy Goldberg, laut dem US-Nachrichtensender CNN auf einer Pressekonferenz vor Ort. Die fĂŒnf Ă€lteren Frauen seien in einem eigens fĂŒr sie und ihre Familien vorbereiteten Komplex empfangen worden. Das Wiedersehen sei ein «sehr emotionales und aufregendes Ereignis» gewesen, sagte Goldberg weiter. Zuvor hatte bereits das israelische MilitĂ€r mitgeteilt, dass die 24 aus dem Gazastreifen freigelassenen Menschen in «gutem Zustand» seien.
Auslöser des jĂŒngsten Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen aus dem Gazastreifen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze begangen hatten. Dabei wurden mehr als 1200 Menschen getötet. Etwa 240 Geiseln wurden nach Gaza verschleppt, auch mehrere Deutsche.
Israel reagierte mit massiven Luftangriffe, einer Blockade des Gazastreifens und begann Ende Oktober eine Bodenoffensive. Dabei wurden nach Angaben der islamistischen Hamas fast 15.000 Menschen getötet. Mehr als 36.000 wurden demnach verletzt. Die Zahlen lassen sich derzeit nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Was am Samstag wichtig wird
Nach Beginn der Waffenruhe wird mit der RĂŒckkehr weiterer Geiseln nach Israel gerechnet. Auch Hilfslieferungen sollen in den Gazastreifen gelangen.
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