Israel gedenkt Hamas-Massaker: Demonstranten fordern Untersuchung vor der Wahl
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 13:33 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDrei Jahre nach dem Hamas-Massaker im Süden Israels hat das Land der Opfer des Terrorangriffs gedacht, während Demonstranten eine staatliche Untersuchung forderten.
Herzog erinnert an Beginn des Überfalls
Präsident Izchak Herzog entzündete um 6.29 Uhr Ortszeit in seiner Residenz in Jerusalem eine Kerze für die Toten und Verletzten. Zu dieser Uhrzeit begann am 7. Oktober 2023 der Überfall, bei dem rund 1.200 Menschen getötet wurden.
Herzog schrieb auf der Plattform X, drei Jahre nach diesem Morgen blieben Schmerz, Verlust und Erinnerung bestehen. Auch auf dem Gelände des Nova-Musikfestivals nahe dem Kibbuz Reim versammelten sich Trauernde. An einer zentralen Gedenkfeier in einem Park in Tel Aviv sollten am Abend rund 50.000 Menschen teilnehmen.
Forderung nach Untersuchung
In mehreren Städten verlangten Demonstranten eine staatliche Untersuchungskommission. Sie kritisierten, dass die Regierung die Frage, wie es zu dem Überfall kommen konnte und welche Fehler Sicherheitsapparat und Politik machten, bislang nicht umfassend aufgearbeitet habe.
Proteste gab es nach Medienberichten unter anderem vor der Residenz von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und vor der Knesset in Jerusalem. Protestierende blockierten zudem kurzzeitig eine Stadtautobahn bei Tel Aviv.
Jahrestag fällt in Wahlkampf
In drei Wochen wählen die Israelis erstmals seit dem Massaker ein neues Parlament. Kritiker werfen Netanjahu und seiner Koalition vor, keine persönliche Verantwortung für das politische und militärische Versagen während des Hamas-Überfalls zu übernehmen. Umfragen zufolge können weder Netanjahus Lager noch das seiner Gegner mit einer absoluten Mehrheit rechnen.
Bei dem Angriff wurden neben den rund 1.200 Todesopfern 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Im folgenden Krieg wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 74.000 Palästinenser getötet; zwischen Zivilisten und Kämpfern wird dabei nicht unterschieden.
Deutschland und EU bekunden Solidarität
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, Deutschland stehe fest an der Seite Israels und werde sich für die Sicherheit und Existenz des Landes einsetzen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb, die Europäische Union stehe den Menschen zur Seite, deren Leben sich durch den 7. Oktober für immer verändert habe.
Von der Leyen erklärte zugleich, die EU sei bereit, dazu beizutragen, aus dem fragilen Waffenstillstand einen dauerhaften Frieden auf Grundlage einer Zwei-Staaten-Lösung zu machen.
Toter bei Angriff im Westjordanland
Im Westjordanland griffen radikale Siedler und israelische Soldaten nach palästinensischen Angaben am Jahrestag ein Dorf nahe Nablus an. Das Gesundheitsministerium in Ramallah teilte mit, ein 44-jähriger Palästinenser sei getötet und 16 weitere Menschen seien in Burka verletzt worden. Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht.
Nach Angaben des israelischen Militärs griffen die israelischen Streitkräfte seit Beginn des Krieges rund 100.000 Ziele in der Region an, darunter 65.000 im Gazastreifen, 28.000 im Libanon und in Syrien sowie 4.500 im Iran. In den vergangenen drei Jahren seien zudem 970 israelische Soldaten im Dienst getötet worden.
Gedenken und politische Verantwortung
Der Jahrestag verbindet persönliche Trauer mit einer weiterhin offenen politischen Grundsatzfrage: Wie konnte der Hamas-Überfall trotz der israelischen Sicherheitsstrukturen geschehen? Eine staatliche Untersuchungskommission könnte Entscheidungen von Regierung, Militär und Nachrichtendiensten zeitlich und institutionell getrennt bewerten. Ihre Forderung richtet sich damit nicht nur auf individuelle Verantwortung, sondern auch auf mögliche strukturelle Fehler.
Die Bedeutung des Themas reicht über den Gedenktag hinaus. Die Parlamentswahl am 27. Oktober macht die Aufarbeitung zu einem Wahlkampfthema, weil Sicherheitsversagen, der Umgang mit den Folgen des Krieges und die künftige Gaza-Politik miteinander verknüpft sind. Eine klare Mehrheit ist nach der dpa-Meldung nicht absehbar; dadurch könnten Koalitionsverhandlungen und politische Kursentscheidungen erneut kompliziert werden.
Folgen für die Region und Deutschland
Der Angriff löste einen Krieg aus, dessen menschliche und politische Folgen weit über Israel hinausreichen. Neben dem Gedenken an die israelischen Opfer prägen die hohe Zahl palästinensischer Todesopfer, die Geiselfrage und die angespannte Lage im Westjordanland die internationale Debatte. Der fragile Waffenstillstand bleibt deshalb eng mit der Frage verbunden, ob aus dem militärischen Konflikt eine belastbare politische Perspektive entstehen kann.
Für Deutschland hat der Jahrestag eine doppelte Bedeutung: Die zugesagte Unterstützung für Israels Sicherheit steht neben der Verantwortung, eine politische Lösung und den Schutz der Zivilbevölkerung zu fördern. Für Leser in Deutschland sind deshalb sowohl die Gedenkveranstaltungen als auch mögliche Auswirkungen auf Sicherheitsdebatten, Antisemitismus und die Nahostpolitik relevant.
