Netanjahu: «Hungerkampagne» der Hamas hÀlt uns nicht auf
23.08.2025 - 03:28:27Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hĂ€lt auch nach der ErklĂ€rung einer Hungersnot im Raum der Stadt Gaza durch internationale Experten an seinen Kriegszielen unbeirrt fest. Die von der islamistischen Terrororganisation Hamas «inszenierte Hungerkampagne wird uns nicht davon abhalten, unsere Geiseln zu befreien und die Hamas zu beseitigen», sagte er in Reaktion auf einen aufsehenerregenden Bericht der weltweit als AutoritĂ€t fĂŒr ErnĂ€hrungssicherheit anerkannten IPC-Initiative.Â
Netanjahu hatte zuvor PlĂ€ne fĂŒr die Einnahme der Stadt Gaza im Norden des abgeriegelten Gazastreifens gebilligt. Israels MilitĂ€r bereitet sich darauf vor, die SchĂ€tzungen zufolge rund eine Million Bewohner in Zeltlager im SĂŒden umzuquartieren. Laut der IPC-Initiative ist das Leben von 132.000 Kindern unter fĂŒnf Jahren wegen UnterernĂ€hrung bedroht. 41.000 davon wĂŒrden als besonders bedrohliche FĂ€lle betrachtet, doppelt so viele wie bei der vorherigen EinschĂ€tzung im Mai. Es geht um den Bezirk Gaza, in dem auch die Stadt liegt.
«An manchen Tagen kann ich nur ein kleines Brot und eine Tomate finden, um sie zwischen drei Kindern zu teilen», klagt Mariam al-Scheikh. Ihren Kindern etwas zu essen zu beschaffen, sei ein tĂ€glicher Kampf, berichtet die 34-JĂ€hrige aus der Stadt Gaza der Deutschen Presse-Agentur. Sie sei oft stundenlang auf der Suche nach Brot oder Lebensmittelkonserven. Nachts hört sie das jĂŒngste ihrer Kinder vor Hunger weinen. «Mehr als eine halbe Million Menschen im Gazastreifen sind mit katastrophalen Bedingungen konfrontiert, charakterisiert durch Hunger, Armut und Tod», heiĂt es in dem Bericht der IPC-Initiative.Â
Netanjahu: Hunger absichtlich ausgesetzt sind nur die GeiselnÂ
Netanjahu bezeichnete den Bericht als eine «glatte LĂŒge». Nach israelischer Darstellung basiert die EinschĂ€tzung der IPC-Initiative auf falschen Angaben der Hamas. «Der Bericht ignoriert bewusst Daten, die den Autoren in einem Treffen vor seiner Veröffentlichung vorgelegt wurden und ĂŒbersieht die in den letzten Wochen unternommenen BemĂŒhungen zur Stabilisierung der humanitĂ€ren Lage im Gazastreifen völlig», erklĂ€rte die zustĂ€ndige israelische Behörde Cogat. Um welche Daten es sich dabei handelt, blieb jedoch offen.
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres sprach im Zusammenhang mit der Hungersnot von Vorsatz. Was nun passiere, sei der «vorsĂ€tzliche Zusammenbruch der Systeme, die fĂŒr das menschliche Ăberleben notwendig sind». Als Besatzungsmacht habe Israel eindeutige Verpflichtungen. Israel weist solche Aussagen und VorwĂŒrfe stets zurĂŒck. Das Land wirft wiederum den UN vor, im Gazastreifen bereitstehende Hilfslieferungen nicht verteilt zu haben. Israel verfolge keine Politik des Aushungerns, sondern der HungerprĂ€vention, betonte Netanjahu. «Die Einzigen, die in Gaza absichtlich dem Hunger ausgesetzt werden, sind die israelischen Geiseln», erklĂ€rte er.
Israel steht zunehmend unter Druck
Israel steht unter erheblichem internationalen Druck, das Leid der PalĂ€stinenser im Gazastreifen zu lindern. Berichte ĂŒber unterernĂ€hrte Kinder lösten weltweit Empörung aus und trugen dazu bei, dass LĂ€nder wie Frankreich, Kanada und Australien PlĂ€ne zur Anerkennung eines palĂ€stinensischen Staates ankĂŒndigten. Deutschland stoppte einen Teil der Waffenexporte an Israel, nachdem Israel erklĂ€rt hatte, es werde den Gaza-Krieg noch ausweiten.
Einen Tag vor Veröffentlichung des IPC-Berichts hatte die israelische FĂŒhrung die militĂ€rischen EinsatzplĂ€ne fĂŒr die Einnahme der Stadt Gaza genehmigt. Verteidigungsminister Israel Katz kĂŒndigte intensive Angriffe an. «Die Tore der Hölle werden sich bald ĂŒber den Mördern und Vergewaltigern der Hamas in Gaza öffnen â bis sie Israels Bedingungen zur Beendigung des Krieges zustimmen». Andernfalls werde die Stadt zerstört. In Israel wurde spekuliert, dies könne eine Verhandlungstaktik sein, um die Hamas unter Druck zu setzen.
Israel: Beendigung des Krieges nur zu unseren Bedingungen Â
Israels Forderungen fĂŒr eine Beendigung des Krieges sind die Entwaffnung der Hamas, die RĂŒckfĂŒhrung aller Geiseln, die Entmilitarisierung des Gazastreifens, die Sicherheitskontrolle ĂŒber das KĂŒstengebiet durch Israel sowie eine Zivilverwaltung, die weder von der Hamas noch der im Westjordanland regierenden PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde ausgeĂŒbt wird. Netanjahu stellte nun neue Verhandlungen ĂŒber die Freilassung der Geiseln und ein Ende des Krieges zu Bedingungen in Aussicht, «die fĂŒr Israel akzeptabel sind».Â
Wenige Tage zuvor hatte die Hamas nach eigenen Angaben einem Vorschlag der Vermittler fĂŒr eine Waffenruhe zugestimmt hatte. Dabei handelt es sich laut Medienberichten um eine angepasste Fassung eines zuvor bereits verhandelten Vorschlags des US-Sondergesandten Steve Witkoff. Er sieht eine 60-tĂ€gige Feuerpause vor, wĂ€hrend der zehn lebende Geiseln im Gegenzug fĂŒr palĂ€stinensische HĂ€ftlinge freikommen. Insgesamt befinden sich im Gazastreifen noch 50 Geiseln, von denen mindestens 20 am Leben sein sollen.
Netanjahu hatte sich zuletzt laut Medienberichten nur zu einem Abkommen bereit erklĂ€rt, wenn dabei alle Geiseln auf einmal freikommen und der Krieg zu Israels Bedingungen beendet wird. Indirekte Verhandlungen ĂŒber eine neue Waffenruhe waren bislang erfolglos und zuletzt unterbrochen. Die Vermittler - die USA, Katar und Ăgypten - bemĂŒhen sich um Wiederaufnahme der Kontakte.









