Israel, Bodentruppen

Israel mit Bodentruppen im Gazastreifen - Immer mehr Opfer

28.10.2023 - 16:54:59

Israel verstĂ€rkt seine Angriffe gegen die Hamas. Panzer dringen in den Gazastreifen vor und die Luftangriffe werden heftiger. Inzwischen sind Telefon und Internet ausgefallen. Der Überblick.

  • Israel setzt die Angriffe auf den Gazastreifen fort. - Foto: Ilia Yefimovich/dpa

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  • PalĂ€stinenser trauern in Dair al-Balah um ein Kind, das bei der israelischen Bombardierung des Gazastreifens getötet wurde. - Foto: Ali Mahmoud/AP/dpa

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  • Eine nicht im Dienst befindliche israelische Soldatin, trĂ€gt wĂ€hrend eines Spaziergangs durch Tel Aviv ihre Waffe. - Foto: Francisco Seco/AP/dpa

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  • Menschen versammeln sich am Lincoln Memorial in Washington, um die Freilassung der von der Hamas in Gaza entfĂŒhrten Geiseln zu fordern. - Foto: J. Scott Applewhite/AP/dpa

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  • Eine pro-palĂ€stinensische Gruppe demonstriert in der Innenstadt von Frankfurt/Main. - Foto: Andreas Arnold/dpa

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Israel setzt die Angriffe auf den Gazastreifen fort. - Foto: Ilia Yefimovich/dpaPalĂ€stinenser trauern in Dair al-Balah um ein Kind, das bei der israelischen Bombardierung des Gazastreifens getötet wurde. - Foto: Ali Mahmoud/AP/dpaEine nicht im Dienst befindliche israelische Soldatin, trĂ€gt wĂ€hrend eines Spaziergangs durch Tel Aviv ihre Waffe. - Foto: Francisco Seco/AP/dpaMenschen versammeln sich am Lincoln Memorial in Washington, um die Freilassung der von der Hamas in Gaza entfĂŒhrten Geiseln zu fordern. - Foto: J. Scott Applewhite/AP/dpaEine pro-palĂ€stinensische Gruppe demonstriert in der Innenstadt von Frankfurt/Main. - Foto: Andreas Arnold/dpa

Drei Wochen nach Massakern islamistischer Terroristen hat die israelische Armee ihre Angriffe auf den Gazastreifen weiter verstĂ€rkt. In der Nacht stießen erneut Bodentruppen in den Norden des abgeriegelten KĂŒstengebiets vor. Anders als bei begrenzten EinsĂ€tzen dieser Art in frĂŒheren NĂ€chten zogen sich die PanzerverbĂ€nde jedoch zunĂ€chst nicht wieder zurĂŒck.

Die israelische Armee rief die noch im Norden des Gazastreifens verbliebenen Menschen erneut dringend auf, sich im SĂŒden in Sicherheit zu bringen. Das «Zeitfenster» schließe sich schnell, hieß es. Den Beginn einer erwarteten großen Bodenoffensive bestĂ€tigte die Armee nicht.

Hilfsorganisationen beklagten, dass der Ausfall fast aller Telefon- und Internetverbindungen die Hilfe fĂŒr Opfer des Krieges noch schwieriger mache. Es war die Rede von Panik und Chaos.

Israel geht gegen Hamas vor

Israels Armeesprecher Daniel Hagari sagte, Israel schreite «in den Kriegsphasen voran». In der Nacht «sind israelische Truppen in den Norden des Gazastreifens vorgedrungen und haben den Bodeneinsatz ausgeweitet», sagte er. Beteiligt seien Infanterie, Panzertruppen, Ingenieurkorps und Artillerie. Die Bodentruppen seien immer noch vor Ort. Unter den israelischen Soldaten gebe es keine Opfer. Hagari sagte, es seien mehrere ranghohe Kommandeure der islamistischen Hamas getötet worden, die auch von EU und USA als Terrororganisation eingestuft wird. Darunter sind nach MilitĂ€rangaben auch ein Hamas-Marinekommandeur sowie der fĂŒr Luftangriffe zustĂ€ndige Hamas-AnfĂŒhrer Asem Abu Rakaba. Seit dem blutigen Terrorangriff der Hamas vor drei Wochen mit mehr als 1400 Toten greift Israel den Gazastreifen verstĂ€rkt aus der Luft und zu Land an.

Weiter Raketenangriffe aus Gaza auf israelische StÀdte

Militante PalĂ€stinenser schossen auch am Samstag wieder Raketen aus dem Gazastreifen auf israelische StĂ€dte. In israelischen Ortschaften im Grenzgebiet heulten mehrmals Warnsirenen, wie die Armee mitteilte. Auch im Großraum Tel Aviv gab es erneut Raketenalarm, ebenso in der KĂŒstenstadt Aschkelon. In der WĂŒstenstadt Beerscheva traf nach Polizeiangaben eine Rakete ein GebĂ€ude. Es gab zunĂ€chst keine Berichte zu Verletzten.

Neue Gefechte an Israels Grenze zum Libanon

An Israels Grenze zum Libanon kam es auch am Samstag wieder zu Gefechten. Mehrere Panzerabwehrraketen und Mörsergranaten seien vom Libanon aus auf Israel abgefeuert worden, teilte die israelische Armee mit. Die israelische Armee habe zurĂŒckgeschossen und militĂ€rische Einrichtungen der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah angegriffen. An der Grenze zwischen Israel und dem Libanon kommt es seit Beginn des Gaza-Kriegs zunehmend zu ZwischenfĂ€llen. Auf beiden Seiten gab es bereits Todesopfer. Die Hisbollah ist wie die Hamas mit Israels Erzfeind Iran verbĂŒndet.

Internet und Telefondienste in Gaza weitgehend zusammengebrochen

Die Kommunikation innerhalb des Gazastreifens ĂŒber das Internet und Telefone brach fast völlig zusammen. Auch die Verbindungen nach außen waren am Samstag nur mit Satellitenhandys und von hohen GebĂ€uden im SĂŒden des Gazastreifens mit israelischen SIM-Karten möglich. Schuld sei die heftige Bombardierung durch die israelische Armee, teilte das im Westjordanland ansĂ€ssige palĂ€stinensische Unternehmen Paltel mit. Auch die Organisation Netblocks, die fĂŒr die Beobachtung von Internetsperren bekannt ist, bestĂ€tigte auf der Plattform X einen Zusammenbruch der Internetverbindungen im Gazastreifen.

Israel will weitere Gaza-Hilfslieferungen ermöglichen

Die israelische Armee kĂŒndigte an, sie werde eine VerstĂ€rkung der humanitĂ€ren Hilfslieferungen fĂŒr die palĂ€stinensische Bevölkerung zulassen. «FĂŒr die Einwohner des Gazastreifens, die in das Gebiet sĂŒdlich von Wadi Gaza gegangen sind, weiten wir die humanitĂ€re Hilfe aus», sagte Armeesprecher Hagari. Man werde im Verlauf des Tages die Einfuhr von Lastwagen mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten in den SĂŒden des KĂŒstenstreifens ermöglichen. «Wer sich in diesem Gebiet aufhĂ€lt, wird diese erhalten», sagte Hagari. Ob die Lieferungen tatsĂ€chlich möglich wurden, war zunĂ€chst unklar. Seit dem Hamas-Überfall auf Israel sind nur noch rund vier Prozent der VersorgungsgĂŒter in normalen Zeiten in den Gazastreifen gelangt.

Opferzahlen im Gazastreifen steigen weiter

Die Zahl der getöteten PalĂ€stinenser im Gazastreifen stieg seit Kriegsbeginn vor drei Wochen nach Darstellung des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums auf 7703. Rund 20 000 Menschen wurden demnach verletzt. Die Zahlen konnten zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒft werden. Die Zerstörungen an Infrastruktur und GebĂ€uden waren immens und grĂ¶ĂŸer als bei frĂŒheren Konflikten zwischen Hamas und Israel. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Ă€ußerte sich sehr besorgt ĂŒber Bombardierungen auch in der NĂ€he großer KrankenhĂ€user. Israel wirft der Hamas vor, Kommandozentralen seines als «Metro» bezeichneten Tunnelsystems unter KrankenhĂ€usern angelegt zu haben.

Sorge um Hamas-Geiseln angesichts israelischer Angriffe

Angesichts der immer heftigeren israelischen Angriffe auf die Hamas stieg auch die Sorge um das Leben der 229 von der Hamas in den Gazastreifen verschleppten Israelis, von denen einige auch eine zweite StaatsbĂŒrgerschaft haben, darunter auch die Deutsche. Am Samstag demonstrierten rund 600 Menschen in Tel Aviv mit einem SolidaritĂ€tslauf fĂŒr die Geiseln. In New York organisierten jĂŒdische Gruppen eine Kundgebung im Grand Central Terminal fĂŒr eine Feuerpause. Udi Gori, ein Angehöriger eines Verschleppten, forderte in der BBC eine humanitĂ€re Feuerpause, um die Geiseln frei zu bekommen. Wenn Israel die Hamastunnel bombardiere, könne es sein, dass sie auch Geiseln töten, sagte Gori.

Meirav Leshem Gonen, Mutter einer Geisel, sagte dem israelischen Armeesender «Ich verstehe nichts von Strategie, ich verstehe etwas von Mutterschaft - und ich habe das GefĂŒhl, dass dies ein Krieg ist, den wir schon verloren haben. Wie kann man sicherstellen, dass meine Tochter und die anderen Geiseln wirklich lebend nach Hause kommen?» Große propalĂ€stinensische Demonstrationen gab es am Samstag in London und der TĂŒrkei.

Deutsch-Israelische Gesellschaft kritisiert deutsche UN-Enthaltung

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft hat die Enthaltung Deutschlands bei einer Abstimmung ĂŒber eine UN-Resolution zur humanitĂ€ren Lage in Gaza scharf kritisiert. «Wie kann Deutschland sich bei einer UN-Resolution enthalten, die als alleiniges Ziel hat, Israels Recht auf Selbstverteidigung zu delegitimieren? Deutschland hĂ€tte klar mit Nein stimmen sollen», sagte der PrĂ€sident der Gesellschaft, Volker Beck, laut Mitteilung.

Die UN-Vollversammlung in New York hatte am Freitagabend eine Resolution zur Verbesserung der humanitĂ€ren Situation und fĂŒr eine sofortige Waffenruhe im Gazastreifen verabschiedet. 120 LĂ€nder stimmten dafĂŒr, 14 dagegen, 45 enthielten sich, darunter Deutschland. Vor allem LĂ€nder des sogenannten globalen SĂŒdens werfen dem Westen auch im Hinblick auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine Doppelmoral vor.

@ dpa.de