Israel-Wahl, Benjamin Netanjahu

Israel-Wahl: Netanjahu kämpft gegen Eisenkot um die Macht

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bei der israelischen Parlamentswahl entscheidet sich, ob der langjährige Regierungschef sein rechtsreligiöses Lager zusammenhalten kann. Selbst ein Erfolg der Opposition würde wegen der schwierigen Mehrheitsverhältnisse keinen unmittelbaren Machtwechsel garantieren.

Regierungsbildung nach der Knesset-Wahl

  • Die Parlamentswahl findet am Dienstag in Israel zwischen Likud und der Oppositionspartei Jaschar statt.
  • Gadi Eisenkot gilt als wichtigster Herausforderer des 76-jährigen Benjamin Netanjahu.
  • Ohne klare Mehrheit könnten Koalitionsverhandlungen oder eine Übergangsregierung folgen.
  • Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will wiedergewählt werden. (Archivbild) - Bild: Nathan Howard/Pool The New York Times via AP/dpa
  • Hauptrivale Netanjahus bei der anstehenden Parlamentswahl ist der ehemalige Generalstabschef Gadi Eisenkot. (Archivbild) - Bild: Ariel Schalit/AP/dpa
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will wiedergewählt werden. (Archivbild) - Bild: Nathan Howard/Pool The New York Times via AP/dpa Hauptrivale Netanjahus bei der anstehenden Parlamentswahl ist der ehemalige Generalstabschef Gadi Eisenkot. (Archivbild) - Bild: Ariel Schalit/AP/dpa

Israel wählt zwischen Netanjahu und Eisenkot

Bei der Parlamentswahl am Dienstag entscheidet Israel über die politische Zukunft von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seinem rechtsreligiösen Regierungslager. Zwischen dem 76-jährigen Likud-Chef und dem liberaleren Oppositionslager zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab.

Netanjahu steht wegen Krieg und 7. Oktober unter Druck

Netanjahu ist der dienstälteste Ministerpräsident Israels und der einzige der damals führenden Entscheidungsträger, der nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 noch im Amt ist. Damals drangen Tausende Terroristen aus dem Gazastreifen nach Israel ein, töteten rund 1.200 Menschen und verschleppten mehr als 250 weitere.

Eine persönliche Verantwortung weist Netanjahu zurück; eine staatliche Untersuchungskommission lehnt er ab. Im Wahlkampf verweist er auf militärische Erfolge gegen den Iran sowie dessen Verbündete Hamas und Hisbollah, während Experten darauf hinweisen, dass zentrale Kriegsziele wie die vollständige Zerschlagung der Hamas nicht erreicht worden seien.

Internationale Kritik belastet den Regierungschef

US-Präsident Donald Trump sprach sich für eine weitere Amtszeit Netanjahus aus. Zugleich steht der Ministerpräsident wegen der Kriegsführung im Gazastreifen international stark in der Kritik.

Der Internationale Strafgerichtshof erließ im November 2024 wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit einen Haftbefehl gegen Netanjahu. Gegen ihn läuft außerdem seit 2020 ein Korruptionsprozess wegen Bestechlichkeit, Betrugs und Untreue; die Vorwürfe weist er zurück.

Eisenkot braucht Partner für eine Mehrheit

Als wichtigster Herausforderer gilt der ehemalige Generalstabschef Gadi Eisenkot. Seine Partei Jaschar könnte laut Umfragen den Likud als stärkste Kraft ablösen, doch keines der beiden Lager kann derzeit mit einer eigenen Mehrheit rechnen.

Eisenkot wäre deshalb auf arabische Parteien angewiesen, entweder als Koalitionspartner oder zur Duldung einer Minderheitsregierung. Nicht alle Parteien des Oppositionslagers unterstützen diesen Weg.

Politische Blockade bleibt möglich

Scheitert die Regierungsbildung, könnte Netanjahu zunächst als Chef einer Übergangsregierung im Amt bleiben. Israel drohte dann eine Rückkehr zu einer politischen Dauerkrise mit weiteren Parlamentswahlen.

Für Netanjahu geht es auch um mehr politischen Spielraum im Korruptionsverfahren. Ende 2025 beantragte er zudem eine umstrittene Begnadigung bei Präsident Izchak Herzog.

Wehrpflicht spaltet das konservative Lager

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold hält eine Regierung ohne Netanjahu für möglich. Nach seiner Einschätzung könnten Konflikte zwischen rechtsorientierten Parteien und strengreligiösen Kräften, die eine Befreiung junger Männer von der Wehrpflicht fordern, Netanjahus Lager schwächen.

Eine Minderheitsregierung unter Eisenkot hätte nach Rynholds Einschätzung bessere Überlebenschancen als eine Minderheitsregierung unter Netanjahu. Zugleich bezeichnet er Netanjahu als besonders geschickten Politiker, der für eine Koalition mit weniger als einem Viertel der Knesset-Sitze erhebliches taktisches Geschick benötige.

Wahl entscheidet über Justiz und internationales Ansehen

Ein Machtwechsel könnte den umstrittenen Justizumbau stoppen und die Belastung der liberalen Demokratie verringern, sagt Rynhold. Auch der Abwärtstrend im internationalen Ansehen Israels könnte gebremst werden.

Bei einem Verbleib Netanjahus mit seiner teilweise rechtsextremen Koalition rechnet der Experte dagegen mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung. Auch die Abwanderung junger, hoch qualifizierter Menschen könnte sich dann fortsetzen und verschärfen.

Die Wahl findet in einer Phase statt, in der Israels politische Lager nicht nur über die Person Netanjahus, sondern auch über den Kurs des Landes streiten. Im Zentrum stehen der Umgang mit dem Krieg, die Sicherheitsarchitektur, das Verhältnis zu den arabischen Parteien und die Frage, wie weit der bereits begonnene Umbau des Justizsystems fortgesetzt werden soll.

Entscheidend ist dabei das israelische Wahlsystem: Die Sitze der Knesset werden nach Verhältniswahl vergeben, sodass die stärkste Partei nicht automatisch den Regierungschef stellt. Nach der Wahl muss der Präsident einen Kandidaten mit den besten Aussichten auf eine Mehrheit mit der Regierungsbildung beauftragen. Koalitionsverhandlungen können deshalb Wochen dauern.

Koalitionen entscheiden über den Machtwechsel

Ein Vorsprung von Jaschar oder Likud allein würde den Ausgang daher nicht abschließend klären. Eisenkot müsste Unterstützer für eine Regierungsbildung finden, während Netanjahu auf die Geschlossenheit seines rechtsreligiösen Lagers angewiesen bliebe. Besonders konfliktträchtig ist die Wehrpflichtfrage, weil sie säkulare und religiöse Kräfte innerhalb des konservativen Spektrums gegeneinanderstellt.

Für die Bevölkerung hätte der Ausgang konkrete Folgen: Ein Machtwechsel könnte den innenpolitischen Streit über Justiz und Demokratie neu ordnen und Israels internationale Handlungsfähigkeit beeinflussen. Bleibt Netanjahu im Amt oder scheitert eine neue Koalition, wären dagegen weitere Verhandlungen und eine anhaltende politische Blockade möglich.

Krieg und Verfahren prägen Netanjahus Zukunft

Hinzu kommen die persönliche politische Zukunft des Ministerpräsidenten und sein laufendes Korruptionsverfahren. Das Ergebnis entscheidet damit zugleich darüber, unter welchen politischen Bedingungen Netanjahu seine Amtsführung, die Kriegsziele und den Umgang mit juristischem Druck fortsetzen kann.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Netanjahu bei Wahl in Israel: Experte warnt vor Destabilisierung nach möglicher Abwahl und deckt Taktik auf“ (24.10.2026)

Der Artikel ordne die Wahl als mögliches Risiko für die politische Stabilität ein und verweise auf Umfragen, die dem Likud Verluste in Aussicht stellten. Damit bestätige er das knappe Rennen, setze aber einen stärkeren Akzent auf Netanjahus Verhalten nach einer möglichen Wahlniederlage.

Tagesschau: „Vor Knesset-Wahl: Junge Israelis zwischen Trauma und Zukunftssorge“ (23.10.2026)

Der Beitrag beleuchte vor allem die Perspektive junger Wähler und deren Sorgen nach Krieg und Terror. Zugleich bestätige er Eisenkots Rolle als wichtigsten Herausforderer, während die dpa-Meldung stärker die Koalitionsarithmetik und Netanjahus persönliche Lage herausarbeite.

Übereinstimmend gilt die Wahl als eng und politisch folgenreich. Unterschiede liegen beim Schwerpunkt: Im Vordergrund stehen je nach Beitrag Stabilität, junge Wähler oder die Frage, ob aus einem Oppositionsvorsprung tatsächlich ein Regierungswechsel entstehen kann.

Disclaimer...
de | ausland | 70407911 |