Israel-Wahl: Netanjahus Lager kommt nur auf 50 Sitze
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 21:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Mehrheitsfrage in der Knesset
- Netanjahus Likud-Partei wurde laut Prognosen stärkste Kraft im israelischen Parlament.
- Das Lager um Netanjahu kam den Prognosen zufolge auf 50 von 120 Sitzen.
- Nach der Wahl war offen, wer den künftigen Ministerpräsidenten stellen und eine Regierung bilden wird.
Opposition wertet Prognosen als Niederlage Netanjahus
Die israelische Opposition wertet das Wahlergebnis als Niederlage von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, obwohl seine Likud-Partei laut Prognosen stärkste Kraft im Parlament geworden ist. Das Lager mehrerer Parteien verfehlte demnach die absolute Mehrheit und kam auf 50 von 120 Sitzen.
Netanjahu-Block verliert Mehrheit
Nach der Wahl vor vier Jahren hatte Netanjahu eine Koalition gebildet, die über 64 Sitze verfügte. Oppositionsführer Jair Lapid erklärte, der Netanjahu-Block habe eine „vernichtende Niederlage“ erlitten, und sprach von einem „totalen Kollaps“.
Die Öffentlichkeit habe Netanjahus Lager „nach Hause geschickt“, sagte Lapid nach Angaben eines Büros. Der Vorsitzende der linksliberalen Demokraten, Jair Golan, erklärte ebenfalls, die Öffentlichkeit habe „die Netanjahu-Regierung gefeuert“.
Regierungsbildung bleibt offen
Golan sprach von einer „historischen Gelegenheit“, eine Regierung des echten Wandels in Israel zu bilden. Auch das Lager der Parteien um Ex-Militärchef Gadi Eisenkot verfehlte laut den Prognosen eine absolute Mehrheit.
Damit war nach der Wahl noch völlig ungewiss, wer eine Regierung bilden und den künftigen Ministerpräsidenten stellen wird. Die endgültigen Mandatszahlen und die anschließenden Koalitionsverhandlungen werden über den weiteren politischen Kurs entscheiden.
Die Prognosen markieren zunächst eine politische Pattsituation. Für eine Regierungsbildung sind in der Knesset 61 Sitze erforderlich; weder das Lager um Netanjahu noch das Bündnis um Gadi Eisenkot erreicht diese Schwelle. Damit hängt die nächste Regierung von Koalitionsverhandlungen und der Bereitschaft kleinerer Parteien ab, sich einem der beiden Lager anzuschließen.
Der Abstand zur vorherigen Regierungsmehrheit ist erheblich: Netanjahu hatte nach der Wahl vor vier Jahren eine Koalition mit 64 Sitzen gebildet. Die nun prognostizierten 50 Mandate würden einen deutlichen Verlust an geschlossenem Rückhalt bedeuten und zugleich die Position des Likud als stärkster Einzelkraft nicht automatisch in eine Regierungsoption übersetzen.
Koalitionssuche entscheidet über den nächsten Schritt
Politisch offen bleibt deshalb nicht nur, wer den Auftrag zur Regierungsbildung erhält, sondern auch, welche Parteien für eine tragfähige Mehrheit zusammenfinden. Eine Niederlage des Netanjahu-Lagers in der Sitzverteilung könnte zu einem Machtwechsel führen, muss ihn aber nicht unmittelbar bewirken.
Für die Wählerinnen und Wähler bedeutet das Ergebnis vor allem eine längere Phase politischer Unsicherheit. Bis eine Koalition steht, bleiben die Prognosen eine Momentaufnahme; maßgeblich werden die endgültigen Mandatszahlen, Empfehlungen an den Staatspräsidenten und die anschließenden Verhandlungen sein.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: „Wahlen in Israel: Wahlkommission weist Netanjahu-Antrag ab“ (27.10.2026)
Der Livebericht habe den Wahltag als Entscheidung über Netanjahus Machterhalt und die politische Richtung Israels eingeordnet. Er habe zudem auf die hohe Wahlbeteiligung und darauf verwiesen, dass Umfragen weder dem Regierungslager noch der Opposition eine Mehrheit von 61 Sitzen gegeben hätten.
Frankfurter Rundschau: „Wahlen in Israel 2026: Erste Zahlen deuten historischen Rekordwert an“ (27.10.2026)
Der Bericht habe den Wahltag vor allem als Abstimmung über Netanjahus politisches Überleben und als enges Rennen mit Gadi Eisenkot beschrieben. Einen Schwerpunkt habe er zudem auf den internationalen Folgen eines möglichen Regierungswechsels gelegt.
Beide Beiträge hätten die offene Mehrheitsfrage und den engen Ausgang als zentrale Punkte behandelt. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung: Während der taz-Livebericht den Wahlablauf und institutionelle Entscheidungen betont habe, habe die Frankfurter Rundschau stärker die politische Vorgeschichte und die außenpolitische Bedeutung herausgestellt.
