Israel plant Offensive zur dauerhaften Besetzung Gazas
05.05.2025 - 15:53:27 | dpa.deDie israelische Armee soll nach dem Willen der Regierung den Gazastreifen erobern und auf Dauer besetzt halten. FĂŒr die groĂangelegte Offensive werden Zehntausende Reservisten mobilisiert. Weiter beschloss das Sicherheitskabinett um MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu nach Angaben aus Regierungskreisen einen Plan, um die seit Wochen gestoppten Hilfslieferungen in den abgeriegelten KĂŒstenstreifen wieder aufzunehmen.
Der Plan sehe auch vor, die palĂ€stinensische Bevölkerung vom Norden in den SĂŒden zu bewegen, hieĂ es in einer Mitteilung der Regierung weiter. Ziel sei es, die im Gazastreifen herrschende Hamas zu besiegen und die Freilassung der von islamistischen Extremisten festgehaltenen Geiseln zu erreichen. Die Islamistenorganisation soll demnach auch daran gehindert werden, humanitĂ€re HilfsgĂŒter fĂŒr sich abzuzweigen oder weiterzuverkaufen.
Netanjahu erklĂ€rte demnach, die Armee werde nicht mehr nur Razzien im Gazastreifen durchfĂŒhren, sondern Gebiete erobern und auf Dauer dort bleiben. Laut der israelischen Zeitung «Haaretz» ist neben der Einnahme weiterer Gebiete vorgesehen, die schon geschaffene «Pufferzone» auszuweiten. Auf diese Weise wolle Israel in den Verhandlungen mit der Hamas mehr Druckmittel gewinnen. Beide Seiten können sich seit Wochen nicht auf ein Abkommen zur Freilassung weiterer Geiseln sowie eine Waffenruhe einigen.Â
Netanjahu sagte laut Regierungskreisen auĂerdem, er unterstĂŒtze weiterhin den Plan des US-PrĂ€sidenten Donald Trump fĂŒr eine «freiwillige Emigration von Gaza-Einwohnern». Man sei dazu mit mehreren LĂ€ndern im GesprĂ€ch. Trumps Plan war international auf starke Kritik gestoĂen.Â
Smotrich: Bleiben auch im Fall eines Deals in Gaza
Auslöser des Gaza-Kriegs war der Ăberfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 Israelis als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Der ultrarechte Finanzminister Bezalel Smotrich sagte israelischen Medien zufolge, Israel werde sich auch im Falle eines weiteren Deals zur Freilassung von Geiseln nicht aus dem Gazastreifen zurĂŒckziehen. Er betonte demnach auch die Möglichkeit einer Annexion des PalĂ€stinensergebiets.Â
Angehörige der Geiseln warfen der Regierung vor, die Geiseln mit ihrem «Smotrich-Netanjahu-Plan» aufzugeben. Israels FĂŒhrung seien Gebiete wichtiger als die Verschleppten, sie handle damit gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung, sagte das Forum der Geisel-Familien.Â
Geiseln unter grausamen UmstÀnden festgehalten
Umfragen zufolge befĂŒrwortet eine groĂe Mehrheit der israelischen Bevölkerung ein Abkommen, das die Freilassung aller noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln vorsieht - auch wenn dies ein Ende des Krieges bedeuten wĂŒrde. Die Hamas will eigenen Angaben zufolge nur dann weitere Geiseln freilassen, wenn die KĂ€mpfe endgĂŒltig enden.
In dem KĂŒstenstreifen sind nach israelischen Angaben noch 24 Geiseln sowie die Leichen von 35 EntfĂŒhrten in der Gewalt von Terrororganisationen. Sie werden nach Angaben ehemaliger Geiseln von ihren EntfĂŒhrern unter grausamsten UmstĂ€nden festgehalten.Â
Israel hatte sich vor 20 Jahren aus Gaza zurĂŒckgezogen
Kritiker in Israel werfen Netanjahu, gegen den seit Jahren ein Korruptionsprozess lĂ€uft, Eigeninteressen im Gaza-Krieg vor. Der israelische Regierungschef, dem nachgesagt wird, an der Macht zu klammern, ist fĂŒr sein politisches Ăberleben auf seine rechtsextremen Koalitionspartner angewiesen. Diese fordern schon lĂ€nger die Wiederbesetzung und Wiederbesiedlung des Gazastreifens, aus dem Israel sich vor 20 Jahren zurĂŒckgezogen hat.Â
Israelische Beobachter haben in dem Fall bereits vor den Auswirkungen fĂŒr Israel gewarnt. So kĂ€men auf das Land Kosten in Milliardenhöhe zu, fĂŒr die Geiseln bedeute die Entscheidung wahrscheinlich den Tod. Zudem brĂ€uchte die Armee deutlich mehr Soldaten, so Analysten.Â
Generalstabschef Ejal Zamir hatte am Sonntag bereits angekĂŒndigt, Zehntausende Einberufungsbefehle an Reservisten verschicken zu wollen, um die Offensive im Gazastreifen ausweiten zu können. Diesen Schritt hatte das Sicherheitskabinett ebenfalls beschlossen.
Die Mutter eines entfĂŒhrten Mannes forderte Berichten zufolge Reservisten der Armee dazu auf, aus moralischen und ethischen GrĂŒnden nicht zum Dienst zu erscheinen.
Deutschland lehnt dauerhafte Besatzung des Gazastreifens ab
Ein Sprecher des AuswĂ€rtigen Amts nannte die Berichte zu den EroberungsplĂ€nen «besorgniserregend». Das Ministerium lehnt eine dauerhafte Besetzung des Gazastreifens nach eigenen Angaben ab. «Gaza gehört den PalĂ€stinenserinnen und PalĂ€stinensern», so der Sprecher.Â
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte bereits im vergangenen Monat gesagt, Israels Soldaten sollten in allen im Gazastreifen eroberten Gebieten dauerhaft die Kontrolle behalten. Anders als in der Vergangenheit werde die Armee keine Gebiete mehr rÀumen.
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