Nahost, Gaza

Israels MilitÀreinsatz im Westjordanland dauert an

04.07.2023 - 11:26:13 | dpa.de

Israels Armee begrĂŒndet ihren Großangriff in der Stadt Dschenin als Einsatz gegen Terroristen. Tausende Einwohner verlassen ihre HĂ€user. Die palĂ€stinensische Autonomiebehörde kĂŒndigt Konsequenzen an.

  • PalĂ€stinenser verbrennen Reifen bei ZusammenstĂ¶ĂŸen wĂ€hrend der israelischen MilitĂ€roperation in Dschenin. - Foto: Ayman Nobani/dpa
  • SanitĂ€ter transportieren Verletzte zu einem Krankenhaus in Dschenin. - Foto: Ayman Nobani/dpa
  • Im östlichen Gazastreifen protestieren PalĂ€stinenser gegen den andauernden israelischen Angriff auf die Stadt Dschenin im Westjordanland. - Foto: Ahmad Hasaballah/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire/dpa
  • Rauch steigt ĂŒber dem FlĂŒchtlingslager in Dschenin auf. - Foto: Nasser Ishtayeh/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa
  • Bewaffnete PalĂ€stinenser schießen wĂ€hrend der Razzia im FlĂŒchtlingslager Dschenin auf israelische ArmeekrĂ€fte. - Foto: Nasser Ishtayeh/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa
PalĂ€stinenser verbrennen Reifen bei ZusammenstĂ¶ĂŸen wĂ€hrend der israelischen MilitĂ€roperation in Dschenin. - Foto: Ayman Nobani/dpa SanitĂ€ter transportieren Verletzte zu einem Krankenhaus in Dschenin. - Foto: Ayman Nobani/dpa Im östlichen Gazastreifen protestieren PalĂ€stinenser gegen den andauernden israelischen Angriff auf die Stadt Dschenin im Westjordanland. - Foto: Ahmad Hasaballah/IMAGESLIVE via ZUMA Press Wire/dpa Rauch steigt ĂŒber dem FlĂŒchtlingslager in Dschenin auf. - Foto: Nasser Ishtayeh/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa Bewaffnete PalĂ€stinenser schießen wĂ€hrend der Razzia im FlĂŒchtlingslager Dschenin auf israelische ArmeekrĂ€fte. - Foto: Nasser Ishtayeh/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

Israels Armee hat ihre großangelegte MilitĂ€roffensive im besetzten Westjordanland fortgesetzt. Am frĂŒhen Morgen seien mehrere Waffen sowie militĂ€rische AusrĂŒstung in der palĂ€stinensischen Stadt Dschenin beschlagnahmt worden, teilte die Armee mit. DarĂŒber hinaus wurden den Angaben nach ein unterirdischer Schacht zur Lagerung von Sprengkörpern sowie «RĂ€umlichkeiten terroristischer Organisationen» zerstört.

Unterdessen stieg die Zahl der Toten seit Beginn des MilitÀreinsatzes auf zehn. Die Leiche eines PalÀstinensers mit Schusswunden sei in der Nacht zum Dienstag gefunden worden, teilte das Gesundheitsministerium in Ramallah mit. Zudem seien unter den 100 Verletzten weiter 20 in kritischem Zustand.

Israel hatte in der Nacht zum Montag eine der grĂ¶ĂŸten MilitĂ€roperationen im Westjordanland seit Jahrzehnten begonnen. Die Armee rĂŒckte nach mehreren LuftschlĂ€gen mit mehr als tausend Soldatinnen und Soldaten in die Stadt Dschenin ein, die eigentlich unter der Kontrolle der palĂ€stinensischen Autonomiebehörde steht. In der Stadt, die keine 80 Kilometer Luftlinie von Jerusalem entfernt liegt, lieferte sich das MilitĂ€r stundenlange Feuergefechte mit bewaffneten Anwohnern.

Nach Angaben der Armee richtet sich der Einsatz gegen terroristische Infrastruktur. Dschenin und das dortige FlĂŒchtlingslager mit rund 17.000 Einwohnern gelten als Hochburg militanter PalĂ€stinenser. Finanziert werden die verschiedenen Gruppierungen vor allem vom Iran, einem Erzfeind des Staates Israel. In den vergangenen Jahren hatten Bewohner der Stadt mehrere AnschlĂ€ge auf Israelis verĂŒbt.

Tausende Menschen evakuiert

PalĂ€stinensischen Berichten zufolge wurden Tausende Menschen in der Nacht aus dem FlĂŒchtlingslager evakuiert und in nahe gelegene NotunterkĂŒnfte gebracht. Unklar ist noch, ob dies von der Armee angeordnet wurde. Israelischen Medienberichten zufolge bestritten israelische Sicherheitsbeamte, dass es einen Befehl zur Evakuierung gegeben habe.

«In den vergangenen Monaten ist Dschenin zu einem RĂŒckzugsort fĂŒr Terrorismus geworden, von dem aus heimtĂŒckische Attacken auf israelische MĂ€nner, Frauen und Kinder verĂŒbt wurden», sagte Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu am Montagabend. «Israelische Soldaten tun alles dafĂŒr, um den Tod von Zivilisten zu vermeiden, wĂ€hrend Israel alles dafĂŒr tut, um sein Recht auf Selbstverteidigung auszuĂŒben.» Ziel sei es, all jene auszuschalten, «die unser Land vernichten wollen». Die MilitĂ€roffensive werde so lange dauern wie nötig, «um die Mission zu erfĂŒllen».

Autonomiebehörde: Keine Zusammenarbeit mehr in Sicherheitsfragen

Die palĂ€stinensische Autonomiebehörde bekrĂ€ftigte nach einem Treffen ihrer FĂŒhrungsriege, dass es mit Israel in Sicherheitsfragen weiter keine Zusammenarbeit mehr geben werde. Ähnliche AnkĂŒndigungen hatte die Autonomiebehörde schon bei frĂŒheren Gelegenheiten gemacht - sie wurden allerdings faktisch nicht umgesetzt. Die Zusammenarbeit umfasste in der Vergangenheit etwa den Austausch von nachrichtendienstlichen Informationen, um TerroranschlĂ€ge zu verhindern und grĂ¶ĂŸere EinsĂ€tze in allein von der palĂ€stinensischen Autonomiebehörde kontrollierten Zonen zu koordinieren.

Die Sicherheitslage in Israel und im Westjordanland mit rund drei Millionen Einwohnern ist seit langem angespannt, zuletzt nahm die Gewalt nochmals zu. Seit Beginn des Jahres kamen mehr als zwei Dutzend Menschen bei AnschlĂ€gen von PalĂ€stinensern ums Leben. Im gleichen Zeitraum wurden rund 150 PalĂ€stinenser bei gewaltsamen ZusammenstĂ¶ĂŸen, israelischen MilitĂ€reinsĂ€tzen oder nach eigenen AnschlĂ€gen getötet.

Israel hatte das Westjordanland und Ost-Jerusalem wĂ€hrend des Sechstagekrieges 1967 erobert. Dort leben heute mehr als 600.000 israelische Siedler in mehr als 200 Siedlungen. Die PalĂ€stinenser beanspruchen die Gebiete als Teil eines eigenen Staats. Eine Zweistaatenlösung fĂŒr den seit Jahrzehnten wĂ€hrenden Nahost-Konflikt scheint jedoch in weiter Ferne. Verhandlungen zwischen Israel und den PalĂ€stinensern liegen seit 2014 brach.

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