Massenprotest in Jerusalem - Geisel-Angehörige fordern Deal
07.09.2025 - 04:13:32 | dpa.deAngesichts einer drohenden GroĂoffensive der israelischen Armee in der Stadt Gaza laufen die diplomatischen BemĂŒhungen um ein Ende des Krieges auf Hochtouren. Nach Informationen des israelischen Senders Kan wollen die Vermittlerstaaten USA, Katar und Ăgypten voraussichtlich diese Woche einen neuen Vorschlag fĂŒr ein Abkommen vorlegen, das die Freilassung aller Geiseln und ein Ende des Krieges vorsehe. US-PrĂ€sident Donald Trump hatte kurz zuvor gesagt, man befinde sich in sehr intensiven Verhandlungen mit der islamistischen Terrororganisation Hamas.Â
Bei einer erneuten GroĂdemonstration vor der Residenz des israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu in Jerusalem forderten am Abend zigtausende Menschen den Regierungschef auf, einen Deal mit der Hamas einzugehen. Die «Times of Israel» schĂ€tzte die Zahl der Teilnehmer auf Zehntausende. Es sei eine der bisher gröĂten Protestkundgebungen in Jerusalem im Zusammenhang mit Forderungen nach einem Gaza-Abkommen.Â
Demonstranten fordern sofortige Verhandlungen
Die Hamas erklĂ€rte am Abend, sie sei offen «gegenĂŒber jeglichen Ideen und VorschlĂ€gen», die zu einem dauerhaften Waffenstillstand, einem vollstĂ€ndigen RĂŒckzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen, der Einfuhr von HilfsgĂŒtern und dem Austausch von Geiseln gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge fĂŒhrten. Zugleich bekrĂ€ftigten die Islamisten ihre Zustimmung zu einem Vorschlag der Vermittler fĂŒr eine Waffenruhe. Das Forum der Familien der in Gaza festgehaltenen Geiseln beklagte, drei Wochen seien vergangen, ohne dass Israel bisher auf die Antwort der Hamas an die Vermittler reagiert habe.
In einer ErklĂ€rung forderte das Forum die Regierung von Netanjahu am Abend auf, den derzeit vorliegenden Vorschlag, auf den die Hamas bereits positiv reagiert habe, anzunehmen und unverzĂŒglich Verhandlungen ĂŒber ein umfassendes Abkommen zur RĂŒckkehr aller Geiseln aufzunehmen. Der Vorschlag sieht eine 60-tĂ€gige Waffenruhe vor, wĂ€hrend der zunĂ€chst zehn lebende Geiseln im Austausch gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge freikommen.Â
Netanjahu beharrt auf Bedingungen fĂŒr Kriegsende
Netanjahu beharrt jedoch inzwischen auf einem umfassenden Deal, bei dem alle Geiseln auf einen Schlag freigelassen werden. Von den 48 Geiseln, die sich in Gaza befinden, sind nach israelischen Informationen noch 20 am Leben. Ob die Hamas bereit wĂ€re, alle verbliebenen Geiseln auf einmal freizulassen, geht auch aus der ErklĂ€rung der Islamisten vom Samstagabend nicht hervor.Â
Zudem pocht Netanjahu auf eine Kapitulation und Entwaffnung der Hamas â was diese ablehnt. Netanjahu will auĂerdem, dass Israel die Sicherheitskontrolle ĂŒber den Gazastreifen behĂ€lt, wĂ€hrend die Hamas erneut den vollstĂ€ndigen Abzug der israelischen Truppen forderte. Kritiker werfen Netanjahu vor, den Krieg unnötig in die LĂ€nge zu ziehen. Seine rechtsextremen Koalitionspartner, von denen sein politisches Ăberleben abhĂ€ngt, sind gegen eine Waffenruhe.Â
«Der persönliche Ăberlebensinstinkt des MinisterprĂ€sidenten darf nicht ĂŒber die Notwendigkeit gestellt werden, alle Geiseln zurĂŒckzuholen und unnötige TodesfĂ€lle als Teil eines endlosen Krieges zu verhindern, dessen Zweck darin besteht, die Koalition zu erhalten», hieĂ es in der ErklĂ€rung des Forums der Geiselfamilien. Angehörige der Geiseln befĂŒrchten, dass die geplante militĂ€rische Einnahme der Stadt Gaza das Leben der Verschleppten gefĂ€hrdet.
Geiselfamilien fĂŒrchten das Schlimmste
Die Familien der aus Israel entfĂŒhrten Geiseln Guy Gilboa-Dalal und Alon Ohel, der auch deutscher StaatsbĂŒrger ist, glauben einem Bericht des Senders Channel 12 zufolge, dass die beiden vor der geplanten Einnahme der Stadt Gaza dorthin gebracht wurden. Die Hamas hatte am Freitag ein Video veröffentlicht, in dem die beiden zu sehen sind. Gilboa-Dalal sagt darin in einem Auto sitzend, er befinde sich in der Stadt Gaza. In der Gegend wĂŒrden mehrere weitere Geiseln festgehalten. Diese sollten laut ihren EntfĂŒhrern wĂ€hrend der geplanten israelischen Offensive dort bleiben, wie der junge Mann schildert.
Unter welchen UmstĂ€nden das Video entstand und ob der Mann aus freien StĂŒcken oder unter Drohungen sprach, war zunĂ€chst unklar. Die Aufnahme soll von Ende August stammen. Der israelische Sender Kan will unterdessen aus dem Umfeld von Regierungschef Netanjahu erfahren haben, dass Israel bereit sei, von der Einnahme der Stadt im Norden des KĂŒstenstreifens zugunsten eines «echten Abkommens» abzusehen. Ein solches liege aber derzeit nicht vor.
Israels Armee weist «humanitÀre Zone» aus
In den vergangenen Tagen verstĂ€rkte das israelische MilitĂ€r seine Luftangriffe auf die dicht besiedelte Stadt. Nach SchĂ€tzungen sollen sich dort fast eine Million Menschen aufhalten. Vor der erwarteten GroĂoffensive in der Stadt wies Israels Armee ein KĂŒstengebiet im sĂŒdlichen Gazastreifen als sogenannte humanitĂ€re Zone aus. Das Areal von Al-Mawasi nahe Chan Junis verfĂŒge ĂŒber wesentliche humanitĂ€re Infrastruktur wie FeldkrankenhĂ€user, Wasserleitungen und Entsalzungsanlagen, teilte ein arabischsprachiger Armeesprecher auf X mit.
Er forderte die Bewohner der Stadt Gaza auf, sich möglichst bald in das Areal zu begeben. Bislang haben weniger als 100.000 Menschen die Stadt verlassen. Israel hatte Al-Mawasi bereits im Dezember 2023 zur «humanitĂ€ren Zone» erklĂ€rt. Die dortigen Zeltlager gelten schon jetzt als hoffnungslos ĂŒberfĂŒllt.
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