Hoffnung, Freilassung

Hoffnung auf Freilassung einiger Geiseln in Gewalt der Hamas

09.11.2023 - 15:06:14

Israels Armee rĂŒckt im Gazastreifen weiter vor. Und MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu nennt erneut Bedingungen fĂŒr eine Waffenruhe. Der Überblick.

Mehr als einen Monat nach Beginn des Gaza-Kriegs gibt es Hoffnung auf die baldige Freilassung einer kleinen Zahl an Geiseln in Gewalt der islamistischen Hamas.

Unter Vermittlung des Golfemirats Katar, das gute Beziehungen zu der PalĂ€stinenserorganisation pflegt, und in Absprache mit den USA laufen Verhandlungen, um etwa ein Dutzend Gefangene freizubekommen. Das bestĂ€tigte eine Person mit Kenntnis dieser GesprĂ€che der Deutschen Presse-Agentur. Im Gegenzug sollen die KĂ€mpfe im Rahmen einer humanitĂ€ren Pause fĂŒr 48 bis 72 Stunden eingestellt werden.

Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu hatte zuvor erneut die Freilassung der Geiseln im Gazastreifen als Bedingung fĂŒr eine Waffenruhe genannt. «Ich möchte alle Arten von falschen GerĂŒchten, die wir aus allen möglichen Richtungen hören, beiseite legen und eines klarstellen: Es wird keine Waffenruhe ohne die Freilassung unserer Geiseln geben», sagte Netanjahu. Alles andere sei falsch. Unklar war jedoch, ob er damit die Freilassung aller 239 Geiseln auf einmal meinte.

Israel besteht demnach auf klare Abmachungen, um sicherzustellen, dass es nicht zu einer lĂ€ngeren Waffenruhe gedrĂ€ngt wird, die als Sieg der Hamas gelten könnte. Nach Medienberichten befĂŒrchtet Israel, die angeschlagene Hamas könnte sich wĂ€hrend einer lĂ€ngeren Feuerpause neu gruppieren. Diese könnte dann israelische Truppen im Gazastreifen gefĂ€hrden. Unklar sei, ob im Rahmen einer Freilassung auch palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen entlassen werden sollen, schrieb die israelische Zeitung «Jediot Achronot.

Auch der Iran vermittelt bei der Freilassung von Geiseln

Parallel gibt es - davon unabhĂ€ngig - Verhandlungen zwischen der Hamas und Thailand ĂŒber die Freilassung von 23 thailĂ€ndischen Geiseln, bei denen der Iran vermittelt. Irans Außenminister Hussein Amirabdollahian hatte sich nach Angaben aus seinem Ministerium vor rund einer Woche mit seinem thailĂ€ndischen Kollegen Parnpree Bahiddha-Nukara in der katarischen Hauptstadt Doha getroffen. Thailand habe den Iran gebeten, sich fĂŒr die Geiseln einzusetzen.

Amirabdollahian habe das Thema folglich mit Hamas-Vertretern besprochen. Der Minister hatte sich in den vergangenen Wochen immer wieder mit der FĂŒhrung der islamistischen PalĂ€stinenserorganisation ausgetauscht, so auch mit Hamas-Chef Ismail Hanija, der in Doha lebt. Die Hamas habe aber deutlich gemacht, Gefangene nur freizulassen, wenn israelische Angriffe auf Gaza stoppen wĂŒrden.

Israels Armee rĂŒckt im Gazastreifen weiter vor

Israelische Bodentruppen nahmen nach Darstellung der Armee nach heftigen KĂ€mpfen im nördlichen Gazastreifen einen StĂŒtzpunkt der islamistischen Hamas ein. Dieser liege im FlĂŒchtlingsviertel Dschabalia, teilte das MilitĂ€r mit. An dem zehn Stunden langen Kampf seien neben Hamas auch der Islamische Dschihad beteiligt gewesen, hieß es. Viele Ortschaften im Norden des Gazastreifens sind in dem Krieg, der vor mehr als einem Monat begonnen hatte, weitgehend zerstört worden. Von der Hamas veröffentlichte Videos zeigen KĂ€mpfe zwischen den Ruinen. Immer wieder sind darin Hamas-KĂ€mpfer zu sehen, die Panzerabwehrraketen auf israelische Panzer abfeuern.

Israel geht davon aus, dass sich die militĂ€rische und politische FĂŒhrung der Hamas in dem unterirdischen Tunnelsystem im Gazastreifen versteckt hĂ€lt. Auch zumindest ein Teil der 239 Geiseln, die Hamas und andere bei dem Massaker in Israel verschleppt hatten, wird dort vermutet.

Vor gut einer Woche hatte ein israelischer Luftangriff auf ein GebĂ€ude in Dschabalia schwere Folgen. Nach dem Angriff war ein Krater der Zerstörung in dem FlĂŒchtlingsviertel zu sehen, von palĂ€stinensischer Seite war die Rede von Dutzenden Toten. Anwohner warfen Israel vor, ein Massaker angerichtet zu haben.

Die Armee teilte mit, es seien in Dschabalia ein Drahtzieher des Angriffs vom 7. Oktober sowie 50 Terroristen getötet worden. Nach UN-Angaben ist Dschabalia das grĂ¶ĂŸte FlĂŒchtlingsviertel im Gazastreifen.

Hilfsorganisationen bei internationaler Konferenz in Paris

HumanitĂ€re Organisationen haben bei einer internationalen Hilfskonferenz in Paris auf die Öffnung weiterer GrenzĂŒbergĂ€nge fĂŒr Lieferungen in den Gazastreifen gepocht. Die humanitĂ€re Lage verschlechtere sich zusehends und eine Feuerpause sei notwendig, damit Hilfe die Menschen erreichen könne, sagten Vertreter internationaler Organisationen. An der eintĂ€gigen Konferenz nahmen Staaten, internationale Organisationen und in Gaza tĂ€tige NGOs teil.

Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron, der das Treffen anberaumt hatte, sagte: «Wir brauchen eine sehr schnelle humanitĂ€re Pause und mĂŒssen auf einen Waffenstillstand hinarbeiten. Es muss der Raum geschaffen werden, den die humanitĂ€ren Akteure benötigen, um in Gaza tĂ€tig zu werden.»

Weitere Eskalation im Westjordanland

Bei einem israelischen MilitÀreinsatz in Dschenin im Westjordanland sind nach palÀstinensischen Angaben mindestens neun Menschen getötet worden. 15 weitere seien verletzt worden, teilte das palÀstinensische Gesundheitsministerium mit. Laut der israelischen Armee griff eine Drohne wÀhrend des Einsatzes bewaffnete Einwohner in dem Ort an.

Dschenin gilt als Hochburg militanter PalĂ€stinenser. Es kommt dort immer wieder zu Razzien der israelischen Armee. Die Lage im Westjordanland hat sich seit Beginn des Krieges deutlich verschĂ€rft. Insgesamt 167 PalĂ€stinenser wurden laut palĂ€stinensischem Gesundheitsministerium getötet. Es gibt auch verstĂ€rkt Berichte ĂŒber Gewalt israelischer Siedler gegen PalĂ€stinenser.

Israel hatte 1967 das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Die PalĂ€stinenser beanspruchen die Gebiete fĂŒr einen unabhĂ€ngigen Staat mit dem arabisch geprĂ€gten Ostteil Jerusalems als Hauptstadt.

@ dpa.de