Israel fliegt Luftangriff im Westjordanland
18.05.2024 - 05:12:56WĂ€hrend Israels Armee ihre Angriffe gegen die islamistische Hamas und andere bewaffnete Gruppen im Gazastreifen verstĂ€rkt, hat die Luftwaffe jetzt auch im Westjordanland sowie im SĂŒdlibanon zugeschlagen.
Bei einem Luftangriff in Dschenin im Westjordanland wurde ein gesuchter Terrorist getötet, teilte Israels MilitĂ€r mit. Ein Kampfflugzeug und ein Hubschrauber hĂ€tten eine Kommandozentrale eines örtlichen Terrornetzwerkes angegriffen, hieĂ es. Kurz zuvor wurde ebenfalls bei einem Luftangriff im SĂŒdlibanon ein Hamas-Offizier in seinem Auto getötet, wie die israelische Armee bestĂ€tigte.
Unterdessen reist der Sicherheitsberater von US-PrĂ€sident Joe Biden zunĂ€chst nach Saudi-Arabien und am Sonntag nach Israel. Dort soll es um Israels umstrittenen MilitĂ€reinsatz in Rafah im SĂŒden Gazas sowie die ins Stocken geratenen Verhandlungen ĂŒber ein Abkommen zur Freilassung aller Geiseln gehen.
Israels MilitÀr greift weiter in Rafah und im Norden an
Die israelischen StreitkrĂ€fte setzen nach eigenen Angaben ihre EinsĂ€tze in der sĂŒdlichen Stadt Rafah sowie in der Mitte und im Norden des Gazastreifens fort. Im Osten von Rafah tötete ein Luftangriff einen Kommandeur des Islamischen Dschihad, wie das MilitĂ€r mitteilte. Bei dem Mann soll es sich um den fĂŒr Rafah zustĂ€ndigen Logistik-Chef der mit der Hamas verbĂŒndeten proiranischen Miliz gehandelt haben. Zudem zerstörten israelische Truppen Waffenlager und Raketenstellungen der Islamisten.
Heftige KĂ€mpfe toben seit Tagen in der FlĂŒchtlingssiedlung Dschabalia im Norden Gazas. Israelische Soldaten töteten in den letzten 24 Stunden in bewaffneten Auseinandersetzungen mehrere Islamisten, wie das MilitĂ€r am Samstagmorgen bekannt gab. Zudem zerstörten sie mehrere TunnelschĂ€chte und eine Raketenstellung.
Nach palÀstinensischer Darstellung fordern die israelischen Angriffe in Dschabalia viele zivile Opfer. Mindestens 15 Menschen seien getötet und weitere 30 verletzt worden als israelische Panzer den Zugang zu einem Schutzraum beschossen hÀtten, schrieb die palÀstinensische Nachrichtenagentur Wafa.
UNRWA-Chef: Rund 800.000 Menschen haben Rafah verlassen
Seit Beginn des israelischen MilitĂ€reinsatzes in Rafah vor knapp zwei Wochen haben nach Angaben des UN-PalĂ€stinenserhilfswerks (UNRWA) rund 800.000 Menschen die Stadt im SĂŒden des Gazastreifens verlassen. Erneut sei fast die HĂ€lfte der Bevölkerung von Rafah auf der StraĂe, da diese Menschen mit Beginn der israelischen MilitĂ€roperation in dem Gebiet am 6. Mai zur Flucht gezwungen worden seien, schrieb UNRWA-Chef Philippe Lazzarini, auf der Plattform X.
Benny Gantz droht mit Austritt aus israelischer Regierung
Benny Gantz, Minister im israelischen Kriegskabinett, hat mit dem Austritt aus der von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu gefĂŒhrten Regierung gedroht. Lege der Regierungschef nicht bis zum 8. Juni einen Plan fĂŒr die Nachkriegsordnung im Gazastreifen vor, wĂŒrden er und weitere Mitglieder seiner Partei Nationale Union das Kabinett verlassen, sagte der Politiker am Samstagabend in Tel Aviv.Â
Der 64-jĂ€hrige Politiker war nach dem beispiellosen Angriff der Hamas und anderer Terrorgruppen am 7. Oktober als Minister ohne Ressort und Mitglied des Kriegskabinetts in Netanjahus Regierung eingetreten. Damit wollten die Beteiligten ein Zeichen der Geschlossenheit setzen. An sich ist die von Gantz gefĂŒhrte Zentrumspartei Nationale Union in der Opposition. In Meinungsumfragen liegt sie derzeit weit vor Netanjahus Likud-Partei.Â
Tote bei Luftangriffen im SĂŒdlibanon und Westjordanland
Die israelische Armee bestĂ€tigte auch die gezielte Tötung eines Hamas-Offiziers, der eine Reihe von Angriffen gegen Israel aus dem Libanon gesteuert haben soll. Seit Beginn des Gaza-Krieges nach dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober vergangenen Jahres schieĂt die Hisbollah aus dem Libanon mit Raketen, Artillerie- und Panzerabwehrgranaten auf den Norden Israels - aus «SolidaritĂ€t» mit der Hamas in Gaza, wie sie vorgibt.
Israel bekĂ€mpft mit Luft- und Artillerieangriffen die Stellungen der Hisbollah, die nach einem UN-Sicherheitsratsbeschluss gar nicht so nahe an der Grenze sein dĂŒrften. Auf beiden Seiten hat es Tote gegeben. Es ist die schwerste Eskalation seit dem zweiten Libanon-Krieg 2006.
Der bei Israels Luftangriff in Dschenin im Westjordanland in der Nacht zum Samstag getötete Mann soll nach Angaben des MilitĂ€rs fĂŒr eine Reihe von TerroranschlĂ€gen verantwortlich sein, darunter die Ermordung eines Israelis im Mai 2023. Auch in palĂ€stinensischen Berichten hieĂ es, der Mann sei bei dem Angriff getötet worden. Im Westjordanland ist es in den vergangenen Jahren wieder verstĂ€rkt zu AnschlĂ€gen von PalĂ€stinensern gekommen.
Seit Beginn des Krieges im Gazastreifen hat sich die Lage weiter zugespitzt. Mehrere Hundert PalÀstinenser wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Westjordanland seitdem bei israelischen MilitÀreinsÀtzen, Konfrontationen oder eigenen AnschlÀgen getötet. Auch kam es zuletzt verstÀrkt zu Gewalttaten israelischer Siedler gegen PalÀstinenser.
Bericht: Hamas-AnfĂŒhrer will Druck auf Israel erhöhen
Der militĂ€rische AnfĂŒhrer der Hamas im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, habe nach EinschĂ€tzung der USA eine Einigung bei den jĂŒngsten Geisel-GesprĂ€chen verweigert in der Hoffnung, dass der internationale Druck auf Israel weiter steigt und zu einem Ende des Krieges fĂŒhrt, berichtete das Nachrichtenportal «Axios». Diese EinschĂ€tzung habe Sullivan kĂŒrzlich auslĂ€ndischen Botschaftern bei einem Treffen gesagt, hieĂ es.
Die indirekten Verhandlungen ĂŒber ein mögliches Geiselabkommen, das zu einer vorĂŒbergehenden Waffenruhe fĂŒhren könnte, waren vergangene Woche nach mehrtĂ€gigen GesprĂ€chen in Kairo und Doha in eine Sackgasse geraten. Am Freitag gab Israels Armee bekannt, die Leiche der Deutsch-Israelin Shani Louk sowie die zweier weiterer Geiseln im Gazastreifen gefunden zu haben. Sie seien bei einem Sondereinsatz geborgen worden. Unklar ist, wie viele der noch 129 im Gazastreifen verbliebenen Geiseln noch am Leben sind.
Leiche einer weiteren Geisel der Hamas im Gazastreifen entdeckt
Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge im Gazastreifen die Leiche einer weiteren Geisel der islamistischen Hamas geborgen. Das teilte Armeesprecher Daniel Hagari mit. Der Mann sei wÀhrend des Massakers am 7. Oktober an einer Kreuzung bei einem Kibbuz ermordet, seine Leiche sei in den Gazastreifen verschleppt worden.
Bereits am Freitag hatte die Armee mitgeteilt, drei Leichen von Geiseln geborgen zu haben, unter ihnen die der Deutsch-Israelin Shani Louk. Diese drei Opfer waren allerdings vor dem Terrorangriff der Hamas auf dem Supernova-Festival in SĂŒdisrael gewesen. Die Leiche des Mannes sei zusammen mit diesen drei entdeckt worden, sagte Hagari.Â







