Erkenntnisse, Hamas-Tunneln

Neue Erkenntnisse zu Hamas-Tunneln vorgelegt

21.12.2023 - 05:44:16

Israels MilitĂ€r veröffentlicht Informationen zum Tunnelsystem der Hamas. Netanjahu will die Islamisten endgĂŒltig schlagen und stellt die KĂ€mpfer vor die Wahl: «Ergeben oder sterben». Der Überblick.

Das israelische MilitÀr hat neue Erkenntnisse zum weitreichenden Tunnelsystem der islamistischen Hamas im nördlichen Gazastreifen veröffentlicht. Eine entscheidende Rolle spiele der PalÀstina-Platz im Zentrum der Stadt Gaza, teilte die Armee mit.

Von dort sollen «BĂŒros und Wohnungen der politischen sowie militĂ€rischen Hamas-FĂŒhrung» unterirdisch erreichbar gewesen sein. Die Angaben waren zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig zu ĂŒberprĂŒfen. Am Sonntag hatte die Armee bereits die Freilegung eines Tunnelnetzes im Norden bekannt gegeben.

Nach der Übernahme eines Gebiets in der Stadt Gaza seien weitere Details der «strategischen Tunnelroute» aufgedeckt worden, hieß es am Mittwoch. Neben Treppen ermöglichten demnach auch AufzĂŒge den Abstieg in das unterirdische System. In einigen FĂ€llen seien Lebensmittel, Wasser- und elektrische Infrastrukturen gefunden worden. «Auf diese Weise konnten Hamas-Terroristen sowohl fliehen als auch fĂŒr lĂ€ngere Zeit in ihren Verstecken bleiben», hieß es.

Das Tunnelnetz soll den Angaben nach von den hochrangigen FunktionĂ€ren der Organisation, Ismail Hanija, Jihia Sinwar, Mohammed Deif und anderen, genutzt worden sein, «um die operativen AktivitĂ€ten der Hamas zu steuern». Auch diese Angaben ließen sich nicht unabhĂ€ngig prĂŒfen.

Armee: Suchhund-Kamera zeichnete Stimmen von Geiseln auf

Beim Einsatz eines Suchhundes der israelischen Armee im Gazastreifen sind Hilferufe von drei Geiseln aufgezeichnet worden, die fĂŒnf Tage spĂ€ter versehentlich von Soldaten erschossen wurden. Der Hund sei wĂ€hrend eines Gefechts mit einer Körperkamera in ein GebĂ€ude geschickt worden, sagte der israelische Armeesprecher Daniel Hagari laut einer in der Nacht zum Donnerstag veröffentlichen Mitschrift.

«Die Terroristen haben auf den Hund geschossen, und von dem Punkt an hörten wir die Stimmen der Geiseln», sagte Hagari. Die Kamera am Körper des Hundes, der bei dem Einsatz getötet wurde, sei erst am Dienstag gefunden und ausgewertet worden.

Das GebÀude sei etwa einen Kilometer entfernt von dem Ort, wo die Geiseln spÀter erschossen worden seien. Nach Auswertung der Kameraaufnahmen gehe man davon aus, dass die MÀnner, die die Geiseln festgehalten hÀtten, bei dem Vorfall getötet worden seien. Daraufhin hÀtten die Geiseln offenbar aus dem GebÀude fliehen können.

Netanjahu: «Wir setzen den Krieg bis zum Ende fort»

WĂ€hrend die internationale Kritik am Gaza-Krieg angesichts der zahlreichen zivilen Opfer immer weiter zunimmt, schließt Israels Regierungschef ein baldiges Ende der MilitĂ€roffensive gegen die Hamas aus. «Wir setzen den Krieg bis zum Ende fort. Er wird weitergehen, bis die Hamas beseitigt ist - bis zum Sieg», sagte Benjamin Netanjahu in einer Videobotschaft am Mittwoch.

US-Außenminister Antony Blinken forderte unterdessen «gezieltere» militĂ€rische Operationen. «Wir erwarten und wollen eine Verlagerung zu gezielteren Operationen mit einer geringeren Anzahl von KrĂ€ften sehen, die sich wirklich auf die FĂŒhrung der Hamas, das Tunnelnetzwerk (...) konzentrieren», sagte Blinken in Washington. So werde auch die Zahl der zivilen Opfer im Gazastreifen zurĂŒckgehen.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel verĂŒbt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und begann Ende Oktober mit einer Bodenoffensive. Angesichts der katastrophalen humanitĂ€ren Lage in dem abgeriegelten KĂŒstengebiet war Israel zuletzt international immer mehr unter Druck geraten. Nach Darstellung der islamistischen Hamas wurden seit Kriegsbeginn mindestens 20.000 PalĂ€stinenser im Gazastreifen getötet.

Netanjahu: «Hamas-Terroristen sind dem Tod geweiht»

Der israelische MinisterprÀsident bekrÀftigte, dass das MilitÀr die Kampfhandlungen erst einstellen werde, wenn Israel seine Kriegsziele erreicht habe. «Wer glaubt, dass wir aufhören werden, ist fernab jeder RealitÀt», sagte Netanjahu. Israel werde nicht aufgeben, bis alle Ziele erreicht seien. Diese seien «die Eliminierung der Hamas, die Freilassung unserer Geiseln und die Beseitigung der Bedrohung aus dem Gazastreifen». Hamas-Terroristen hÀtten nur zwei Möglichkeiten: «Ergeben oder sterben», sagte Netanjahu weiter.

Israels Polizei ermittelt nach Tod eines palÀstinensischen HÀftlings

Nach dem Tod eines palĂ€stinensischen HĂ€ftlings in Israel ermittelt die Polizei wegen mutmaßlicher Gewaltanwendung durch WĂ€chter. Insgesamt 19 GefĂ€ngnisaufseher seien in der AffĂ€re verhört und dann unter Auflagen freigelassen worden, teilte die Polizei am Donnerstag mit.

Die Zeitung «Israel Hajom» berichtete, der 38-jÀhrige HÀftling aus dem Westjordanland sei dem Verdacht nach vor einem Monat in seiner Zelle mit Stöcken geschlagen und dabei schwer verletzt worden. SpÀter sei er in seiner Zelle tot aufgefunden worden. Eine Autopsie habe kein klares Ergebnis gehabt.

Der HÀftling war den Informationen nach Mitglied der Fatah-Organisation von PalÀstinenserprÀsident Mahmud Abbas. Er sei unter anderem wegen versuchten Mordes zu einer 20-jÀhrigen Haftstrafe verurteilt worden.

USA fordern internationale Reaktion auf Taten der Hamas

Angesichts der weltweiten Kritik am Vorgehen der israelischen StreitkrĂ€fte im Gazastreifen forderten die USA von der internationalen Gemeinschaft auch deutlichere Worte zum Vorgehen der islamistischen Hamas. «Was mir auffĂ€llt, ist, dass wir immer wieder hören, wie viele LĂ€nder auf ein Ende dieses Konflikts drĂ€ngen, das wir alle gerne sehen wĂŒrden», sagte US-Außenminister Blinken.

Aber: «Ich höre praktisch niemanden, der von der Hamas verlangt, aufzuhören, sich hinter Zivilisten zu verstecken. Dass sie ihre Waffen niederlegen, dass sie sich ergeben.» Der Gaza-Krieg könne nicht damit enden, dass die Hamas-Terroristen an Ort und Stelle blieben und ihre Absicht erklÀrten, die Angriffe vom 7. Oktober wiederholen zu wollen. «Das ist nicht im Interesse Israels. Es ist nicht im Interesse der Region. Es ist nicht im Interesse der Welt.»

Huthi-AnfĂŒhrer warnt USA

Der AnfĂŒhrer der vom Iran unterstĂŒtzten Huthi-Milizen warnte die USA davor, das Rote Meer in einen neuen Kriegsschauplatz zu verwandeln. Wenn die USA Soldaten in den Jemen schickten, dann seien sie mit etwas schlimmerem als in Afghanistan und Vietnam konfrontiert, sagte Abdel-Malik al-Huthi. Er warnte auch weitere LĂ€nder, sich der von den USA gebildeten MilitĂ€rkoalition anzuschließen. Die Huthi-Milizen kĂŒndigten an, weiter Angriffe auf Schiffe auszufĂŒhren, die entweder Israel gehörten oder Israel unterstĂŒtzten.

Der israelische Verteidigungsminister Joav Gallant warnte seinerseits die Huthi-Rebellen vor weiteren Angriffen. «Wir bereiten uns vor - die Truppen hier sind fĂŒr jede Mission und jeden Befehl bereit», sagte er. US-Außenminister Blinken rief in einem Telefonat mit Außenministerin Annalena Baerbock und seinen Amtskollegen in Frankreich und Großbritannien, Catherine Colonna und David Cameron, zur Zusammenarbeit unter allen Partnern auf, um die Sicherheit fĂŒr die Schifffahrt auf dem Roten Meer zu gewĂ€hrleisten.

Israel greift Ziele im Libanon und in Syrien an

Die israelische Luftwaffe griff nach Angaben der Armee erneut Stellungen der Schiitenmiliz Hisbollah im SĂŒdlibanon an. Es seien «Terror-Infrastruktur» sowie militĂ€rische Einrichtungen der Hisbollah getroffen worden, teilte das MilitĂ€r mit. Nach erneutem Raketenbeschuss seien zudem Ziele in Syrien angegriffen worden. Demnach wurden die Abschussorte der vier Raketen sowie ein syrischer MilitĂ€rposten beschossen.

Was heute wichtig wird

Der Weltsicherheitsrat will ĂŒber eine Resolution zur Linderung der humanitĂ€ren Not im Gazastreifen abstimmen. Der von den Vereinigten Arabischen Emiraten eingebrachte Text fordert unter anderem eine Aussetzung der Gewalt, um mehr humanitĂ€re Hilfslieferungen fĂŒr ĂŒber eine Million notleidende PalĂ€stinenser möglich zu machen. Die Abstimmung war bereits mehrfach verschoben worden: Die Mitglieder des 15-köpfigen Sicherheitsrates versuchen seit Tagen, ein drohendes Veto des Israel-VerbĂŒndeten USA zu verhindern.

@ dpa.de