Netanjahu in USA - neue Verhandlungen ĂŒber Waffenruhe-Deal
03.02.2025 - 05:17:57Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu ist zu GesprĂ€chen mit US-PrĂ€sident Donald Trump und dessen Nahost-Gesandten Steve Witkoff in Washington eingetroffen. «Dies ist ein wichtiges Treffen, das das tiefe BĂŒndnis zwischen Israel und den Vereinigten Staaten stĂ€rkt und unsere Zusammenarbeit verbessern wird», schrieb der israelische UN-Botschafter Danny Danon, der Netanjahu am Flughafen empfing, am Sonntagabend (Ortszeit) auf der Plattform X. Heute sollen laut dem BĂŒro des israelischen MinisterprĂ€sidenten in Washington die Verhandlungen ĂŒber die nĂ€chste Phase des Waffenruhe-Deals zwischen Israel und der palĂ€stinensischen Terrororganisation Hamas beginnen.
Netanjahu wird sich nach Angaben seines BĂŒros zunĂ€chst mit Witkoff treffen und ĂŒber Israels Verhandlungsposition sprechen. «Die wirklich ernsthaften Verhandlungen ĂŒber die zweite Phase» des Abkommens mit der Hamas wĂŒrden aber erst nach der Unterredung mit Trump beginnen, sagte ein hochrangiger israelischer Beamter der US-Nachrichtenseite «Axios». «Davor wird nichts Bedeutendes passieren.»
Das GesprĂ€ch mit Trump soll dem Vernehmen nach am Dienstag stattfinden, offiziell wurden bislang keine Details zum Programm bekanntgegeben. Netanjahu kĂŒndigte an, er werde mit Trump unter anderem Â«ĂŒber einen Sieg ĂŒber die Hamas» sprechen.
Angehörige bangen um Geiseln
In Israel fĂŒrchten vor allem die Angehörigen der im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln, dass die zweite Phase des im Januar vereinbarten Waffenruhe-Abkommens zwischen Israel und der Hamas womöglich erst gar nicht umgesetzt wird - und damit viele der EntfĂŒhrten nicht freikommen. Netanjahus rechtsextreme Koalitionspartner drĂ€ngen auf eine Wiederaufnahme des Kriegs.
Laut Medienberichten streben Trump und Netanjahu auch ein Normalisierungsabkommen mit Saudi-Arabien an, das mit Israel den Erzfeind Iran gemein hat. Trump hatte 2020 wĂ€hrend seiner ersten Amtszeit die sogenannten Abraham-Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten auf den Weg gebracht - damals ein historischer Durchbruch. Im Oktober 2023 wurde die sich anbahnende AnnĂ€herung mit Saudi-Arabien durch das Massaker der Hamas und anderer islamistischer Terroristen im SĂŒden Israels jĂ€h beendet.
Berichte: Hamas-Delegation reist nach Moskau
Laut Berichten der russischen Nachrichtenagenturen Tass und Ria Nowosti wird eine Hamas-Delegation unter der Leitung des stellvertretenden PolitbĂŒro-Chefs Mussa Abu Marsuk heute in Moskau eintreffen. Die Kreml-GĂ€ste wollten die russische Seite ĂŒber Fortschritte bei der Umsetzung des Waffenruhe-Abkommens im Gaza-Krieg informieren, schrieb Tass unter Berufung auf eine Quelle in der Hamas-FĂŒhrung. AuĂerdem ist demnach geplant, Russland um Hilfe bei der Linderung der humanitĂ€ren Krise im Gazastreifen zu bitten.
Israel weitet Einsatz im Westjordanland aus
Die israelische Armee weitet derweil eigenen Angaben zufolge ihren Einsatz im nördlichen Westjordanland aus und ist nun auch in Tamun aktiv. Israelische Bodentruppen und Bulldozer seien zu einer Razzia in FlĂŒchtlingsvierteln in der Gegend vorgedrungen, berichtete die palĂ€stinensische Nachrichtenagentur Wafa. Die israelische Armee teilte mit, sie habe in dem Ort Waffen gefunden. Auch in Dschenin, das rund 25 Kilometer weiter nördlich liegt, gehe das MilitĂ€r weiter gegen militante PalĂ€stinenser vor.
Bei ihrem im Januar begonnenen Einsatz im Norden des Westjordanlands hat Israels MilitĂ€r eigenen Angaben zufolge bislang 50 militante KrĂ€fte getötet, 15 davon mit Luftangriffen. Mehr als 100 gesuchte VerdĂ€chtige seien festgenommen, Dutzende Waffen beschlagnahmt und Hunderte SprengsĂ€tze zerstört worden. Die Angaben lassen sich nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Abbas fordert Sitzung des UN-Sicherheitsrats
PalĂ€stinensische Medien berichten, Israels Armee habe in Dschenin 20 GebĂ€ude in die Luft gesprengt. Das israelische MilitĂ€r bestĂ€tigte, in der Gegend der Stadt 23 GebĂ€ude zerstört zu haben, die unter anderem zur Herstellung von Sprengstoff oder als Waffenlager genutzt worden seien. Aufnahmen zeigten, wie nach Sprengung der GebĂ€ude dunkler Rauch ĂŒber der Stadt lag. PalĂ€stinenserprĂ€sident Mahmud Abbas forderte auch angesichts der «Zerstörung ganzer Wohnblöcke» in Dschenin und im Ort Tulkarem eine auĂerordentliche Sitzung des UN-Sicherheitsrats.
EU besorgt ĂŒber Arbeitsverbot fĂŒr PalĂ€stinenserhilfswerkÂ
Das unter anderem von Deutschland kritisierte BetĂ€tigungsverbot fĂŒr das PalĂ€stinenserhilfswerk UNRWA in Israel bereitet der EuropĂ€ischen Union derweil weiter Sorgen. Das Verbot habe auch weitreichende Folgen fĂŒr die Arbeit der Organisation im Gazastreifen, im Westjordanland und in Ost-Jerusalem, erklĂ€rte die EU-AuĂenbeauftragte Kaja Kallas. Die EU sei entschlossen, das UN-Hilfswerk weiterhin zu unterstĂŒtzen, damit es sein Mandat erfĂŒllen könne.
Trotz des seit Donnerstag geltenden Arbeitsverbots setzt die Organisation ihre TÀtigkeit laut UN-Angaben vorerst fort. UNRWA-Kliniken im gesamten Westjordanland sowie in Ost-Jerusalem sind demnach weiterhin geöffnet.


