Massendemos, Israel

Neue Massendemos in Israel fĂŒr Gaza-Deal

08.09.2024 - 03:54:38

Israels Regierungschef Netanjahu steht im eigenen Land unter Druck. Kritiker fordern endlich ein Abkommen zur Freilassung der Hamas-Geiseln. Die Verhandlungen darĂŒber stocken, sollen aber weitergehen.

  • CIA-Chef Burns hofft weiter auf einen Durchbruch bei den Gaza-Verhandlungen. (Archivbild)  - Foto: Amanda Andrade-Rhoades/AP/dpa

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  • Trotz andauernder Massenproteste hĂ€lt Israels Regierung an ihrem Kurs fest. - Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

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  • Kritiker halten den Druck auf die Regierung aufrecht.  - Foto: Leo Correa/AP/dpa

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CIA-Chef Burns hofft weiter auf einen Durchbruch bei den Gaza-Verhandlungen. (Archivbild)  - Foto: Amanda Andrade-Rhoades/AP/dpaTrotz andauernder Massenproteste hÀlt Israels Regierung an ihrem Kurs fest. - Foto: Ariel Schalit/AP/dpaKritiker halten den Druck auf die Regierung aufrecht.  - Foto: Leo Correa/AP/dpa

WÀhrend Israels Armee im abgeriegelten Gazastreifen weiter gegen die islamistische Hamas vorgeht, kommt es im eigenen Land zu neuen Massendemonstrationen. Bei der Hauptkundgebung in der Hafenmetropole Tel Aviv sowie weiteren Protesten in anderen israelischen StÀdten forderten die Teilnehmer ein Abkommen mit der Hamas zur Freilassung von rund 100 Geiseln. Die Organisatoren sprachen laut örtlichen Medienberichten von 500.000 Demonstranten allein in Tel Aviv.

«Wir dĂŒrfen kein Leben mehr opfern, wir dĂŒrfen sie (die verbleibenden Geiseln) nicht opfern», sagte die Verwandte einer von den islamistischen Extremisten erschossenen Geisel auf der Kundgebung in Tel Aviv. «Ihre Zeit lĂ€uft ab.»

Trauer und Wut 

Terroristen der Hamas hatten Carmel Gat und eine weitere Frau sowie vier MĂ€nner in der vergangenen Woche mit SchĂŒssen aus nĂ€chster NĂ€he getötet. Das israelische MilitĂ€r fand ihre Leichen in einem Tunnel in Gaza, wie es am vergangenen Sonntag bekanntgab. «Die Sechs wĂ€ren heute hier unter uns, wenn (Israels MinisterprĂ€sident Benjamin) Netanjahu Ja zu einem Deal gesagt hĂ€tte», rief Gats Verwandte mit Trauer und Wut in der Stimme in die Menge. 

Die Hamas und andere islamistische Terrorgruppen hatten am 7. Oktober vergangenen Jahres den SĂŒden Israels ĂŒberfallen und dabei mehr als 1.200 Menschen getötet und etwa 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Das beispiellose Massaker war Auslöser des Gaza-Kriegs. Nach israelischer ZĂ€hlung befinden sich noch 101 Menschen in der Gewalt der Hamas, wobei unklar ist, wie viele von ihnen noch leben. 

Die indirekten Verhandlungen zu ihrer Freilassung, bei denen die USA, Ägypten und Katar zwischen den Konfliktparteien vermitteln, drehen sich seit Monaten ergebnislos im Kreis. Das angestrebte mehrstufige Abkommen wĂŒrde auch die Beendigung des Krieges, den RĂŒckzug des israelischen MilitĂ€rs aus dem Gazastreifen und die Entlassung tausender palĂ€stinensischer HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen einschließen. 

Verhandlungen sollen weitergehen

Kritiker werfen Israels Regierungschef Netanjahu vor, den Abschluss einer derartigen Vereinbarung mit ĂŒberzogenen Forderungen - wie etwa der nach einem dauerhaften Verbleib des israelischen MilitĂ€rs an strategischen Stellen des Gazastreifens - zu torpedieren. Netanjahu regiert in einer Koalition mit rechtsextremen Parteien, die jegliche ZugestĂ€ndnisse an die Hamas ablehnen und ihm mit dem Platzen des RegierungsbĂŒndnisses drohen. 

Der Chef des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, William Burns, hat weitere indirekte Verhandlungen angekĂŒndigt. «Wir werden diesen detaillierteren Vorschlag vorlegen, in den nĂ€chsten paar Tagen, wie ich hoffe, und dann werden wir sehen», sagte Burns auf einer Veranstaltung der Zeitung «Financial Times» in London. Er leitet in der Regel die US-Delegation bei den indirekten Verhandlungen, die meist in Kairo oder in Doha stattfinden.

US-Delegationsleiter hofft auf Durchbruch

US-Medien hatten bereits kĂŒrzlich ĂŒber einen geplanten letzten Vorschlag fĂŒr ein Abkommen berichtet. Sollten beide Konfliktparteien auch diesen wieder nicht akzeptieren, könnte es das Ende der Verhandlungen bedeuten, hieß es. Burns' Worten zufolge steht unermesslich viel auf dem Spiel - auch fĂŒr die Zukunft und Sicherheit der gesamten Nahost-Region. 

Die nötigen Fortschritte bei den Verhandlungen seien am Ende «eine Frage des politischen Willens», sagte er. Er hoffe zutiefst, dass die FĂŒhrungen beider Konfliktparteien die nötigen harten Entscheidungen treffen und politische Kompromisse eingehen werden, sagte Burns.

Wieder Tote im Libanon

Unterdessen gehen die militÀrischen Auseinandersetzungen zwischen der israelischen Armee und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon weiter. In der Nacht heulten im Nordens Israels im Grenzort Kirjat Schmona die Sirenen, wie das israelische MilitÀr bekanntgab. Insgesamt seien mehr als 50 Geschosse aus dem Libanon abgefeuert worden. Die Luftabwehr habe die meisten abgefangen. Mindestens zwei Geschosse seien in dem evakuierten Ort Kirjat Schmona eingeschlagen und hÀtten SchÀden verursacht, berichtete die «Times of Israel» unter Berufung auf die Behörden. Es habe keine Verletzten gegeben.  

Zuvor waren bei einem israelischen Angriff im SĂŒdlibanon nach örtlichen Behördenangaben am frĂŒhen Abend mindestens drei Menschen getötet worden. Bei den Opfern handele es sich um Mitarbeiter des Zivilschutzes, wie das Gesundheitsministerium in der libanesischen Hauptstadt Beirut mitteilte. Das israelische MilitĂ€r Ă€ußerte sich zunĂ€chst nicht dazu. Die Hisbollah reklamierte ĂŒber den Tag verteilt mehrere Angriffe auf Israel fĂŒr sich.

Seit Beginn des Krieges im Gazastreifen zwischen Israel und der mit der Hisbollah verbĂŒndeten Hamas vor elf Monaten kommt es im Grenzgebiet der beiden LĂ€nder nahezu tĂ€glich zu militĂ€rischen Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Schiiten-Miliz. Auf beiden Seiten gab es dabei Tote - die meisten von ihnen waren Mitglieder der Hisbollah. Die Miliz handelt nach eigenen Angaben aus SolidaritĂ€t mit der Hamas.

@ dpa.de