Gaza, Waffen

In Gaza sollen die Waffen ruhen - HĂ€lt der Deal?

16.01.2025 - 05:41:03 | dpa.de

Israels Sicherheitskabinett und Regierung mĂŒssen eine Einigung mit der Hamas noch billigen. Der Weg bis zum dauerhaften Ende des Gaza-Kriegs ist noch weit. Kommen die ersten Geiseln am Sonntag frei?

  • Israels Regierungschef will zunĂ€chst noch Detailfragen zum Abkommen geklĂ€rt wissen. (Archivbild) - Foto: Abir Sultan/Pool European Pressphoto Agency/AP/dpa
  • Die humanitĂ€re Lage im Gazastreifen hat sich durch die monatelangen Bombardierungen nochmals dramatisch verschĂ€rft. (Archivbild) - Foto: Hadi Daoud Apaimages/APA Images via ZUMA Press Wire/dpa
  • Angesichts des tiefen Misstrauens ist offen, ob sich Israel und die Hamas an die vereinbarten Schritte halten werden. (Archivbild) - Foto: Rizek Abdeljawad/XinHua/dpa
  • Im abgeriegelten Gazastreifen brachen die Menschen in Jubel aus. - Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpa
  • Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron fordert eine politische Lösung des Nahost-Konflikts. - Foto: Sarah Meyssonnier/Reuters Pool/AP/dpa
  • Der israelische StaatsprĂ€sident Herzog rief das Sicherheitskabinett und die Regierung seines Landes auf, die Vereinbarung mit der Hamas zu billigen. - Foto: Peter Klaunzer/Keystone/dpa
  • Angehörige der israelischen Geiseln nahmen die VerkĂŒndung einer Einigung mit gemischten GefĂŒhlen auf. - Foto: Mahmoud Illean/AP/dpa
Israels Regierungschef will zunĂ€chst noch Detailfragen zum Abkommen geklĂ€rt wissen. (Archivbild) - Foto: Abir Sultan/Pool European Pressphoto Agency/AP/dpa Die humanitĂ€re Lage im Gazastreifen hat sich durch die monatelangen Bombardierungen nochmals dramatisch verschĂ€rft. (Archivbild) - Foto: Hadi Daoud  Apaimages/APA Images via ZUMA Press Wire/dpa Angesichts des tiefen Misstrauens ist offen, ob sich Israel und die Hamas an die vereinbarten Schritte halten werden. (Archivbild) - Foto: Rizek Abdeljawad/XinHua/dpa Im abgeriegelten Gazastreifen brachen die Menschen in Jubel aus. - Foto: Jehad Alshrafi/AP/dpa Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron fordert eine politische Lösung des Nahost-Konflikts.  - Foto: Sarah Meyssonnier/Reuters Pool/AP/dpa Der israelische StaatsprĂ€sident Herzog rief das Sicherheitskabinett und die Regierung seines Landes auf, die Vereinbarung mit der Hamas zu billigen.  - Foto: Peter Klaunzer/Keystone/dpa Angehörige der israelischen Geiseln nahmen die VerkĂŒndung einer Einigung mit gemischten GefĂŒhlen auf.  - Foto: Mahmoud Illean/AP/dpa

Die von den Vermittlerstaaten verkĂŒndete Einigung zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas auf eine Waffenruhe im Gazastreifen weckt Hoffnung auf ein Ende des seit 15 Monaten andauernden Krieges. Israels StaatsprĂ€sident Izchak Herzog rief das Sicherheitskabinett und die Regierung seines Landes auf, die Vereinbarung mit der Hamas zu billigen. Das BĂŒro des Regierungschefs teilte am Abend mit, MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu werde erst nach Abschluss letzter Detailfragen eine ErklĂ€rung abgeben. Es wird erwartet, dass das Kabinett heute ĂŒber das Abkommen abstimmt. 

«Wir befinden uns in einem Ă€ußerst entscheidenden Moment», sagte Herzog nach Angaben seines BĂŒros. Der israelischen Nachrichtenseite «Ynet» zufolge handelt es sich bei den laut Netanjahus BĂŒro noch zu klĂ€renden Einzelheiten um «technische Details» wie die Zusammensetzung der Liste palĂ€stinensischer HĂ€ftlinge, die Israel im Austausch fĂŒr die Hamas-Geiseln im Gazastreifen freilassen soll. Mit der Billigung durch das Sicherheitskabinett und die Regierung ist israelischen Medien zufolge aber zu rechnen. Demnach soll das Kabinett heute um 10.00 Uhr MEZ zusammentreten, unmittelbar danach dann auch die Regierung.

Feuerpause soll am Sonntag in Kraft treten

Katars MinisterprĂ€sident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani hatte gestern verkĂŒndet, die Waffenruhe solle am Sonntag um 11.15 Uhr MEZ in Kraft treten und zunĂ€chst fĂŒr 42 Tage gelten. Laut israelischen Medien sollen noch am selben Tag die ersten Geiseln nach Israel zurĂŒckkehren. WĂ€hrend der Waffenruhe sollen 33 der insgesamt 98 EntfĂŒhrten im Austausch gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge freikommen - wobei ungewiss ist, wie viele Geiseln ĂŒberhaupt noch am Leben sind. KrankenhĂ€user in Israel haben sich auf die Aufnahme zutiefst traumatisierter und teilweise auch kranker und verletzter Menschen vorbereitet. 

WĂ€hrend im abgeriegelten Gazastreifen die Menschen in Jubel ausbrachen, nahmen Angehörige der israelischen Geiseln die VerkĂŒndung einer Einigung mit gemischten GefĂŒhlen auf. «FĂŒr mich ist es erst vorbei, wenn es vorbei ist», sagte Jimmy Miller, Cousin der deutsch-israelischen Geisel Schiri Bibas, im Zentrum von Tel Aviv. Der Platz war am Abend ungewöhnlich leer, niemand schien in Feierstimmung. 

Netanjahu dankt Biden und Trump

Der scheidende US-PrĂ€sident Joe Biden gratulierte Netanjahu nach Angaben des Weißen Hauses derweil zum Waffenruhe-Deal, der in drei Phasen unterteilt ist. Beide Politiker hĂ€tten ĂŒber die unvorstellbaren Bedingungen gesprochen, die die Geiseln - darunter auch Amerikaner - in Gefangenschaft ertragen mussten und ĂŒber das schreckliche Leid ihrer Familien. Biden hielt stets zu Israel, ĂŒbte aber auch zunehmend Kritik an der KriegsfĂŒhrung. Sein designierter Nachfolger Donald Trump hingegen ist als enger VerbĂŒndeter Netanjahus bekannt. 

Er habe Trump fĂŒr seine UnterstĂŒtzung beim Voranbringen des Abkommens gedankt, teilte Netanjahus BĂŒro mit. Der Republikaner habe Israel geholfen, «das Leiden Dutzender Geiseln und ihrer Familien zu beenden». Netanjahu lobte demnach auch Trumps Äußerungen, dass die USA gemeinsam mit Israel sicherstellen wollten, dass der Gazastreifen niemals Zufluchtsort fĂŒr Terroristen werde. Beide wollten sich «demnĂ€chst» in Washington treffen und diese wie auch weitere Fragen erörtern.

UN-Nothelfer sehen Hoffnung fĂŒr Millionen in Gaza

Die vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas biete «dringend benötigte Hoffnung fĂŒr Millionen Menschen, deren Leben durch diesen Konflikt zerstört wurden», sagte UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher. Der wichtige GrenzĂŒbergang Rafah zwischen Ägypten und Gaza soll bereits heute Morgen wieder eröffnet werden. Entsprechende Anweisungen seien eingegangen, bestĂ€tigte ein Sicherheitsbeamter der Deutschen Presse-Agentur. Rund 600 Lastwagen mit Hilfslieferungen wurden demnach fĂŒr die Einfuhr vorbereitet.

Die ohnehin schon miserable humanitĂ€re Lage in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen am Mittelmeer hat sich durch die monatelangen Bombardierungen nochmals dramatisch verschĂ€rft. Mittlerweile leiden mehr als 90 Prozent der palĂ€stinensischen Bevölkerung nach UN-Angaben starken Hunger. Es fehle an Wasser, NotunterkĂŒnften und Arzneimitteln.

Auch mehrere arabische Staaten begrĂŒĂŸten die Einigung auf eine Waffenruhe. «Mit dieser AnkĂŒndigung endet eine blutige Seite in der Geschichte des palĂ€stinensischen Volkes, das unter der israelischen Aggression schwer gelitten hat», erklĂ€rte Libanons geschĂ€ftsfĂŒhrender MinisterprĂ€sident Nadschib Mikati. Beide Seiten mĂŒssten sich nun an die getroffenen Vereinbarungen halten, um dem Leiden der Geiseln und der palĂ€stinensischen HĂ€ftlinge ein Ende zu setzen, hieß aus dem Außenministerium der Vereinigten Arabischen Staaten. 

Macron: Abkommen muss eingehalten werden 

Das Abkommen mĂŒsse eingehalten werden, forderte auch Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron. Er pocht auf eine politische Lösung des Nahost-Konflikts. Nach 15 Monaten «eines nicht zu rechtfertigenden Martyriums» gebe es Erleichterung fĂŒr die Menschen in Gaza und Hoffnung fĂŒr die Geiseln und ihre Familien. Der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan teilte mit, er hoffe auf dauerhaften Frieden und StabilitĂ€t. Seine Regierung pflegt enge Beziehungen zur Hamas.

Das Abkommen mĂŒsse «rigoros umgesetzt werden», verlangte auch US-Verteidigungsminister Lloyd Austin. Mit «FĂŒhrung und Weisheit können wir Fortschritte auf dem Weg zu dem Tag machen, an dem Israelis und PalĂ€stinenser Seite an Seite in Frieden und Sicherheit in zwei souverĂ€nen Staaten leben, in gegenseitiger Sicherheit und WĂŒrde».

Tiefes Misstrauen nÀhrt Skepsis

Angesichts des tiefen Misstrauens zwischen beiden Seiten ist jedoch offen, ob sich Israel und die Hamas ĂŒber Wochen an die vereinbarten Schritte halten werden. So ist fraglich, ob man sich in der zweiten Phase der Abmachung auf die Freilassung der restlichen Geiseln wird einigen können. Netanjahu sieht sich bereits mit VorwĂŒrfen konfrontiert, er habe mit dem jetzigen Deal die vorerst weiter im Gazastreifen verbleibenden Geiseln im Stich gelassen. Beobachter warnen, dass die KĂ€mpfe nach Ablauf der Waffenruhe wieder beginnen könnten - zumal es auf beiden Seiten BefĂŒrworter einer Fortsetzung des Krieges gibt.

Auslöser des Krieges war das beispiellose Massaker der Hamas und anderer extremistischer Gruppen, bei dem am 7. Oktober 2023 rund 1.200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 in den Gazastreifen verschleppt wurden. Israel reagierte mit Angriffen gegen die Hamas in Gaza, bei denen nach palĂ€stinensischen Angaben mehr als 46.700 Menschen getötet und mehr als 110.200 weitere verletzt wurden. Die unabhĂ€ngig nicht ĂŒberprĂŒfbaren, von den Vereinten Nationen aber als glaubhaft eingestuften Zahlen unterscheiden nicht zwischen Zivilisten und KĂ€mpfern.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
ausland | 66480215 |