Israels, Armee

Israels Armee: Waffen im Schifa-Krankenhaus gefunden

15.11.2023 - 20:35:40 | dpa.de

Israels StreitkrĂ€fte finden in der Schifa-Klinik in Gaza Waffen der Hamas. Unterdessen wĂ€chst die Kritik an dem militĂ€rischen Einsatz am grĂ¶ĂŸten Krankenhaus im Gazastreifen. Der Überblick.

  • Seit Tagen kommt es in der NĂ€he von KrankenhĂ€usern im nördlichen Gazastreifen zu Gefechten. - Foto: Mohammed Talatene/dpa
    Seit Tagen kommt es in der NÀhe von KrankenhÀusern im nördlichen Gazastreifen zu Gefechten. - Foto: Mohammed Talatene/dpa
  • Bild aus einem von den israelischen VerteidigungskrĂ€ften veröffentlichten Video gehen israelische Soldaten in der NĂ€he des Schifa-Krankenhauses in Gaza-Stadt. - Foto: Israel Defense Forces/IDF/AP/dpa
    Bild aus einem von den israelischen VerteidigungskrÀften veröffentlichten Video gehen israelische Soldaten in der NÀhe des Schifa-Krankenhauses in Gaza-Stadt. - Foto: Israel Defense Forces/IDF/AP/dpa
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Die israelische Armee hat nach Darstellung eines MilitĂ€rsprechers im Schifa-Krankenhaus im Gazastreifen Waffen gefunden. Der Einsatz in der Klinik dauere noch an, sagte Hagari am Mittwochabend. In einer Abteilung der Klinik sei ein Zimmer mit spezieller Technologie und KampfausrĂŒstung der islamistischen Hams gefunden worden, sagte er. In einer anderen Abteilung sei ein Einsatzzentrum der Hamas entdeckt worden. Die Funde bewiesen «eindeutig, dass Schifa fĂŒr militĂ€rische Zwecke missbraucht wurde, im absoluten Gegensatz zu internationalem Recht», sagte Hagari. Der Einsatz werde so lange weitergehen, wie nötig.

«Schifa ist ein Symbol»

«Schifa ist ein Symbol, keiner von der Hamas-FĂŒhrung hĂ€tte sich vorstellen können, dass wir dort hingelangen», sagte Hagari. Nach dem Massaker am 7. Oktober seien dort 200 Hamas-Terroristen untergekommen, die an den GrĂ€ueltaten beteiligt gewesen seien.

Der Armeesprecher Jonathan Conricus zeigte in einem Video hinter einem MRT-GerĂ€t versteckt eine Tasche mit einem Sturmgewehr, Munition, Handgranaten und einer Uniform. In einem anderen Schrank seien andere Waffen gefunden worden, erklĂ€rte er. Eine AusrĂŒstung sei mit dem Namen des bewaffneten Hamas-Arms, den Kassam-Brigaden, beschriftet gewesen. Es seien auch zahlreiche nachrichtendienstlich relevante Informationen gefunden worden. Alle Funde wĂŒrden gegenwĂ€rtig grĂŒndlich untersucht.

Die Angaben der Armee ließen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Die Hamas dementierte die Berichte als «offensichtliche LĂŒge und Farce».

Teils heftige KĂ€mpfe

Israelische Bodentruppen waren in der Nacht zum Mittwoch in das grĂ¶ĂŸte Krankenhaus im Gazastreifen eingedrungen. Es gab Berichte von stundenlangen KĂ€mpfen in der Klinik. So sagte ein Arzt es wurde teils heftig gekĂ€mpft. Es habe stundenlange Schusswechsel und Bombardements gegeben, berichtete ein Mediziner der Klinik laut «Washington Post». Der Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete von «Dutzenden Soldaten», die sich in der Notaufnahme des Krankenhauses aufgehalten haben. Zudem seien Panzer in einem Hof des GebĂ€udekomplexes stationiert worden. UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths zeigte sich ĂŒber den Einsatz des israelischen MilitĂ€rs am Schifa-Krankenhaus entsetzt.

Laut humanitĂ€rem Völkerrecht sind Angriffe auf zivile Ziele wie KrankenhĂ€user verboten. Wenn zivile Objekte allerdings missbraucht wĂŒrden, gelte dies nicht mehr, erlĂ€uterte der Völkerrechtler Daniel-Erasmus Khan von der UniversitĂ€t der Bundeswehr. Das humanitĂ€re Völkerrecht akzeptiere in dem Fall sogar unbeabsichtigte zivile Opfer bei einem Angriff. Israel mĂŒsse allerdings alles dafĂŒr tun, Zivilisten aus der Klinik zu evakuieren.

Wohl mehr als 2000 Menschen in der Schifa-Klinik

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO befanden sich mit Stand Montag mehr als 2000 Menschen in der Schifa-Klinik im Norden des abgeriegelten KĂŒstenstreifens, darunter vermutlich mehr als 600 Patienten und rund 1500 Vertriebene. Die Angaben beruhen auf SchĂ€tzungen des dortigen Gesundheitsministeriums, das von der Hamas kontrolliert wird. Augenzeugen bestĂ€tigten jedoch die Zahlen.

FĂŒnf Bewaffnete bei Gefecht vor Klinik getötet

Israels Armeesprecher Daniel Hagari versicherte, dass Zivilisten, die von der Hamas als menschliche Schutzschilde benutzt wĂŒrden, kein Schaden zugefĂŒgt werde. Bei einem Gefecht vor der Klinik töteten Soldaten den Medienberichten zufolge mindestens fĂŒnf bewaffnete Hamas-Mitglieder. Israelische Soldaten seien nicht verletzt worden.

UN-Nothilfekoordinator: Schutz von Zivilisten vor allem anderen

UN-Nothilfekoordinator Griffiths schrieb am Mittwoch auf X (vormals Twitter): «Der Schutz von Neugeborenen, Patienten, medizinischem Personal und allen Zivilisten muss vor allen anderen Anliegen stehen. KrankenhÀuser sind keine Schlachtfelder»

Er legte einen Zehn-Punkte-Plan fĂŒr Gaza vor, dessen Kernpunkt eine humanitĂ€re Feuerpause ist. Es seien kontinuierliche Hilfslieferungen nötig. Er appellierte an Israel, weitere GrenzĂŒbergĂ€nge dafĂŒr zu öffnen.

UN: Nur noch ein Krankenhaus im nördlichen Gaza nimmt Patienten auf

Im nördlichen Gazastreifen nimmt nach UN-Angaben angesichts von Gefechten und wegen Treibstoffmangels nur noch ein Krankenhaus Patienten auf. Das Al-Ahli-Krankenhaus in der Stadt Gaza sei als einziges noch im Minimal-Betrieb, teilte das UN-NothilfebĂŒro OCHA in der Nacht zum Mittwoch mit. «Alle anderen haben den Betrieb wegen eines Mangels an Strom, medizinischem Material, Sauerstoff, Essen und Wasser eingestellt.» Im Al-Ahli-Krankenhaus seien derzeit etwa 500 Patienten untergebracht.

Tankwagen liefert Treibstoff in Gazastreifen

Erstmals seit Beginn des Gaza-Kriegs kam ein Tankwagen mit Treibstoff aus Ägypten im Gazastreifen an. Der Leiter des UNRWA im Gazastreifen, Thomas White, Ă€ußerte sich jedoch kritisch zu der Lieferung. «Das ist nur neun Prozent dessen, was wir tĂ€glich brauchen, um lebensrettende AktivitĂ€ten fortzusetzen», schrieb er auf X.

UN: HumanitĂ€re UnterstĂŒtzung im Gazastreifen vor Zusammenbruch

Das UN-PalĂ€stinenserhilfswerk UNRWA warnte, dass die humanitĂ€re UnterstĂŒtzung fĂŒr die Menschen im Gazastreifen wegen des Mangels an Treibstoff bald zusammenbrechen werde. Es stehe auch kaum mehr Treibstoff fĂŒr die Trinkwasseraufbereitung zur VerfĂŒgung. Wegen fehlenden Treibstoffs fĂŒr die Stromerzeugung droht nach palĂ€stinensischen Angaben auch der Totalausfall der Kommunikationsnetze.

Armee fordert Einwohner im SĂŒden des Gazastreifens zur Flucht auf

Die israelische Armee hat nach Medienberichten erstmals seit Beginn des Gaza-Kriegs auch Einwohner des sĂŒdlichen Gazastreifens dazu aufgerufen, aus ihren Wohnorten zu fliehen. Der Armeesender und die Nachrichtenseite ynet berichteten, im östlichen Teil der Stadt Chan Junis seien FlugblĂ€tter in arabischer Sprache abgeworfen worden. Die Einwohner sollten sich in Sicherheit bringen, die Armee wolle nicht, dass Zivilisten zu Schaden kommen, heiße es darin. Es wurde auch dort mit einem Einsatz gegen die islamistische Hamas gerechnet. Ein MilitĂ€rsprecher sagte auf Anfrage, man könne sich nicht zu operativen AktivitĂ€ten Ă€ußern.

Erdogan wirft Israel Vernichtungsstrategie in Gaza vor

Der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan griff Israel kurz vor seiner Deutschlandreise erneut scharf an. «Israel verfolgt eine Strategie zur gesamten Vernichtung von einer Stadt und ihren Menschen, indem es absichtlich auf Schulen, Moscheen, Kirchen, KrankenhĂ€user, MĂ€rkte, GebĂ€ude und Straßen zielt», sagte Erdogan am Mittwoch. Er wird am Freitag zu einem Besuch in Berlin erwartet. Erdogan hatte zuletzt die LegitimitĂ€t Israels infrage gestellt. Die islamistische Hamas, die in Israel, den USA und der EU als Terrororganisation gelistet ist, bezeichnet er zudem als «Befreiungsorganisation».

Scholz will mit Erdogan Klartext ĂŒber Gaza-Krieg sprechen

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kĂŒndigte an, er wolle in seinem bevorstehenden GesprĂ€ch mit Erdogan Differenzen im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg deutlich ansprechen. «Das ist in dieser Frage ganz wichtig, dass da Klarheit herrscht und man sehr deutlich seine eigene Position auch vorbringt», sagte Scholz am Mittwoch im Bundestag.

«Schwere Kinderrechtsverletzungen» - Unicef-Direktorin in Gaza

Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell rief die Kriegsparteien nach einem Besuch im Gazastreifen zu einem sofortigen humanitĂ€ren Waffenstillstand auf. Sie forderte am Mittwoch zudem die Freilassung aller von der islamistischen Hamas entfĂŒhrten Kinder sowie sicheren Zugang fĂŒr humanitĂ€re Akteure, um die notleidende Bevölkerung mit lebensrettenden Diensten und HilfsgĂŒtern zu versorgen. Russel verwies auf Berichte, wonach mehr als 4600 Kinder getötet worden sein sollen und fast 9000 verletzt wurden.

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