Israel hÀlt nach Rafah-Angriff an Kriegsziel fest
28.05.2024 - 04:45:57 | dpa.deWĂ€hrend Israels FĂŒhrung ungeachtet des weltweiten Entsetzens ĂŒber den verheerenden Luftangriff mit etlichen Todesopfern in einem FlĂŒchtlingslager in Rafah an ihren Kriegszielen festhĂ€lt, soll der Weltsicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Diplomaten aus dem mĂ€chtigsten Gremium der Vereinten Nationen berichteten, das Treffen sei fĂŒr heute 21.30 Uhr MESZ angesetzt.
Ein Sprecher des US-AuĂenministeriums bezeichnete die Bilder aus dem Zeltlager fĂŒr Vertriebene im sĂŒdlichen Gazastreifen als «herzzerreiĂend». Man arbeite mit der israelischen Armee und Partnern vor Ort zusammen, um die UmstĂ€nde des Luftangriffs zu klĂ€ren. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach im Parlament von einem «tragischen» Vorfall, aus dem man lernen werde. Zugleich betonte er nach Angaben seines BĂŒros jedoch: «Ich werde nicht nachgeben oder kapitulieren. Ich werde den Krieg nicht beenden, bevor wir alle unsere Ziele erreicht haben.»
USA betonen Israels Recht, gegen die Hamas vorzugehen
Das israelische MilitĂ€r hatte bei der Attacke auf ein Lager fĂŒr Vertriebene nach Angaben der palĂ€stinensischen Gesundheitsbehörde mindestens 45 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Bei den meisten Toten handelt es sich demnach um Frauen und MinderjĂ€hrige. UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres verurteilte Israels Vorgehen und forderte: «Dieser Horror muss aufhören.»
Ein Sprecher des US-AuĂenministeriums betonte auf Nachfrage der dpa, Israel habe das Recht, gegen die Islamisten der Hamas vorzugehen. Den vorliegenden Informationen zufolge seien bei dem Angriff zwei ranghohe Terroristen getötet worden. «Aber wie wir bereits deutlich gemacht haben, muss Israel alle möglichen Vorkehrungen treffen, um die Zivilbevölkerung zu schĂŒtzen», sagte er. Und in diesem Fall seien Dutzende unschuldige PalĂ€stinenser getötet worden.
Bericht: Feuer wohl durch Granatsplitter entstanden
Israelische Beamte hĂ€tten der verbĂŒndeten US-Regierung erklĂ€rt, sie glaubten, dass nach dem Luftangriff ein 100 Meter entfernter Treibstofftank möglicherweise durch Granatsplitter Feuer gefangen habe, zitierte der Sender «ABC News» einen US-Beamten. Dadurch habe ein Zelt Feuer gefangen, was wiederum zu dem verheerenden Brand in dem Lager gefĂŒhrt habe. Den USA lĂ€gen jedoch keine eindeutigen Informationen hierzu vor.
In sozialen Medien kursierten nach dem Luftangriff verstörende Videos, die zeigen, wie verkohlte Leichen aus brennenden Zelten geborgen werden. Israels Armee hatte mitgeteilt, Vorkehrungen getroffen zu haben, um das Risiko fĂŒr Zivilisten zu verringern. So sei bei dem Angriff prĂ€zise Munition eingesetzt und das Gebiet aus der Luft ĂŒberwacht worden.
US-Regierung will Angriff noch nicht bewerten
Unterdessen sagten zwei US-Beamte dem Nachrichtenportal «Axios», die Regierung von US-PrĂ€sident Joe Biden prĂŒfe noch, ob der tödliche Luftangriff eine Verletzung der von Biden proklamierten «roten Linie» darstelle. Biden hatte Israel unlĂ€ngst gedroht, die Lieferung einiger US-Waffen auszusetzen, sollte Israels Armee in dicht besiedelte Stadtzentren in Rafah eindringen.
Die US-Regierung lehnt eine groĂe israelische Bodenoffensive in der an Ăgypten grenzenden Stadt ab, hatte zuletzt jedoch erklĂ€rt, die EinsĂ€tze dort hĂ€tten bislang nicht das AusmaĂ erreicht, vor dem sie gewarnt habe. Die Frage, ob das AuĂenministerium die Situation nach dem jĂŒngsten Luftangriff weiterhin so bewerte, beantwortete der Sprecher nicht.
Die Bundesregierung geht davon aus, dass es im Zusammenhang mit dem Angriff einen Fehler der israelischen Seite gegeben habe. Derzeit liefen in Israel Untersuchungen, ob es sich um einen gezielten Angriff gehandelt habe, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit in Berlin. «Auf alle FĂ€lle ist ein Fehler passiert, das kann man jetzt schon sagen», fĂŒgte er hinzu.
«Der Schluss, ob das ein Kriegsverbrechen ist im Sinne des Völkerrechtes, das ist etwas, was man Juristen ĂŒberlassen muss, die die genauen Sachverhalte kennen.» Die Maxime laute: «Erst mal untersuchen, was genau passiert ist und dann urteilen. Und nicht anhand von Bildern sofort ein Urteil fĂ€llen.»
Berichte: Israels Bodentruppen dringen weiter nach Rafah vor
Israelische Bodentruppen sind nach Augenzeugenberichten aus Rafah tiefer in die Stadt im SĂŒden des Gazastreifens vorgedrungen. Demnach wurden am Dienstag Truppen auch im Stadtzentrum gesichtet. Die israelische Nachrichtenseite ynet berichtete unter Berufung auf Quellen in Rafah, es seien in dem Stadtviertel Tal al-Sultan israelische Panzer im Einsatz. Dort seien Bodentruppen bisher nicht gewesen. Vonseiten der israelischen Armee gab es zunĂ€chst keine BestĂ€tigung dieser Berichte.Â
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