Zivilisten zwischen den Fronten - wieder Angriffe in Gaza
12.08.2024 - 04:36:04Israel bereitet sich nach der Tötung eines Hamas-FĂŒhrers weiterhin auf einen Vergeltungsschlag des Irans und seiner VerbĂŒndeten vor. Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant warnte Teheran sowie die libanesische Hisbollah-Miliz vor einem heftigen Gegenschlag. «Wer uns auf eine Weise schadet, die es in der Vergangenheit nicht gegeben hat, wird wahrscheinlich auf eine Weise getroffen werden, die es in der Vergangenheit nicht gegeben hat», sagte Galant.Â
«Ich hoffe, dass sie dies durchdenken und nicht an einen Punkt gelangen, an dem sie uns dazu zwingen, erheblichen Schaden anzurichten und die Wahrscheinlichkeit eines Kriegsausbruchs an weiteren Fronten zu erhöhen», sagte der israelische Verteidigungsminister weiter. «Wir wollen das nicht, aber wir mĂŒssen vorbereitet sein.»Â
Nach der Tötung eines MilitĂ€rkommandeurs der Hisbollah im Libanon sowie eines AnfĂŒhrers der mit der Organisation verbĂŒndeten islamistischen Hamas in Teheran kĂŒndigten der Iran und die Hisbollah massive Vergeltung an. Der Auslandschef der Hamas, Ismail Hanija, kam Ende Juli bei einer Explosion in einem GĂ€stehaus der iranischen Regierung ums Leben. Der Iran beschuldigt Israel. Das Land Ă€uĂerte sich bislang nicht dazu. Die gezielte Tötung des MilitĂ€rkommandeurs der Hisbollah reklamierte Israel wiederum fĂŒr sich.Â
Atom-U-Boot: USA verstÀrken MilitÀrprÀsenz in Nahost weiter
Das US-MilitÀr verstÀrkt seine PrÀsenz im Nahen Osten indes weiter. Verteidigungsminister Lloyd Austin habe die Verlegung des mit einem Atomantrieb ausgestatteten U-Boots «USS Georgia» befohlen, zudem sollen der FlugzeugtrÀger «USS Abraham Lincoln» und seine Begleitschiffe ihren Transit in die Region beschleunigen, erklÀrte das Pentagon. Der FlugzeugtrÀger mit seinen Kampfjets vom Typ F-35 komme zusÀtzlich zur bereits in der Region befindlichen FlugzeugtrÀgergruppe «USS Theodore Roosevelt».
In einem GesprĂ€ch mit seinem israelischen Amtskollegen Galant habe Minister Austin angesichts der «eskalierenden regionalen Spannungen» nochmals die Verpflichtung der Vereinigten Staaten betont, «jeden möglichen Schritt zu unternehmen, um Israel zu verteidigen», erklĂ€rte das Pentagon weiter.Â
Die ebenfalls mit Atomreaktoren betriebenen gut 300 Meter langen FlugzeugtrĂ€ger des US-MilitĂ€rs sind jeweils mit Dutzenden Kampfflugzeugen bestĂŒckt, in ihren VerbĂ€nden befinden sich zudem Zerstörer und andere Kriegsschiffe. Das rund 110 Meter lange U-Boot «USS Georgia» kann einer Webseite des US-MilitĂ€rs zufolge mit bis zu 154 Marschflugkörpern vom Typ Tomahawk bestĂŒckt sein.Â
Erneut Raketenangriffe aus dem Libanon
WĂ€hrend der Iran und seine VerbĂŒndeten ihren groĂen Gegenschlag gegen Israel bislang nicht ausgefĂŒhrt haben, gehen die Angriffe zwischen Israels Armee und der Hisbollah-Miliz weiter. Das israelische MilitĂ€r erklĂ€rte, rund 30 Projektile seien in der Nacht zum Montag aus dem Libanon in Richtung des Ortes Kabri in der NĂ€he der KĂŒstenstadt Naharija gefeuert worden. Es habe keine Verletzten gegeben. Einige der Projektile schlugen demnach auf offenem GelĂ€nde ein. Die Hisbollah erklĂ€rte örtlichen Medien zufolge, der Angriff mit Katjuscha-Raketen habe einem MilitĂ€rstĂŒtzpunkt gegolten.Â
Neue Verhandlungen ĂŒber Waffenruhe
Am Donnerstag soll es erstmals seit langer Zeit wieder eine Verhandlungsrunde geben, um eine Feuerpause in dem seit zehn Monaten dauernden Gaza-Krieg sowie die Freilassung der in der Gewalt der Hamas verbliebenen Geiseln zu erreichen.Â
Zu den indirekten GesprĂ€chen sind sowohl israelische Delegierte als auch Vertreter der Hamas geladen. Die kommende Runde soll in Kairo oder Doha stattfinden. Ob ein Team der Islamistenorganisation daran teilnehmen wird, ist noch unklar. In einer ErklĂ€rung hatte die Gruppe zuvor die Vermittler aufgefordert, einen Plan zur Umsetzung des bereits existierenden Vorschlags fĂŒr ein Abkommen ĂŒber eine Waffenruhe auszuarbeiten, «anstatt zu weiteren Verhandlungsrunden zu gehen» oder weitere EntwĂŒrfe zu unterbreiten.
Die USA, Ăgypten und Katar vermitteln bei den indirekten GesprĂ€chen, die seit Monaten schleppend verlaufen. Seit Mai kreisen sie um einen mehrstufigen Plan von US-PrĂ€sident Joe Biden, der am Ende eine dauerhafte Waffenruhe vorsieht. AuĂerdem sollen die Geiseln in der Gewalt der Hamas gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge in israelischen GefĂ€ngnissen ausgetauscht werden.Â
Mit dem Ziel einer regionalen Deeskalation sei nun der Zeitpunkt gekommen, das Abkommen zur Freilassung der Geiseln und eines Waffenstillstands zu finalisieren, sagte Kanzler Olaf Scholz (SPD) in einem Telefonat mit dem israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu nach Angaben eines Regierungssprechers in Berlin.Â
Geisel-Mutter erhÀlt Bericht zufolge Lebenszeichen ihrer Tochter
Die Hamas hĂ€lt nach israelischer SchĂ€tzung noch 115 Geiseln im Gazastreifen, von denen viele bereits tot sein sollen. Die Familie einer jungen Soldatin habe ein Lebenszeichen der Frau bekommen, meldete die israelische Zeitung «Haaretz» unterdessen. «Sie und ihre Freunde, alle vier, leben», wurde die Mutter der EntfĂŒhrten zitiert. Die Familie wisse aber nicht, in welchem ??Zustand die Soldatin sei und wo genau sie festgehalten werde.Â
Von der EntfĂŒhrung der Frau und weiterer Soldatinnen existieren Aufnahmen der Hamas, auf denen sie verĂ€ngstigt, verletzt und teilweise blutĂŒberströmt zu sehen sind.Â
Wieder Tote bei Angriffen im Gazastreifen
Nach dem verheerenden Luftschlag auf ein SchulgebĂ€ude, der international Entsetzen und Kritik ausgelöst hat, setzt Israels Armee eigenen Angaben zufolge ihre Angriffe auf Ziele im Gazastreifen fort. FĂŒnf Menschen wurden dabei im gesamten KĂŒstenstreifen getötet, meldete die palĂ€stinensische Nachrichtenagentur Wafa. Israels MilitĂ€r teilte mit, in der Stadt Rafah im SĂŒden des Gebiets Terroristen getötet zu haben. Allein am Samstag seien 30 Ziele der Hamas angegriffen worden. Die Angaben lieĂen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.
Israels Armee rief vor einem neuen MilitĂ€reinsatz in Chan Junis die Einwohner eines im Norden der Stadt gelegenen Viertels dazu auf, das Gebiet zu verlassen. Israel wirft der islamistischen Terrororganisation vor, die humanitĂ€re Zone in dem Gebiet fĂŒr Raketenangriffe auf israelische Orte missbraucht zu haben. Chan Junis liegt im SĂŒden des Gazastreifens.Â
Bei einem israelischen Luftangriff auf ein SchulgebĂ€ude in der Stadt Gaza, das als FlĂŒchtlingsunterkunft genutzt wurde, waren am Samstag nach palĂ€stinensischen Angaben Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Israels MilitĂ€r Ă€uĂerte Zweifel an diesen Zahlen und sprach von einer Kommandozentrale der Hamas.Â
«Die Berichte aus Gaza sind schrecklich. Dass Zivilisten getötet werden, die Schutz suchen, ist nicht hinnehmbar. Die wiederholten Angriffe der israelischen Armee auf Schulen mĂŒssen aufhören und rasch aufgeklĂ€rt werden», schrieb das Ressort von AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) am Sonntag auf der Plattform X.Â
Das Leid der Schutz suchenden Frauen, MĂ€nner und vielen Kinder, die seit Monaten immer wieder vor den KĂ€mpfen in Gaza flĂŒchteten, sei unermesslich. Sie dĂŒrften nicht weiter zwischen die Fronten geraten, die Hamas dĂŒrfe sie nicht als Schutzschilde missbrauchen.Â
Bei einem Anschlag im von Israel besetzten Westjordanland kam israelischen Angaben zufolge ein Israeli ums Leben. Der militĂ€rische Arm der Hamas reklamierte den Angriff fĂŒr sich.Â
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