Finale, Trump-Prozess

Finale im Trump-Prozess: Verteidigung fordert Freispruch

28.05.2024 - 17:35:57

Ist Trump schuldig, Schweigegeld fĂŒr einen Pornostar verschleiert zu haben? Die SchlussplĂ€doyers sind die letzte Möglichkeit, die Geschworenen zu beeinflussen. FĂŒr die Verteidigung ist die Sache klar.

Im Finale des historischen Prozesses gegen Donald Trump in Zusammenhang mit Schweigegeld fĂŒr einen Pornostar hat die Verteidigung die Unschuld des ehemaligen US-PrĂ€sidenten beteuert. Trump habe kein Verbrechen begangen und die Staatsanwaltschaft habe ihre VorwĂŒrfe nicht belegen können, sagte Verteidiger Todd Blanche am Dienstag bei seinem SchlussplĂ€doyer zu den zwölf Geschworenen in New York. Dem erneuten PrĂ€sidentschaftsbewerber droht bei einer Verurteilung eine mehrjĂ€hrige Freiheitsstrafe, die auch zur BewĂ€hrung ausgesetzt werden könnte, oder eine Geldstrafe. Er hat auf nicht schuldig plĂ€diert.

Blanche griff ĂŒbereinstimmenden Medienberichten zufolge erneut die GlaubwĂŒrdigkeit des Kronzeugen an: «Sie können PrĂ€sident Trump auf Grundlage der Aussagen von Michael Cohen nicht zweifelsfrei eines Verbrechens verurteilen.» Der ehemalige persönliche Anwalt Trumps habe wie so oft zuvor auch bei seiner Zeugenaussage gelogen, beharrte Blanche. Es handelt sich um den ersten Strafprozess gegen einen ehemaligen US-PrĂ€sidenten in der amerikanischen Geschichte. Vor Gericht in Downtown Manhattan geht es um mutmaßliche DokumentenfĂ€lschung in 34 FĂ€llen.

Drei Trump-Kinder unterstĂŒtzen Vater im Gerichtssaal

Seit Mitte April wurden mehr als 20 Zeuginnen und Zeugen gehört. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Trump, dass er seine Aussichten auf einen Erfolg bei der PrÀsidentschaftswahl 2016 durch die Zahlung von 130.000 Dollar an die Pornodarstellerin Stormy Daniels habe verbessern wollen. Obwohl die - von keiner Seite bestrittene - Zahlung selbst nicht illegal war, soll der heute 77-JÀhrige bei der Erstattung des Betrags an seinen damaligen persönlichen Anwalt Michael Cohen Unterlagen manipuliert haben, um den wahren Grund der Transaktion zu verschleiern. Dies habe die Zahlungen zu illegaler Wahlkampf-Finanzierung gemacht.

Die SchlussplĂ€doyers der Verteidigung und Anklage sind die letzte Möglichkeit in dem weltweit beachteten Prozess, die Meinung der zwölf Geschworenen zu beeinflussen. Die Jury wird sich danach zur Urteilsfindung zurĂŒckziehen. Dies wird fĂŒr Dienstag oder Mittwoch erwartet. Normalerweise dauern diese Beratungen zwischen einigen Stunden und mehreren Tagen. Richter Juan Merchan instruierte die Geschworenen: «Sie und Sie allein sind in diesem Fall die Richter der Tatsachen.» Der Richter rĂŒgte Anwalt Blanche zum Ende seines Vortrags wegen dessen Forderung an die Jury, Trump nicht ins GefĂ€ngnis zu schicken. Die Geschworenen legen das Strafmaß nicht fest.

Trump erschien am Dienstag wie an jedem Sitzungstag in einem dunkelblauen Anzug. Er trug eine rote Krawatte und hatte teils handgeschriebene Notizen vor sich liegen, auf denen stand, dass der Prozess eingestellt werden mĂŒsse. Neben mehr als einem Dutzend Personen in Trumps Entourage waren auch drei seiner Kinder anwesend: Donald Trump Junior, Eric Trump und Tiffany Trump. Seine Ehefrau Melania blieb dem Prozess, in dem es um viele Details zur angeblichen Untreue Trumps ging, stets fern.

Sexuelle Details wie in einer Reality-Show

TatsĂ€chlich war die Aussage von Pornostar Daniels ein Höhepunkt des Prozesses, auch weil sie peinlich genau erzĂ€hlte, wie sie Sex mit Trump hatte. Den ehemaligen PrĂ€sidenten ließ das nicht besonders gut aussehen. Einen Prozess-Reporter veranlasste es dazu, das Verfahren mit einer Reality-Show zu vergleichen. Blanche schĂ€rfte den Geschworenen in Bezug auf ihre denkwĂŒrdige Zeugenaussage ein, dass es in dem Fall um die Echtheit von Dokumenten gehe, nicht um eine etwaige Begegnung Trumps mit Daniels.

Blanche sagte zudem, Daniels Aussage habe lediglich dazu gedient, Emotionen bei den Geschworenen auszulösen und seinen Mandanten bloßzustellen. Insgesamt versuchte der Verteidiger an vielen Darstellungen der Anklage Zweifel zu sĂ€en, prĂ€sentierte den Geschworenen aber selten eine alternative ErklĂ€rung fĂŒr die Ereignisse.

Vor allem Cohen hatte Trump bei seiner Aussage belastet: Dieser habe die RĂŒckerstattung des - kurz vor seinem Wahlsieg bei der PrĂ€sidentenwahl 2016 gezahlten - Schweigegeldes als Anwaltshonorar an Cohen verschleiert. Bei einem harten Kreuzverhör durch Trump-Anwalt Blanche wurde zwar deutlich, wie oft der Kronzeuge in der Vergangenheit öffentlich gelogen hat, trotz der teils provokanten Fragen behielt der 57-JĂ€hrige aber die Contenance. Vor allem die Prozesstage rund um Cohens Aussage wurden zum Schaulaufen von Trumps politischen UnterstĂŒtzern im Gerichtssaal - darunter auch jene, die als Kandidaten fĂŒr die Vize-Rolle an Trumps Seite bei den Wahlen im November gesehen werden.

Zum Ende des Verfahrens verlor Richter Merchan ein Mal die Fassung, als er sich durch einen Trump-nahen Entlastungszeugen in seiner AutoritĂ€t untergraben sah. Merchan ließ den Saal vorĂŒbergehend rĂ€umen und drohte damit, den Mann aus dem Zeugenstand zu entfernen.

Einstimmiges Urteil nötig

Das Urteil dĂŒrfte sich auch auf den gegenwĂ€rtigen Wahlkampf in den Vereinigten Staaten auswirken - die Frage ist bloß: wie stark und zu wessen Vorteil. Trump versucht die Anschuldigungen in einen persönlichen Vorteil umzumĂŒnzen und seine AnhĂ€ngerschaft zu mobilisieren, indem er sich als Opfer einer politisch motivierten Justiz inszeniert.

Amtsinhaber Joe Biden scheint von der Prozessarie gegen seinen Herausforderer bislang nicht erkennbar zu profitieren. Am Dienstag hielt das Wahlkampfteam des PrĂ€sidenten nun erstmals eine Kundgebung am Rande des Verfahrens ab. Vor dem Gericht ließ das Biden-Team unter anderem Schauspiellegende Robert De Niro sprechen, der Trump kriminelles Verhalten vorwarf.

Im Falle einer Verurteilung durch die Jury wird Richter Merchan das Strafmaß an einem gesonderten Termin festlegen. Sollten die Geschworenen sich auch nach lĂ€ngerer Beratung nicht einigen können, ist der Prozess geplatzt. In diesem Fall hĂ€tte die Staatsanwaltschaft die Möglichkeit, das Verfahren mit einer neuen Jury erneut aufzurollen.

Trump: Mal interessiert, stets grimmig

Der Prozess findet unter beispiellosem medialem Interesse und strengsten Sicherheitsvorkehrungen in Downtown Manhattan statt. Trump war bei den Sitzungen stets anwesend und variierte die Farbe seiner Krawatte von Tag zu Tag. FĂŒr den kurzen Fototermin zu Beginn der Sitzung setzte er regelmĂ€ĂŸig ein grimmiges Gesicht auf. Einige Zeugen-Befragungen schien Trump interessiert zu verfolgen, an anderen Tagen waren sich US-Medien sicher, dass er die Augen ĂŒber lĂ€ngere Zeit geschlossen hielt, weil er eingedöst war. Beim Weg aus und in den Gerichtssaal grĂŒĂŸte er manchmal Reporter oder Besucher, die er wiedererkannte.

Trump nutzte den Prozess und den Medienauflauf fĂŒr den Wahlkampf: WĂ€hrend er sich im Gerichtssaal selbst ruhig verhielt, trat er im Flur vor Saal 1530 - in dem ĂŒbrigens schon Ex-Filmmogul Harvey Weinstein verurteilt wurde - tĂ€glich vor die Kameras, antwortete selten auf Fragen und monologisierte hĂ€ufig darĂŒber, dass das Verfahren gegen ihn politisch motiviert sei. Dabei schaffte er es im Verlauf des Prozesses immer besser, sich an die Anweisung von Richter Merchan zu halten, sich nicht ĂŒber Prozessbeteiligte zu Ă€ußern.

@ dpa.de