Italien-Proteste, Giorgia Meloni

Italien: Mehr als 100.000 protestieren gegen Meloni

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 13:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der landesweite Aktionstag richtete sich gegen hohe Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne und die Rüstungspolitik der Regierung. In Turin kam es zu Rangeleien, insgesamt blieben die Kundgebungen am Vormittag weitgehend friedlich.

Streikbeschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen

  • Die Gewerkschaft USB sprach am Mittag von mindestens einer Million Demonstranten, während Polizeizahlen zunächst fehlten.
  • Verkehrsminister Matteo Salvini verbot Streiks in Transportbereichen vor dem Feiertag Allerheiligen am 1. November.
  • In Rom wurde das Kolosseum besonders geschützt, in Mailand der Dom und in mehreren Städten wurden Teilnehmer zu friedlichem Verhalten aufgerufen.
  • Mehr als 100.000 Menschen protestieren in Italien gegen die Meloni-Regierung. - Bild: Antonio Calanni/AP/dpa
  • Aus Sorge vor Krawallen ist die Polizei im Großeinsatz. - Bild: Luca Bruno/AP/dpa
  • Insgesamt wurde in 50 Städten demonstriert - auch mit Straßenblockaden. - Bild: Alessandra Tarantino/AP/dpa
Mehr als 100.000 Menschen protestieren in Italien gegen die Meloni-Regierung. - Bild: Antonio Calanni/AP/dpa Aus Sorge vor Krawallen ist die Polizei im Großeinsatz. - Bild: Luca Bruno/AP/dpa Insgesamt wurde in 50 Städten demonstriert - auch mit Straßenblockaden. - Bild: Alessandra Tarantino/AP/dpa

Protesttag legt Italiens Regierung unter Druck

Aus Protest gegen die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sind in Italien mehr als 100.000 Menschen auf die Straße gegangen. Die größten Kundgebungen gab es in Rom, Mailand, Neapel und Turin; insgesamt wurde in mehr als 50 Städten demonstriert.

Schüler und Studenten beteiligen sich

Wie bei früheren Demonstrationen in den vergangenen Wochen beteiligten sich vielerorts erneut Schüler und Studenten. Die Proteste richteten sich vor allem gegen hohe Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne und die Rüstungsausgaben der Regierung.

Nach vorläufigen Berechnungen lag die Inflationsrate in Italien im Oktober bei 5,4 Prozent. Nach Angaben der Meldung war sie damit so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr.

USB ruft zu Arbeitsniederlegungen auf

Die Kundgebungen fanden im Rahmen eines Aktionstags statt, zu dem die Gewerkschaft USB aufgerufen hatte. Die Gewerkschaft sprach am Mittag von mindestens einer Million Demonstranten; Polizeizahlen lagen zunächst nicht vor.

Parallel dazu wurde in Bereichen wie dem öffentlichen Nahverkehr und dem Gesundheitswesen die Arbeit niedergelegt. Von einem vollständigen Generalstreik konnte jedoch nicht die Rede sein, da die Auswirkungen im Nah- und Fernverkehr am Vormittag begrenzt blieben.

Sicherheitskräfte verhindern größere Eskalation

Aus Sorge vor Ausschreitungen waren die Sicherheitskräfte in zahlreichen Städten im Großeinsatz. In Turin kam es zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizei, in anderen Städten zu vereinzelten Auseinandersetzungen.

Die meisten Kundgebungen verliefen bis zur Mittagsstunde friedlich. Die Lage blieb damit deutlich ruhiger als bei den Demonstrationen zwei Wochen zuvor, bei denen allein in Mailand mehr als 200 Sicherheitskräfte verletzt worden waren.

Streikverbot im Transportbereich

Verkehrsminister Matteo Salvini hatte Streiks in Transportbereichen wegen des bevorstehenden Feiertags Allerheiligen am 1. November per Anordnung verboten. In Rom zogen Demonstranten deshalb auch vor das Verkehrsministerium.

Italien wählt im kommenden Jahr ein neues Parlament. Meloni regiert seit Herbst 2022 mit einer Dreierkoalition; ihre Partei Fratelli d’Italia liegt in Umfragen vorn. Einen Termin für die Wahl gibt es noch nicht.

Der Protesttag verbindet soziale und politische Konflikte, die sich in Italien derzeit überlagern. Im Mittelpunkt stehen die gestiegenen Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne und der Vorwurf, die Regierung setze falsche Prioritäten bei den öffentlichen Ausgaben.

Die Beteiligung von Schülern und Studenten erweitert den Protest über klassische Arbeitskämpfe hinaus. Ihre Forderungen nach mehr Geld für Schulen und Universitäten zeigen, dass die Debatte auch die Zukunftschancen junger Menschen betrifft. Die landesweiten Kundgebungen geben diesen Anliegen eine größere Sichtbarkeit.

Wirtschaftlicher Druck und politische Folgen

Eine Inflationsrate von 5,4 Prozent verschärft den Druck auf Haushalte, insbesondere wenn Einkommen und Löhne nicht im gleichen Maß steigen. Für die Regierung wird damit entscheidend, ob sie die Preisbelastung begrenzen und zugleich bei Bildung, Sozialem und Verteidigung Prioritäten setzen kann.

Die Proteste fallen in eine politisch wichtige Phase vor der für das kommende Jahr erwarteten Parlamentswahl. Melonis Koalition liegt in Umfragen vorn, muss aber mit einem breiten Bündnis aus Gewerkschaften, Studierenden und weiteren Regierungskritikern umgehen. Entscheidend bleibt, ob die Mobilisierung dauerhaft anhält oder vor allem auf den Aktionstag begrenzt bleibt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Italien - Proteste gegen hohe Inflation und niedrige Löhne“ (30.10.2026)

Der Deutschlandfunk hebt die landesweiten Demonstrationen in rund 50 Städten, die Beteiligung junger Menschen und die Arbeitsniederlegungen hervor. Anders als die dpa-Meldung konzentriert sich der Beitrag auf Inflation, niedrige Löhne und die Forderungen von Schülern und Studenten.

taz: „Proteste in Italien: Gewerkschaften machen gegen Meloni mobil“ (30.10.2026)

Die taz berichtet ebenfalls über den Großeinsatz der Sicherheitskräfte, Kundgebungen in mehreren Städten und Rangeleien in Turin. Der Beitrag setzt einen anderen Schwerpunkt bei der Rolle der Gewerkschaft und nennt eine abweichende Inflationszahl; die dpa-Meldung nennt für den aktuellen Monat vorläufig 5,4 Prozent.

Übereinstimmend stehen die Proteste gegen Melonis Regierung, die Beteiligung junger Menschen und die Sicherheitsmaßnahmen im Mittelpunkt. Unterschiede gibt es bei der Gewichtung der Gewerkschaftsaktionen und bei der genannten Inflationsrate.

Disclaimer...
de | ausland | 70434733 |