Konklave: Wahl des neuen Papstes begonnen
07.05.2025 - 17:49:53Die Welt schaut jetzt nach Rom: Nach mehr als zwölf Jahren hat wieder ein Konklave zur Wahl des neuen Papstes begonnen. Die TĂŒr der Sixtinischen Kapelle, wo nun 133 KardinĂ€le strengstens abgeschirmt den Nachfolger des verstorbenen Papstes Franziskus bestimmen, wurde Punkt 17.46 Uhr verschlossen. Nach dem lateinischen Ruf «extra omnes» («Alle hinaus») mussten bis auf die MĂ€nner in Rot alle die Kapelle verlassen.Â
Bis zur Bekanntgabe des 267. Papstes in zwei Jahrtausenden Kirchengeschichte kann es dauern. Allgemein erwartet wird, dass die Entscheidung bis Ende dieser Woche fĂ€llt. Sicher ist das allerdings nicht. Bis dahin ist der Rest der Welt auf Rauchzeichen aus dem Schornstein auf dem Dach der Kapelle angewiesen. Schwarz bedeutet: noch keine Entscheidung. WeiĂ: Es gibt einen neuen Papst.
Erster Rauch vermutlich nach 19.00 Uhr
Der erste Wahlgang ist noch am Nachmittag. Vermutlich zwischen 19.00 Uhr und 20.00 Uhr wird dann erstmals wieder Rauch aus dem neu installierten Schornstein aufsteigen. Jeder rechnet damit, dass er schwarz sein wird. Es gilt als Ă€uĂerst unwahrscheinlich, dass es sofort einen neuen Papst gibt. Damit die Farbe klar zu erkennen ist, werden bei der Verbrennung der Stimmzettel, die den Rauch erzeugen, einige Chemikalien zugemischt. Trotzdem ist er manchmal grau.
Nach kurzem Gebet geht es fĂŒr die KardinĂ€le zum Abendessen ins Vatikan-GĂ€stehaus Santa Marta zurĂŒck. Dort sind die Kirchenoberen wĂ€hrend der gesamten Dauer des Konklaves untergebracht â auch hier abgeschottet von der AuĂenwelt. Alle Handys und sonstigen digitalen GerĂ€te mĂŒssen sie abgeben. Den Abend können sie fĂŒr GesprĂ€che, Gebete oder LektĂŒre nutzen.Â
Am Donnerstag geht es mit bis zu vier WahlgĂ€ngen weiter, zwei vormittags und zwei nachmittags â auĂer, es gibt eine Zweidrittelmehrheit fĂŒr einen der KardinĂ€le. Der Name Konklave kommt vom Lateinischen cum clave: mit dem SchlĂŒssel, also eingeschlossen in der Sixtinischen Kapelle.
WeiĂer Rauch nach erstem Wahlgang unwahrscheinlich
Das Konklave ist dieses Mal so groĂ und so international besetzt wie noch nie. Franziskus hatte sehr viele neue Kirchenobere befördert, oft auch aus weit entfernten LĂ€ndern. Deshalb bedeutet Zweidrittelmehrheit dieses Mal: 89 Stimmen. Manche vermuten deshalb, dass es lĂ€nger dauern könnte als frĂŒher. Seit den 1960er Jahren waren alle Konklave nach zwei oder drei Tagen vorbei.Â
Vor dem offiziellen Beginn zogen die KardinĂ€le in einer feierlichen Zeremonie von der Paulinischen Kapelle im Vatikan in die Sixtinische Kapelle ein. Dort legten sie einen Eid ab. Darin versprachen sie, sich an die Regeln zu halten. Dazu gehört insbesondere absolute Verschwiegenheit ĂŒber das, was hinter der TĂŒr in der Kapelle passiert. Manchmal erfĂ€hrt man spĂ€ter aber doch einiges: Auch Franziskus plauderte darĂŒber, wie es 2013 bei seiner Wahl war.
Mit Messe auf Konklave eingestimmt
Am Morgen hatten sich die KardinĂ€le mit einer feierlichen Messe im Petersdom eingestimmt. An dem Gottesdienst nahmen auch KardinĂ€le teil, die wegen Ăberschreitens der Altersgrenze von 80 Jahren bei den Abstimmungen nicht mehr dabei sein dĂŒrfen. Die Messe «Pro eligendo Romano Pontefice» («Zur Wahl des Römischen Pontifex») wurde vom Dekan des Kardinalkollegiums geleitet, dem Italiener Giovanni Battista Re.Â
Der 91-JĂ€hrige sagte, man habe sich versammelt, um den Beistand des Heiligen Geistes fĂŒr die Wahl zu erbitten. Die KardinĂ€le ermahnte er, «alle persönlichen ErwĂ€gungen zurĂŒckzustellen». Jetzt dĂŒrfe man «nur den Gott Jesu Christi sowie das Wohl der Kirche und der Menschheit im Sinn und im Herzen haben».
Zahlreiche Favoriten
Wegen seines hohen Alters ist der Dekan selbst im Konklave nicht dabei. Die Wahlversammlung wird vom ranghöchsten wahlberechtigten Kardinal geleitet, dem Italiener Pietro Parolin. Als KardinalstaatssekretĂ€r war der 70-JĂ€hrige unter Franziskus im Vatikan die Nummer zwei. Parolin wird auch als Favorit fĂŒr die Nachfolge des Argentiniers gehandelt. Allerdings wurden die Listen mit den Namen von möglichen neuen PĂ€psten von Tag zu Tag lĂ€nger.
Als AnwÀrter gelten noch zwei weitere Italiener: der Erzbischof von Bologna, Matteo Zuppi (69), sowie der Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa (60). Im GesprÀch sind unter anderem der Philippiner Luis Antonio Tagle (67), der Franzose Jean-Marc-Aveline (66), der Portugiese José Tolentino de Mendonça (59), der Ungar Peter Erdö (72), der Luxemburger Jean-Claude Hollerich (66).
Am Konklave nehmen auch drei deutsche KardinĂ€le teil. Der ehemalige PrĂ€fekt der Vatikan-Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig MĂŒller, sagte der dpa, er habe sich seinen Koffer fĂŒr «fĂŒnf, sechs Tage» packen lassen. «Man muss schon vorbereitet sein», so der 77-JĂ€hrige. «Aber jeder hofft natĂŒrlich, dass es nicht so lange dauert. Jeder will nach Hause.» Wahlberechtigt sind auch Reinhard Marx (71) aus MĂŒnchen und Rainer Maria Woelki (68) aus Köln.
Wie viele WahlgÀnge werden nötig sein?
Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio, der sich den Papstnamen Franziskus gab, wurde 2013 nach anderthalb Tagen gewĂ€hlt, im fĂŒnften Wahlgang. Beim deutschen Papst Benedikt XVI. ging es 2005 sogar noch schneller: vier WahlgĂ€nge nur. Benedikt trat als erster Papst nach vielen Jahrhunderten völlig ĂŒberraschend zurĂŒck. Er starb 2022 mit 95 Jahren.
Der katholischen Glaubenslehre zufolge ist der Papst Nachfolger des Apostels Petrus und Stellvertreter von Jesus Christus auf Erden. Zudem ist er Bischof von Rom, Primas von Italien und Staatsoberhaupt des Vatikans. GroĂe weltliche Macht hat er nicht. Er ist aber fĂŒr viele Menschen eine moralische AutoritĂ€t.







