Donald Trump, Kalifornien

Kalifornien: Gericht stoppt Trumps Antrag zu 20.000 WĂ€hlern

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 05:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ein US-Gericht lehnt den Antrag des Justizministeriums ab, Briefwahlstimmen von mutmaßlich nicht wahlberechtigten Personen vorerst auszusondern. Die Entscheidung fĂ€llt wenige Tage vor den Zwischenwahlen und verschĂ€rft den Streit ĂŒber die Kontrolle von WĂ€hlerlisten.

Kaliforniens WĂ€hlerlisten und Briefwahl

  • Das Heimatschutzministerium warnte im Juli vor mehr als 190.000 registrierten Nicht-StaatsbĂŒrgern.
  • Kalifornien verlangte die Grundlage der Warnung, erhielt darauf aber keine Antwort.
  • Der Richter bezeichnete den möglichen Schaden fĂŒr das Vertrauen in die Demokratie als irreparabel.
Es ging im Streitfall um 20.000 mögliche Stimmen (Archivbild). - Bild: John Gibbins/San Diego Union-Tribune/ZUMA/dpa

Gericht weist Trumps Antrag zu kalifornischen Stimmzetteln zurĂŒck

Die US-Regierung von PrĂ€sident Donald Trump hat im Streit um rund 20.000 WĂ€hler in Kalifornien eine Niederlage erlitten. Ein zustĂ€ndiger Richter wies den Antrag auf eine einstweilige VerfĂŒgung zurĂŒck und erklĂ€rte, die Maßnahme hĂ€tte verheerende Folgen fĂŒr die IntegritĂ€t der Wahl.

Streit um Briefwahlstimmen

Das Justizministerium wollte erreichen, dass Briefwahlstimmzettel von mutmaßlich nicht wahlberechtigten Personen getrennt aufbewahrt werden und nicht in die AuszĂ€hlung einfließen, bis ihre IdentitĂ€t geklĂ€rt ist. Die Regierung wirft Kalifornien vor, wissentlich Nicht-US-StaatsbĂŒrger zur Wahl zuzulassen.

Die Klage betrifft die bevorstehenden Midterms. Am kommenden Dienstag werden unter anderem das US-ReprÀsentantenhaus sowie rund ein Drittel der Sitze im Senat neu gewÀhlt.

Warnung vor mehr als 190.000 Registrierten

Nach Gerichtsunterlagen wandte sich das US-Heimatschutzministerium bereits im Juli an kalifornische Verantwortliche. Es warnte, mehr als 190.000 Nicht-StaatsbĂŒrger seien als WĂ€hler registriert.

Kalifornien verlangte daraufhin die Grundlage der Behauptung, weil der Bundesstaat dem Ministerium noch keine WĂ€hlerliste ĂŒbermittelt hatte. Das Ministerium beantwortete diese Anfrage nicht. Nachdem Kalifornien der Forderung nicht nachkam, zog das Justizministerium vor Gericht.

Richter warnt vor dauerhaftem Schaden

Der Richter schrieb, noch nie zuvor habe eine US-Regierung auf diese Weise und kurz vor einer Wahl versucht, Bundesstaaten ihrer Rechte zu berauben. Das Abhalten von Wahlen liegt in den USA maßgeblich in der Hand der Bundesstaaten.

Er warnte, untergrabenes Vertrauen in die Demokratie sei irreparabel. Sobald eine Stimme ausgesondert werde, entstehe ein bleibender Schaden; besonders gefĂ€hrlich sei es, wenn die Exekutive mit unbewiesenen VorwĂŒrfen vorgehe.

Streit ĂŒber Wahlregeln spitzt sich zu

Die Trump-Regierung stellt die IntegritÀt von US-Wahlen wiederholt infrage. Trump behauptet weiterhin, die PrÀsidentschaftswahl 2020 gegen den Demokraten Joe Biden gewonnen zu haben; diese Behauptung ist mehrfach widerlegt worden.

Auch der Versuch, die Briefwahlregeln vor den Wahlen zu verschÀrfen, scheiterte am Obersten Gerichtshof. Kritiker sehen darin eine mögliche Benachteiligung der Demokraten, deren WÀhlerschaft traditionell hÀufiger per Brief abstimmt.

Der Rechtsstreit berĂŒhrt eine zentrale ZustĂ€ndigkeitsfrage des US-Wahlrechts. Bundesstaaten organisieren Wahlen weitgehend selbst, wĂ€hrend die Bundesregierung bei Bundeswahlen zwar Vorgaben durchsetzen kann, aber in die konkrete AuszĂ€hlung einzelner Stimmzettel nur unter engen rechtlichen Voraussetzungen eingreifen darf.

Die von der Trump-Regierung genannte Zahl von rund 20.000 Personen bezieht sich auf einen Verdacht zur Staatsangehörigkeit, nicht auf festgestellte FĂ€lle unzulĂ€ssiger Stimmabgabe. Kalifornische Wahlbeamte hatten nach Angaben aus den Gerichtsunterlagen Zweifel an der Datengrundlage geĂ€ußert. Eine Stichprobe habe zudem gezeigt, dass ein Teil der genannten Personen keine aktiven Registrierungen besaß oder nach den Angaben zum Geburtsort wahrscheinlich US-StaatsbĂŒrger war.

Folgen fĂŒr die Midterms

Die Entscheidung fÀllt unmittelbar vor den Zwischenwahlen, bei denen das ReprÀsentantenhaus sowie rund ein Drittel des Senats neu bestimmt werden. Eine Aussonderung von Briefwahlstimmen kurz vor der AuszÀhlung hÀtte nicht nur die betroffenen WÀhler, sondern auch die AblÀufe der Wahlbehörden belastet.

Politisch verstĂ€rkt der Fall den Konflikt ĂŒber die IntegritĂ€t amerikanischer Wahlen. Die Regierung stellt die Kontrolle der WĂ€hlerlisten in den Mittelpunkt, wĂ€hrend Kritiker vor einer EinschrĂ€nkung des Wahlrechts durch unbewiesene VorwĂŒrfe warnen. FĂŒr die weitere Auseinandersetzung bleibt entscheidend, wie Gerichte die ZustĂ€ndigkeit zwischen Bundesstaaten und Bundesregierung bei der PrĂŒfung einzelner Stimmen abgrenzen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Neue Ohrfeige fĂŒr Trump: Gericht lĂ€sst Tausende Stimmzettel in Kalifornien weiter auszĂ€hlen“ (27.10.2026)

Der Beitrag hebt hervor, dass ein Berufungsgericht den Eilantrag mit 2:1 Stimmen zurĂŒckgewiesen habe und der Fall an den zustĂ€ndigen Bezirksrichter zurĂŒckgegangen sei. Anders als die dpa-Meldung legt er zusĂ€tzlichen Schwerpunkt auf die Zusammensetzung des Richtergremiums und Zweifel an der Datengrundlage.

Frankfurter Rundschau: „Zweifel am Wahlsystem: Trump behauptet, nur „ehrliche Wahlen“ zu respektieren“ (28.10.2026)

Der Artikel ordnet den Streit in Trumps wiederholte Zweifel an der LegitimitĂ€t von Wahlen ein und betont die ZustĂ€ndigkeit der Bundesstaaten und des Kongresses fĂŒr die BestĂ€tigung von Ergebnissen. Offen bleibt auch dort, wie der Rechtsstreit weiter ausgeht.

Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigen die ZurĂŒckweisung des Vorgehens gegen die kalifornischen Stimmzettel. Der erste legt den Schwerpunkt auf das Gerichtsverfahren, der zweite auf die politische Wirkung im Vorfeld der Midterms.

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