ImmunitÀt Trumps: Keine Entscheidung vom Obersten Gericht
22.12.2023 - 22:51:30Der ehemalige US-PrÀsident spielt bei der Anklage gegen ihn wegen versuchten Wahlbetrugs auf Zeit - und kann nun einen Erfolg verbuchen. Der Oberste Gerichtshof der USA teilte mit, sich vorerst nicht mit der Frage der ImmunitÀt Trumps zu befassen.
Damit dĂŒrfte der Anfang MĂ€rz geplante Termin fĂŒr den Wahlbetrugsprozess gegen Trump in der US-Hauptstadt Washington nicht mehr zu halten sein. Die Entscheidung ist ein groĂer Schlag fĂŒr Sonderermittler Jack Smith, der Trump wegen seiner Versuche, das Wahlergebnis der PrĂ€sidentenwahl 2020 zu kippen, angeklagt hat. Unterdessen ist neues Tonmaterial aufgetaucht, das belegen soll, wie Trump nach der Wahl Druck auf Wahlhelfer ausgeĂŒbt hat.
Hoffnung auf schnelle Entscheidung gescheitert
Sonderermittler Smith hatte den Supreme Court darum geben, zĂŒgig zu klĂ€ren, ob Trump wegen seines Verhaltens nach der Wahl vor drei Jahren auf Bundesebene strafrechtlich verfolgt werden kann - oder ob er durch seine ImmunitĂ€t als PrĂ€sident geschĂŒtzt ist. AnhĂ€nger Trumps hatten am 6. Januar 2021 den Parlamentssitz in Washington gestĂŒrmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg des Demokraten Joe Biden bei der PrĂ€sidentenwahl formal zu bestĂ€tigen. Trump hatte seine AnhĂ€nger zuvor bei einer Rede aufgewiegelt. Infolge der Krawalle kamen damals fĂŒnf Menschen ums Leben.
Trumps AnwĂ€lte argumentierten, dass der Republikaner nicht rechtlich fĂŒr Taten belangt werden könne, die zu seinen Pflichten als PrĂ€sident gehörten. Die zustĂ€ndige Richterin in dem Verfahren hatte einen entsprechenden Antrag allerdings abgelehnt. Gegen diese Entscheidung hatte Trumps Team Berufung eingelegt - damit ist ein Berufungsgericht am Zug. Doch Sonderermittler Smith wĂ€hlte einen ungewöhnlichen Weg: Er wollte das Berufungsgericht umgehen und wandte sich direkt mit der Bitte an den Supreme Court, die Frage schnell zu klĂ€ren: «Dieser Fall betrifft Fragen von auĂergewöhnlicher nationaler Bedeutung.»
Seinen Antrag lehnte das Oberste Gericht nun aber ohne BegrĂŒndung ab. Damit muss die Berufung ihren Weg durch die Instanzen gehen, was sich hinziehen kann. Eine mĂŒndliche Verhandlung vor einem Berufungsgericht ist fĂŒr den 9. Januar angesetzt. Es ist davon auszugehen, dass der Fall nach der Entscheidung des Gerichts wieder beim Supreme Court landen wird. Es wĂ€re das erste Mal, dass sich das Oberste Gericht der USA mit der Frage beschĂ€ftigt, ob Ex-PrĂ€sidenten ImmunitĂ€t vor Strafverfolgung auf Bundesebene genieĂen. Ein Prozessbeginn Anfang MĂ€rz in Washington gegen Trump ist damit unwahrscheinlich, da auf die höchstinstanzliche Entscheidung gewartet werden muss.
Weitere Anklagen gegen Trump
Trump, der noch mit weiteren strafrechtlichen Anklagen konfrontiert ist, will fĂŒr die Republikaner noch einmal ins WeiĂe Haus einziehen. Der 77-JĂ€hrige fĂŒhrt in parteiinternen Umfragen mit Abstand - die Vorwahlen fĂŒr die Kandidatur beginnen in wenigen Wochen. Bisher deutet alles auf eine Neuauflage des Wahlkampfs zwischen Trump und dem amtierenden PrĂ€sidenten Joe Biden hin. Trump setzt darauf, die Prozesse gegen ihn bis nach der Wahl zu verzögern. Sollte er gewinnen, könnte er seinen Justizminister auffordern, die Ermittlungen auf Bundesebene gegen ihn einzustellen.
Gleichzeitig sorgte in den USA ein Bericht der Zeitung «Detroit News» fĂŒr Aufsehen. Die Zeitung schrieb ĂŒber eine Audioaufnahme Trumps aus dem November 2020, die ihr eigenen Angaben nach vorliegt. In dieser soll Trump zwei Wahlbeamte unter Druck gesetzt haben, die Wahlergebnisse fĂŒr einen wichtigen Bezirk im US-Bundesstaat Michigan nicht zu bestĂ€tigen. Trump-Sprecher Steven Cheung erklĂ€rte US-Medien zufolge als Reaktion auf den Bericht, dass «alle MaĂnahmen von PrĂ€sident Trump in ErfĂŒllung seiner Pflicht als PrĂ€sident der Vereinigten Staaten ergriffen wurden, sich treu um die Gesetze zu kĂŒmmern und die IntegritĂ€t der Wahlen zu gewĂ€hrleisten».
Trumps mutmaĂlicher Anruf passt in das damalige Muster des Republikaners, Beamte, Wahlhelfer und Politiker dazu zu drĂ€ngen, das Wahlergebnis der PrĂ€sidentenwahl nicht zu akzeptieren. Trump verlor die Wahl gegen Biden. Er erkennt seine Niederlage bis heute nicht an und verbreitet die LĂŒge von einer «gestohlenen» Wahl.


