Ungarns Staatschefin tritt nach PĂ€dophilie-Skandal zurĂŒck
10.02.2024 - 17:55:29Ungarns StaatsprĂ€sidentin Katalin Novak ist auf Druck von Opposition und Regierung zurĂŒckgetreten. Sie hatte einen Mann begnadigt, der wegen Beihilfe zu sexuellem Missbrauch von MinderjĂ€hrigen verurteilt worden war. Damit löste sie breite Empörung aus.Â
«Ich habe einen Fehler gemacht», sagte Novak in einer vom ungarischen Staatsfernsehen verbreiteten Video-Aufzeichnung. Sie amtierte seit Mai 2022 als Staatsoberhaupt. Nur wenige Stunden vor ihrem RĂŒcktritt war Novak vorzeitig von einem offiziellen Besuch aus dem Golfemirat Katar nach Budapest zurĂŒckgekehrt. Tausende Demonstranten hatten am Freitagabend in Budapest ihren RĂŒcktritt verlangt.
Orban will Verfassung Àndern
Der rechtspopulistische MinisterprĂ€sident Viktor Orban hatte sich zuletzt öffentlich von seiner frĂŒheren politischen Mitstreiterin Novak distanziert. Er brachte eilig den Vorschlag fĂŒr eine VerfassungsĂ€nderung ins Parlament ein, der zufolge StraftĂ€ter, deren Tatopfer Kinder sind, niemals begnadigt werden dĂŒrfen.Â
Orbans Regierung will insbesondere als BeschĂŒtzerin von Kindern vor sexualisierter Gewalt gelten. 2021 setzte sie ein umstrittenes «Kinderschutzgesetz» durch, das etwa eine AufklĂ€rung von Kindern in Schulen ĂŒber HomosexualitĂ€t verbietet. Auch Vertreiber von entsprechenden Publikationen sind verpflichtet, diese fĂŒr MinderjĂ€hrige unzugĂ€nglich zu machen. Kritiker bemĂ€ngeln, dass der Geist dieses Gesetzes HomosexualitĂ€t mit PĂ€dophilie gleichsetzt.
Der von Novak begnadigte Mann war stellvertretender Leiter eines Kinderheims in Bicske bei Budapest. Er hat dem Gerichtsurteil zufolge Kinder dazu gezwungen, ihre Zeugenaussagen als Missbrauchsopfer gegen den Heimleiter zu widerrufen, um seinen Chef zu entlasten. Ăber Jahre hinweg hatte er von den Missbrauchsakten gewusst. Der Heimleiter wurde zu acht Jahren GefĂ€ngnis verurteilt. Sein begnadigter Stellvertreter hatte eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten erhalten.Â
Die Begnadigung hatte schon im April 2023 stattgefunden, aus Anlass des damaligen Besuchs von Papst Franziskus in Budapest. Er war aber erst vor einer Woche durch Medienberichte bekanntgeworden.
RĂŒcktritt spielt Orban in die Karten
In Ungarn spielen Staatschefs politisch eine untergeordnete Rolle. Sie werden vom Parlament gewĂ€hlt, in der Regel auf Vorschlag der stĂ€rksten Partei. Die Besetzung dieses Amts mit Novak, bis dahin fĂŒhrenden Politikerin von Orbans Partei Fidesz, hatte der Premier vorgeschlagen.Â
Mit ihrem RĂŒcktritt dĂŒrfte Orban nun aber auch deswegen zufrieden sein, weil Novak in der letzten Zeit nicht immer die Regierungspolitik vertreten hatte. Bei mehreren Gelegenheiten Ă€uĂerte sie sich deutlich kritisch zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, wĂ€hrend Orban gute Beziehungen zum Kremlchef Wladimir Putin pflegt. Novak sprach sich auch fĂŒr eine zĂŒgige Ratifizierung von Schwedens Nato-Beitritt durch Ungarns Parlament aus, den Orban hinauszögert.


