Nach Tötung eines Kommandeurs greift Hisbollah Israel an
04.07.2024 - 15:22:41Die libanesische Hisbollah hat als Reaktion auf die Tötung eines hochrangigen Kommandeurs nach eigenen Angaben mehr als 200 Raketen und 20 Drohnen auf Israel abgefeuert. Dabei kam ein israelischer Reservist im Range eines Majors ums Leben, wie die israelischen StreitkrĂ€fte mitteilten.Â
Der zuvor getötete Kommandeur der Hisbollah soll nach Angaben des israelischen MilitĂ€rs fĂŒr eine Abteilung zustĂ€ndig gewesen sein, die fĂŒr den Abschuss von Raketen auf Israel verantwortlich war.Â
Die vom Iran unterstĂŒtzte Hisbollah will erst mit dem Beschuss auf Israel aufhören, wenn es eine Waffenruhe im Gaza-Krieg gibt. Die Hisbollah handelt nach eigenen Aussagen aus SolidaritĂ€t mit der palĂ€stinensischen Islamistenorganisation Hamas. Die «Libanon-Front» sei eine «UnterstĂŒtzungsfront», wie Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah immer betont.Â
Auslöser des Gaza-Krieges waren die Massaker und Geiselnahmen von palĂ€stinensischen Terrororganisationen wie der Hamas am 7. Oktober in Israel.Â
Kreise: Bewegung in Verhandlungen um Waffenruhe
Die zĂ€hen Verhandlungen ĂŒber eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und ĂŒber einen Austausch von Geiseln gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge in israelischen GefĂ€ngnissen nehmen wieder an Fahrt auf.Â
Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu genehmigt die Entsendung eines Verhandler-Teams fĂŒr weitere GesprĂ€che mit der islamistischen Hamas. Damit könnten die derzeit feststeckenden indirekten Verhandlungen ĂŒber eine Waffenruhe im Gaza-Krieg und ĂŒber einen Austausch von Geiseln gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge in israelischen GefĂ€ngnissen einen neuen Schub bekommen, berichtete das israelische Kan-Radio unter Berufung auf Regierungsbeamte.Â
Israel hatte zuvor erklĂ€rt, einen Vorschlag der Hamas zu prĂŒfen. Die Vermittlerstaaten USA, Katar und Ăgypten hĂ€tten dem israelischen Verhandlungsteam einen Entwurf der Hamas vorgelegt, wie das BĂŒro von Netanjahu mitteilte.Â
Die Hamas teilte ebenfalls mit, mit den Vermittlern «einige Ideen» auszutauschen, um ein Ende des Kriegs zu erreichen. Der Inhalt des Hamas-Vorschlags ist bislang nicht bekannt. Es ist auch unklar, inwieweit er vom zuletzt diskutierten Plan abweicht.
Netanjahu: Krieg endet erst, wenn Ziele erreicht sind
Bislang scheiterte ein Abkommen vor allem daran, dass die Hamas ein vollstĂ€ndiges Ende des Gaza-Kriegs und einen RĂŒckzug Israels aus dem Gazastreifen fordert.Â
Israel lehnt dies ab und spricht von einer zeitlich begrenzten Waffenruhe fĂŒr den Austausch von Geiseln gegen Gefangene und die Lieferung von dringend benötigten humanitĂ€ren HilfsgĂŒtern in den Gazastreifen.
MinisterprĂ€sident Netanjahu bekrĂ€ftigte indes in einem TelefongesprĂ€ch mit US-PrĂ€sident Joe Biden, unverĂ€ndert an den Kriegszielen festzuhalten. Die militĂ€rische Auseinandersetzung werde erst enden, wenn Israel alle seine Ziele erreicht habe, darunter die Zerschlagung der Hamas und die Befreiung aller Geiseln, sagte Netanjahu nach Informationen des israelischen Regierungsamtes.Â
In dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen werden noch 120 Geiseln vermutet, viele von ihnen dĂŒrften aber nicht mehr am Leben sein.Â
TĂ€glicher Beschuss an der Grenze Israels zum Libanon
Im Norden Israels heulten vielfach die Sirenen. Israels Armee identifizierte nach eigenen Angaben rund 200 Geschosse und mehr als 20 Drohnen, die auf israelisches Gebiet geflogen seien. Das MilitĂ€r greife im Gegenzug die Abschussorte im Libanon an.Â
Nach Angaben der Hisbollah handelte es sich um VergeltungsmaĂnahmen fĂŒr die Tötung einer ihrer hochrangigen Kommandeure. Der ranghohe Hisbollah-FunktionĂ€r Hashim Safieddine erklĂ€rte bei der Beerdigung des getöteten Kommandeurs der Schiitenmiliz, die Vergeltungsangriffe hĂ€tten am Mittwochabend begonnen und seien noch nicht beendet. Die Front im Libanon bleibe stark und werde immer stĂ€rker werden.
Die libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete darĂŒber hinaus, dass bei einem israelischen Angriff in Hula im SĂŒdlibanon eine Person getötet worden sei. AuĂerdem wurde laut NNA eine Frau bei einem weiteren Angriff verletzt.Â
Die Hisbollah bestĂ€tigte den Tod eines ihrer Mitglieder. Der Mann stammte demnach aus Hula. Wie, wo und wann der KĂ€mpfer ums Leben kam, fĂŒhrte die Miliz nicht nĂ€her aus. Israels Armee teilte mit, sie habe «militĂ€rische GebĂ€ude der Hisbollah» unter anderem in Hula aus der Luft angegriffen.
Israel und die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah liefern sich seit Beginn des Gaza-Kriegs nahezu tĂ€glich Gefechte. Zuletzt nahm deren IntensitĂ€t deutlich zu. Es besteht die Sorge, dass sich die Kampfhandlungen zu einem regionalen Konflikt ausweiten.Â
Irans Schattenkrieg mit Israel
Der Iran ist nicht nur mit der Hisbollah und der Hamas verbĂŒndet, sondern auch mit nichtstaatlichen Akteuren im Irak sowie im Jemen. Syrien ist Teherans einziger strategischer Partner auf staatlicher Ebene. Deshalb unterstĂŒtzt der Iran Staatschef Baschal al-Assad.Â
Israel möchte mit militĂ€rischem und politischem Druck erreichen, dass sich die Hisbollah hinter den 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss zurĂŒckzieht - so wie es eine UN-Resolution vorsieht.Â







