Israel-Wahl, Benjamin Netanjahu

Knesset-Wahl: 74,3 Prozent Beteiligung in Israel

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 20:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Rund 7,3 Millionen Menschen entscheiden über die 120 Sitze des israelischen Parlaments. Wegen der erwarteten Kräfteverhältnisse könnten nach der Auszählung schwierige Koalitionsverhandlungen folgen.

Auszählung und Regierungsauftrag

  • Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte bestimmen die 120 Sitze der Knesset.
  • Die Wahllokale sollen um 21.00 Uhr MEZ schließen, danach werden erste Prognosen erwartet.
  • Vorläufige Endergebnisse werden am Donnerstag, die offiziellen Ergebnisse acht Tage nach der Wahl erwartet.
  • Auch in der arabisch geprägten Stadt Taibe bildeten sich in Wahllokalen lange Schlangen. Foto aktuell - Bild: Gil Cohen-Magen/dpa
  • Gadi Eisenkot, wichtigster Herausforderer von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, kündigt im Fall einer Regierungsübernahme einen neuen Politikstil an. Foto aktuell - Bild: Ariel Schalit/AP/dpa
  • Bei der Parlamentswahl in Israel zeichnete sich eine hohe Beteiligung ab. Vielerorts bildeten sich vor den Wahllokalen Schlangen. Foto aktuell - Bild: Gil Cohen-Magen/dpa
  • Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ruft seine Anhänger auf, zur Wahl zu gehen. Foto aktuell - Bild: Yonatan Sindel/Pool Flash90 via AP/dpa
Auch in der arabisch geprägten Stadt Taibe bildeten sich in Wahllokalen lange Schlangen. Foto aktuell - Bild: Gil Cohen-Magen/dpa Gadi Eisenkot, wichtigster Herausforderer von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, kündigt im Fall einer Regierungsübernahme einen neuen Politikstil an. Foto aktuell - Bild: Ariel Schalit/AP/dpa Bei der Parlamentswahl in Israel zeichnete sich eine hohe Beteiligung ab. Vielerorts bildeten sich vor den Wahllokalen Schlangen. Foto aktuell - Bild: Gil Cohen-Magen/dpa Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ruft seine Anhänger auf, zur Wahl zu gehen. Foto aktuell - Bild: Yonatan Sindel/Pool Flash90 via AP/dpa

Israel wählt ein neues Parlament

Bei der Parlamentswahl in Israel zeichnen sich eine hohe Beteiligung und ein enges Rennen zwischen dem Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seinen politischen Gegnern ab. Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, die 120 Abgeordneten der Knesset zu bestimmen.

Hohe Beteiligung bis zum Abend

Nach Angaben der zentralen Wahlkommission lag die Beteiligung bis 19.00 Uhr MEZ bei 74,3 Prozent. Bei der Wahl 2022 waren es zu diesem Zeitpunkt 66,3 Prozent gewesen; insgesamt hatten damals 70,6 Prozent abgestimmt.

Die Wahllokale sollen um 21.00 Uhr MEZ schließen. Danach werden erste Prognosen auf Grundlage von Nachwahlbefragungen erwartet. Medienberichten zufolge reisten mehr als 70.000 Israelis aus dem Ausland an, um ihre Stimme abzugeben.

Soldatenstimmen werden später gezählt

Die Stimmen von Hunderttausenden israelischen Soldaten und Reservisten sollen turnusmäßig erst ab Mittwoch ausgezählt werden. Dieser Wählergruppe wird eine starke Unterstützung rechter Parteien zugeschrieben.

Mit vorläufigen Endergebnissen wird am Donnerstag gerechnet. Die offiziellen Ergebnisse sollen acht Tage nach der Wahl veröffentlicht werden.

Koalitionsbildung dürfte schwierig werden

Nach den letzten Umfragen zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Netanjahu und dem früheren Militärchef Gadi Eisenkot ab, der die Mitte-Partei Jaschar anführt. Voraussichtlich wird kein Block die für eine Regierungsbildung erforderlichen 61 Sitze erreichen.

In diesem Fall könnten lange Koalitionsverhandlungen folgen. Auch eine Pattsituation ist möglich; dann könnte Netanjahu zunächst an der Spitze einer Übergangsregierung im Amt bleiben, bis neu gewählt wird.

Sicherheit und Demokratie prägen den Wahlkampf

Es ist die erste Wahl seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg. Der Wahlkampf drehte sich vor allem um Sicherheit, Demokratie und Netanjahus politische Verantwortung für den Terrorangriff.

Auch der umstrittene Umbau der Justiz und der Streit über die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe spalteten die Gesellschaft. Eisenkot kündigte für den Fall eines Regierungswechsels einen neuen Politikstil an; Netanjahu mobilisierte seine Anhänger dagegen mit Warnungen vor einer zu niedrigen Beteiligung im rechten Lager.

Mögliche Folgen für die Nahostpolitik

Ein Regierungswechsel würde die israelische Politik gegenüber den Palästinensern nicht automatisch grundlegend verändern. Wie Netanjahus Likud lehnen die meisten Oppositionsparteien die Gründung eines palästinensischen Staates ab.

Unterschiede könnten sich beim Umgang mit der Gewalt im Westjordanland und beim festgefahrenen Gaza-Plan ergeben. Auch im Konflikt mit der libanesischen Hisbollah besteht bei Eisenkot die Forderung, dass die Miliz zunächst entwaffnet werden müsse.

Die Wahl ist die erste Parlamentswahl seit dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Gaza-Krieg. Damit verbindet sich die Abstimmung mit der Frage, wie Israel künftig Sicherheit, politische Verantwortung und den Umgang mit dem Gaza-Konflikt gewichten will.

Innenpolitisch steht die Regierung vor mehreren ungelösten Konflikten. Der umstrittene Umbau der Justiz hat die Gesellschaft tief gespalten; zugleich belastet der Streit über die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Männer das Verhältnis zwischen religiösen und säkularen Bevölkerungsteilen. Die hohe Beteiligung deutet auf eine starke Mobilisierung in einer politisch polarisierten Lage hin.

Koalitionen entscheiden über den Kurs

Entscheidend ist nicht allein, welches Lager die meisten Stimmen erhält. Das israelische Verhältniswahlrecht macht die Bildung einer Mehrheit von mindestens 61 der 120 Knesset-Sitze erforderlich. Erreicht kein Block diese Schwelle, können kleinere Parteien über die Regierungsbildung entscheiden.

Für die Wähler bedeutet das, dass das Ergebnis möglicherweise nicht unmittelbar in einen klaren Machtwechsel mündet. Die Auszählung der Soldatenstimmen, die Koalitionsgespräche und die Entscheidung des Präsidenten über den Auftrag zur Regierungsbildung werden den weiteren Verlauf bestimmen.

Außenpolitische Folgen

Ein Regierungswechsel würde die israelische Sicherheits- und Palästinenserpolitik nicht automatisch grundlegend verändern. Auch Oppositionskräfte lehnen einen palästinensischen Staat überwiegend ab und bestehen auf Sicherheitsgarantien. Unterschiede könnten jedoch beim Umgang mit der Gewalt im Westjordanland, beim Gaza-Wiederaufbau und beim politischen Stil liegen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Knesset-Wahl 2026: Israel vor der Entscheidung“ (27.10.2026)

Der Beitrag bestätigt das enge Rennen zwischen Benjamin Netanjahu und Gadi Eisenkot sowie die hohe Bedeutung der Wahl nach dem 7. Oktober 2023. Anders als die dpa-Meldung legt er den Schwerpunkt stärker auf die gesellschaftliche Spaltung, die Wahlkampfthemen und die möglichen Koalitionsoptionen.

BR24: „Wahlbeteiligung in Israel ist auf Rekordkurs“ (27.10.2026)

Der Beitrag bestätigt die ungewöhnlich hohe Beteiligung und das erwartete enge Rennen. Er setzt einen anderen Akzent auf den Streit über eine mögliche Verlängerung der Öffnungszeiten der Wahllokale und die bevorstehenden Hochrechnungen.

Gemeinsam ist den Beiträgen die Einschätzung, dass die Wahlbeteiligung hoch und der Ausgang offen ist. Unterschiede liegen vor allem bei der Gewichtung von Wahlkampf, gesellschaftlicher Spaltung und dem organisatorischen Ablauf; offen bleibt, ob eines der Lager die nötige Mehrheit für eine Regierungsbildung erreicht.

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