König Charles verweigert Entschuldigung beim Commonwealth-Gipfel
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 17:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBurnham öffnet Regierungsgespräche
- Charles hielt seine Rede zum Commonwealth-Gipfel in St. John's, der Hauptstadt von Antigua und Barbuda.
- Der Monarch bezeichnete den Sklavenhandel als „monströse Ungerechtigkeit“ und verwies auf die Rolle der Royal Navy bei seiner Beendigung.
- Premier Andy Burnham schließt Reparationszahlungen aus, signalisiert aber Gespräche über eine offizielle Entschuldigung.
Charles spricht von Trauer, entschuldigt sich aber nicht
König Charles III. hat bei seiner Rede zum Commonwealth-Gipfel in St. John's keine ausdrückliche Entschuldigung für die Rolle Großbritanniens im transatlantischen Sklavenhandel ausgesprochen. Er bezeichnete das historische Kapitel als beschämend und den Sklavenhandel als „monströse Ungerechtigkeit“.
Monarch verweist auf historische Verantwortung
Charles sagte, das Kapitel erfülle sein Herz mit Entsetzen und seine Seele mit tiefster persönlicher Trauer. Zugleich verwies er darauf, dass die britische Royal Navy eine führende Rolle bei der Beendigung des internationalen Sklavenhandels gespielt habe.
Der Palast hatte vor dem Auftritt erklärt, eine Äußerung zu konkreten politischen Fragen der britischen Regierung sei für den König als Oberhaupt des Commonwealth nicht angemessen. Die britische Regierung hatte eine offizielle Entschuldigung bislang vermieden, auch wegen möglicher Forderungen nach Reparationen.
Burnham signalisiert Gesprächsbereitschaft
Premierminister Andy Burnham deutete bei dem Gipfel einen Kurswechsel an. Seine Regierung sei offen für Gespräche über eine offizielle Entschuldigung, schrieb er zuvor in der Zeitung „The Guardian“.
Reparationszahlungen an die betroffenen Länder schließt Burnham jedoch aus. Stattdessen will er sich auf internationaler Ebene für Entgegenkommen bei der Schuldenlast wirtschaftlich schwächerer Länder einsetzen, etwa durch niedrigere Zinsen oder längere Rückzahlungsfristen.
Großbritannien transportierte Millionen Afrikaner
Großbritannien war besonders im 18. Jahrhundert eine führende Macht des Sklavenhandels. Schätzungen zufolge transportierten englische Schiffe zwischen 1640 und 1807 rund drei Millionen Afrikaner in britische Kolonien in der Karibik, Nord- und Südamerika sowie in andere Länder.
Der Sklavenhandel aus Afrika wurde im damaligen British Empire ab dem 1. Mai 1807 verboten. Die Sklaverei selbst wurde in den Kolonien erst 1834 abgeschafft. Entschädigt wurden die versklavten Menschen und ihre Nachfahren bis heute nicht, wohl aber die damaligen Sklavenhalter.
Die Rede in St. John's steht im Spannungsfeld zwischen historischer Anerkennung und politischer Verantwortung. Charles bezeichnete den transatlantischen Sklavenhandel als monströse Ungerechtigkeit und sprach von persönlicher Trauer, vermied aber eine formelle Entschuldigung. Damit bleibt die britische Monarchie bei einer Linie, die das Leid anerkennt, ohne daraus eine konkrete staatliche Verpflichtung abzuleiten.
Besonders relevant ist der von Premierminister Andy Burnham angedeutete Dialog. Eine mögliche Entschuldigung wäre politisch vom König selbst zu unterscheiden, weil die Regierung für die Haltung des britischen Staates verantwortlich ist. Burnham verbindet Gesprächsbereitschaft mit einer Absage an Reparationszahlungen und verweist stattdessen auf mögliche Erleichterungen für wirtschaftlich schwächere Länder bei der Schuldenlast.
Historische Verantwortung und heutige Forderungen
Großbritannien war über lange Zeit eine zentrale Macht des transatlantischen Sklavenhandels. Der Handel wurde 1807 verboten, die Sklaverei in den britischen Kolonien jedoch erst 1834 abgeschafft. Für karibische Staaten ist die Debatte deshalb nicht nur eine Frage des Gedenkens, sondern auch mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Kolonialgeschichte verbunden.
Für die Commonwealth-Beziehungen dürfte entscheidend sein, ob aus Burnhams Gesprächsangebot ein dauerhaftes Verfahren entsteht. Die Rede des Königs kann die Forderung nach Anerkennung dämpfen, ersetzt aber keine politische Entscheidung über eine offizielle Entschuldigung oder weitere Formen der Zusammenarbeit.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
stern: „Gipfeltreffen in der Karibik: Der britische Sklavenhandel: Warum nicht entschuldigen?“ (02.11.2026)
Der Artikel ordne die Rede des Königs in die anhaltende Debatte über die britische Rolle im Sklavenhandel ein. Er stelle Burnhams Gesprächsbereitschaft den Forderungen karibischer Staaten nach Reparationen sowie dem Widerstand in der britischen Opposition gegenüber.
Die Darstellung bestätige damit den Kern der dpa-Meldung und setze einen breiteren Schwerpunkt auf Proteste, politische Gegenpositionen und die Forderungen der Karibischen Gemeinschaft. Offen bleibe, ob aus dem angekündigten Dialog eine formelle Entschuldigung oder eine konkrete politische Initiative entstehe.
Übergreifend bestehe Einigkeit über die historische Belastung des Themas; Unterschiede gebe es vor allem bei der Frage, ob Anerkennung in eine Entschuldigung oder finanzielle Leistungen münden solle.
