Papst mahnt zu Frieden: «Dröhnen der Waffen möge verstummen»
25.12.2025 - 12:24:47 | dpa.dePapst Leo XIV. hat in seiner ersten Weihnachtsbotschaft einen starken Friedensappell in die Welt gesendet. Zum Höhepunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan nahm der im Mai neu gewĂ€hlte Pontifex leidende Menschen in Kriegsgebieten in den Blick, vor allem in der Ukraine und im Nahen Osten. Vor Tausenden GlĂ€ubigen auf dem Petersplatz in Rom rief das Oberhaupt der katholischen Kirche auch jeden Einzelnen auf, sich gegen Hass, Gewalt und Zwietracht sowie fĂŒr Dialog, Frieden und Versöhnung einzusetzen.Â
Als der Papst am Donnerstag um 12.00 Uhr auf den Balkon des Petersdoms trat, brach Jubel unter den Menschen aus, die bei Nieselregen gewartet hatten. Kurz zuvor war er mit dem Papamobil ĂŒber den Platz gefahren, um die Besucher zu begrĂŒĂen. Rund 26.000 Menschen kamen laut Vatikan auf den Petersplatz, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.Â
Hoffnung auf Dialog zum Frieden fĂŒr die Ukraine
Mit Blick auf den Ukraine-Krieg sagte der Papst: «Möge das Dröhnen der Waffen verstummen und mögen die beteiligten Parteien, unterstĂŒtzt durch das Engagement der internationalen Gemeinschaft, den Mut finden, einen ehrlichen, direkten und respektvollen Dialog zu fĂŒhren.»Â
Er formulierte damit eine Hoffnung, die angesichts einer vorherigen ĂuĂerung auch als Appell an Russland verstanden werden kann: An Heiligabend hatten Medien den Papst mit der ĂuĂerung zitiert, ihn habe traurig gestimmt, dass Russland einen Weihnachtswaffenstillstand abgelehnt hat. Der Papst rief dabei zu einem eintĂ€gigen Gewaltverzicht und einer Weihnachts-Waffenruhe fĂŒr alle Kriege in der Welt auf.Â
«GefĂŒhl der Ohnmacht» im Nahen Osten
Neben der Ukraine hob Leo in seiner Weihnachtsbotschaft den Nahen Osten hervor. Dort habe er bei seiner jĂŒngsten Reise die Ăngste der Menschen vernommen und kenne ihr GefĂŒhl der Ohnmacht angesichts der MachtverhĂ€ltnisse, unter denen sie litten, sagte er.Â
Der Papst forderte «Gerechtigkeit, Frieden und StabilitĂ€t fĂŒr den Libanon, fĂŒr PalĂ€stina, Israel und Syrien» und erwĂ€hnte explizit die Bewohner des Gazastreifens, die nichts mehr besĂ€Ăen und alles verloren hĂ€tten. Seit dem 10. Oktober gilt zwischen der islamistischen Hamas und Israel eine Waffenruhe. Doch sie ist fragil und die Menschen in dem KĂŒstenstreifen leben weiter unter katastrophalen Bedingungen.Â
Darauf hatte der Papst in der Messe am Morgen des ersten Weihnachtstages hingewiesen, als er von den Zelten in Gaza sprach, «die seit Wochen dem Regen, dem Wind und der KĂ€lte ausgesetzt sind».Â
Allgemein sprach er das Schicksal von Soldaten an, die in den Krieg ziehen mĂŒssten: «Zerbrechlich sind die Leben der jungen Menschen, die zu den Waffen gezwungen werden und gerade an der Front die Sinnlosigkeit dessen spĂŒren, was von ihnen verlangt wird.»
Erstes Weihnachtsfest mit Papst LeoÂ
Leo XIV. wurde im Mai als erster US-Amerikaner zum Papst gewĂ€hlt. Sein VorgĂ€nger, Papst Franziskus, war im April im Alter von 88 Jahren gestorben. FĂŒr die katholische Kirche mit ihren etwa 1,4 Milliarden GlĂ€ubigen war es also das erste Weihnachtsfest mit dem 70 Jahre alten US-Amerikaner als Oberhaupt. Die Ansprache vor dem Segen «Urbi et Orbi» (Der Stadt und dem Erdkreis) nutzen die PĂ€pste traditionell fĂŒr einen Friedensappell.Â
Leo XIV. wĂŒnschte den GlĂ€ubigen zum Abschluss in zehn Sprachen frohe Weihnachten, neben Deutsch auch auf Chinesisch und auf Arabisch - und nahm damit eine Tradition seiner VorgĂ€nger vor Franziskus wieder auf. «Es lebe der Papst!», riefen GlĂ€ubige, als der Papst auf dem Balkon nochmals zum GruĂ die Arme hob.Â
Vergessene Konflikte
Frieden und Trost erbat der Papst auch fĂŒr die Opfer von in Vergessenheit geratenen Kriegen und fĂŒr alle, die unter Ungerechtigkeit, politischer InstabilitĂ€t, religiöser Verfolgung und Terrorismus litten. Er nannte unter anderem den Sudan, den SĂŒdsudan, Mali, Burkina Faso und die Demokratische Republik Kongo. Er erwĂ€hnte auch Myanmar, Haiti und den Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha, der kĂŒrzlich wieder aufgeflammt war. Er verwies auch auf das Schicksal von Migranten, die aus ihrer Heimat fliehen mĂŒssten.Â
Aufruf zu VerantwortungÂ
Die GlĂ€ubigen erinnerte er an ihre eigene Verantwortung. Er lade alle ein, sich «entschieden und gemeinsam» zu engagieren. «Lassen wir uns nicht von der GleichgĂŒltigkeit gegenĂŒber den Leidenden besiegen», sagte der Papst. «Ăffnen wir an diesem heiligen Tag unser Herz fĂŒr unsere BrĂŒder und Schwestern in Not und Leid.» WĂŒrde jeder einzelne, anstatt andere zu beschuldigen, zuerst auf die eigenen Fehler schauen und sich zugleich in die Lage der Leidenden versetzen, wĂ€re die Welt eine bessere.Â
Ăberall auf der Welt gebe es Menschen, die sich fĂŒr die Gerechtigkeit entschieden, auch wenn es sie etwas koste, die Frieden ĂŒber die eigenen Ăngste stellten, erneuerte der Papst am Freitag, dem zweiten Weihnachtstag, seinen Aufruf an die GlĂ€ubigen. Das mache Hoffnung trotz aller Unsicherheiten. «Wer heute an den Frieden glaubt und den unbewaffneten Weg Jesu und der MĂ€rtyrer gewĂ€hlt hat, wird oft lĂ€cherlich gemacht, aus der öffentlichen Debatte verdrĂ€ngt und nicht selten beschuldigt, Gegner und Feinde zu begĂŒnstigen», kritisierte der Papst, der sich damit erneut an die GlĂ€ubigen auf dem Petersplatz wandte. Er erbat dabei auch Beistand fĂŒr verfolgte Christen.Â
Papst erinnert an seine VorgÀnger
An Heiligabend hatte der Papst bei seiner ersten Christmette in Rom zu Mitmenschlichkeit aufgerufen. Wo Platz fĂŒr den Menschen sei, sei auch Platz fĂŒr Gott, sagte er im voll besetzten Petersdom unter Verweis auf Worte des vor drei Jahren gestorbenen Kirchenoberhaupts Benedikt XVI. Weihnachten sei ein Fest der Hoffnung, das «uns zu Boten des Friedens» mache.Â
Auf dem Petersplatz verfolgten Tausende im Regen die auf Bildschirmen ĂŒbertragene Christmette. Der Papst war eigens vor Beginn der Messe vor den Petersdom getreten, hatte die unter Regenschirmen Wartenden begrĂŒĂt, ihnen frohe Weihnachten gewĂŒnscht und sich bedankt, dass sie trotz des Wetters gekommen seien. AnschlieĂend segnete er sie.
Leo XIV. erinnerte in der Christmette auch an seinen VorgÀnger Franziskus, der zu Weihnachten 2024 - gesundheitlich angeschlagen - das Heilige Jahr eröffnet hatte. Das Heilige Jahr endet nun am 6. Januar.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

