Nato-Staaten einig bei Verteidigungsausgaben
22.06.2025 - 18:09:22 | dpa.deWenige Tage vor dem Nato-Gipfel in Den Haag haben die 32 BĂŒndnisstaaten eine Einigung ĂŒber die geplante neue Zielvorgabe fĂŒr die Mindesthöhe der nationalen Verteidigungsausgaben erzielt. Wie die Deutsche Presse-Agentur nach dem Ende eines schriftlichen Entscheidungsverfahrens erfuhr, wollen sich die Alliierten beim Gipfel bereiterklĂ€ren, ihre jĂ€hrlichen verteidigungsrelevanten Ausgaben auf mindestens fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erhöhen.
Ein Betrag von mindestens 3,5 Prozent des BIP soll dabei auf klassische MilitĂ€rausgaben entfallen. Zudem werden zum Beispiel Ausgaben fĂŒr die TerrorismusbekĂ€mpfung und militĂ€risch nutzbare Infrastruktur angerechnet werden können. Das könnten zum Beispiel Investitionen in Bahnstrecken, panzertaugliche BrĂŒcken und erweiterte HĂ€fen sein. Als Frist fĂŒr die ErfĂŒllung des neuen Ziels fĂŒr die Verteidigungsausgaben soll das Jahr 2035 gelten, wie nach Angaben von Diplomaten aus dem Text fĂŒr die geplante AbschlusserklĂ€rung des Nato-Gipfels hervorgeht.Â
Derzeit sieht das Nato-Ziel fĂŒr die Verteidigungsausgaben lediglich jĂ€hrliche nationale Ausgaben in Höhe von mindestens zwei Prozent des BIP vor. Grund fĂŒr die nun vereinbarte Erhöhung sind insbesondere die Bedrohungen durch Russland, aber auch die Forderung von US-PrĂ€sident Donald Trump, dass die EuropĂ€er kĂŒnftig die Hauptverantwortung fĂŒr die konventionelle Abschreckung und Verteidigung auf ihren Kontinent ĂŒbernehmen sollen.
Trump hatte schon in seiner ersten Amtszeit immer wieder die aus seiner Sicht unzureichenden Verteidigungsausgaben der europĂ€ischen Alliierten kritisiert und diesen vorgeworfen, sich zu sehr auf den Schutz der USA zu verlassen. Mehrfach drohte er dabei sogar mit einem Nato-Austritt der USA. In den vergangenen Wochen hatte es wiederholt geheiĂen, Trump werde möglicherweise nicht zum Nato-Gipfel reisen, wenn es keine Einigung auf das FĂŒnf-Prozent-Ziel gebe.Â
Bundesregierung ist mit dabei
Deutschland hatte sich bereits im Mai bei einem Nato-AuĂenministertreffen in der TĂŒrkei hinter die Forderung von US-PrĂ€sident Trump nach einer massiven Erhöhung der Verteidigungsausgaben der Alliierten auf jeweils fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestellt. Zuletzt hatte im Kreis der Nato-Staaten nur noch Spanien Widerstand geleistet.
FĂŒr zahlreiche Nato-Staaten stellt neue Zielvorgabe eine riesige Herausforderung dar - auch wenn sie erst 2035 erreicht werden muss. So kam Deutschland im vergangenen Jahr lediglich auf eine Quote von etwa 2,1 Prozent, und nach Angaben von Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU) wĂŒrde jeder Prozentpunkt mehr fĂŒr Deutschland derzeit ungefĂ€hr 45 Milliarden Euro mehr an Verteidigungsausgaben bedeuten. Bei fĂŒnf Prozent wĂ€ren nach Rechnung von Merz derzeit verteidigungsrelevante Ausgaben in Höhe von 225 Milliarden Euro pro Jahr notwendig. Zur Einordnung: Die gesamten Ausgaben des Bundeshaushalts beliefen sich im vergangenen Jahr auf rund 466 Milliarden Euro.
Vergleichsweise unproblematisch dĂŒrfte das neue Ziel lediglich fĂŒr die USA selbst und LĂ€nder wie Estland, Lettland und Griechenland werden. Sie liegen bereits heute bei klassischen Verteidigungsausgaben von ĂŒber drei Prozent. Spitzenreiter war im vergangenen Jahr Polen mit einer BIP-Quote von 4,1 Prozent. Die USA hatten nach BĂŒndniszahlen zuletzt eine BIP-Quote von etwa 3,4 Prozent.
ErnĂŒchternd dĂŒrfte der Text fĂŒr die AbschlusserklĂ€rung des Nato-Gipfels fĂŒr die Ukraine werden. Ihr wird dort nach Angaben des nun vereinbarten Textes lediglich vage eine fortgesetzte UnterstĂŒtzung in Aussicht gestellt. Noch im vergangenen Jahr hatte die Nato der Ukraine beim Gipfel in Washington zugesichert, SicherheitsunterstĂŒtzung in Höhe von 40 Milliarden Euro bereitzustellen. Zudem wurde damals festgehalten, dass ihr Pfad zur Mitgliedschaft unumkehrbar sei. Wegen des Widerstandes insbesondere der USA konnten solche Formulierungen nun nicht mehr wiederholt werden.
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