OsteuropĂ€er fordern mehr Einsatz fĂŒr Ukraine-Munitionsplan
15.11.2023 - 05:18:36Aus Osteuropa kommen Forderungen nach entschlossenen Rettungsversuchen fĂŒr den vom Scheitern bedrohten EU-Munitionsplan fĂŒr die Ukraine. Wenn aus den eigenen Lagern und ĂŒber eigene neue Bestellungen bei der Industrie nicht ausreichend Munition organisiert werden könne, sollte man bereit sein, in Drittstaaten zu kaufen, sagte Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur in einem GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dies sei eine der möglichen Lösungen.
Pevkur verwies darauf, dass nach Angaben des EU-AuĂenbeauftragten Josep Borrell erhebliche Mengen an in der EU produzierter Munition wegen bestehender VertrĂ€ge in andere Staaten geliefert werden. Mit diesen LĂ€ndern könnten nach seiner Meinung Verhandlungen gefĂŒhrt werden, um die Munition dann in die von Russland angegriffene Ukraine umzuleiten. «Die Produktion ist da», sagte er.
Pistorius erwartet Scheitern des EU-Plans
Der estnische Politiker reagierte mit den Forderungen auf den schleppenden Fortschritt beim EU-Plan fĂŒr die Lieferung von einer Million Artilleriegeschosse an die Ukraine bis zum FrĂŒhjahr 2024. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte deswegen am Dienstag am Rande von EU-Beratungen erklĂ€rt, dass er ein Scheitern erwarte. «Die eine Million werden nicht erreicht. Davon muss man ausgehen», sagte der SPD-Politiker. Grund seien unzureichende ProduktionskapazitĂ€ten.
Pevkur stellte zugleich klar, dass er es fĂŒr keine gute Idee hĂ€lt, europĂ€ische RĂŒstungsunternehmen zu einer Priorisierung von Bestellungen fĂŒr die Ukraine zu zwingen, wie es zum Teil erwogen wird. Zur Rechtsstaatlichkeit gehöre es auch, VertrĂ€ge zu akzeptieren, sagte er. Wenn man Zwang anwende, werde man nicht das erwĂŒnschte Ergebnis erzielen, sondern die Beziehungen zu Drittstaaten und zur Industrie ruinieren. Die einzige Möglichkeit bestehe darin, dass man mit diesen DrittlĂ€ndern eine Vereinbarung treffe, die vorsehe, dass Lieferungen im gegenseitigen EinverstĂ€ndnis verschoben wĂŒrden, um dann mehr Geschosse in die Ukraine schicken zu können.
GroĂe Mengen an Munition gehen in Drittstaaten
Mit welchen Drittstaaten aus seiner Sicht verhandelt werden könnte, wollte Pevkur wegen der Vertraulichkeit von VertrĂ€gen nicht sagen. Auch der AuswĂ€rtige Dienst der EU Ă€uĂerte sich dazu zunĂ€chst nicht. Es wird laut Borrell allerdings davon ausgegangen, dass derzeit etwa 40 Prozent der Produktion in DrittlĂ€nder exportiert wird.
Die Fortschritte der EU bei der UnterstĂŒtzung der Ukraine und HilfsplĂ€ne fĂŒr die Zukunft hatten am Dienstag als Topthema auf der Tagesordnung eines Verteidigungsministertreffen in BrĂŒssel gestanden. Die EU-Staaten hatten der Ukraine am 20. MĂ€rz versprochen, innerhalb von zwölf Monaten eine Million neue Artilleriegeschosse fĂŒr den Abwehrkrieg gegen Russland bereitzustellen. Sie sollen aus den BestĂ€nden der Mitgliedstaaten, aber auch ĂŒber neue gemeinsame Beschaffungsprojekte organisiert werden und EngpĂ€sse der ukrainischen StreitkrĂ€fte verhindern.
Druck auch aus Lettland
Nach Zahlen des AuswĂ€rtigen Dienstes der EU konnten bislang allerdings erst etwa 300.000 der in Aussicht gestellten Artilleriegranaten geliefert werden. Weitere rund 180 000 wurden bereits ĂŒber gemeinschaftliche Beschaffungsprojekte bestellt.
Ăhnlich wie Pevkur hatte sich bereits vor den EU-Beratungen der lettische Verteidigungsminister Andris Spruds geĂ€uĂert. Er forderte «Ehrgeiz und Ambitionen», um die gesetzten Ziele zu erreichen.


